Ist ein Bagger schuld am schulischen Datenproblem?

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Das Scheffold-Gymnasium

Eltern des Scheffold-Gymnasiums wünschen sich für ihre Kinder mehr und flüssigere Videokonferenzen.

Schwäbisch Gmünd. Eine schwache Datenleitung, das ist in Zeiten des E-Mail-Verkehrs noch kein Problem. Wenn aber Video-Konferenzen angesagt sind, kommt es zum Kollaps. Die neuen Unterrichtsformen in Corona-Zeiten decken solche Mängel rasch auf und bringen nun Eltern des Scheffold-Gymnasiums auf den Plan. Darunter habe das Homeschooling gelitten, schreiben nun Betroffene an die GT. Und Bernd Gockel, Schulleiter des Scheffold-Gymnasiums, gibt ihnen Recht. „Unsere Datenverbindung ist tatsächlich ein Problem“, sagt er und betont, dass Lehrer während der Pandemie Homeschooling nicht von der Schule aus begleiten konnten. „Die Videokonferenzen können Lehrkräfte nur zuhause führen.“ Als Grund vermuten Eltern ein Versäumnis aus der Vergangenheit. So soll es ursprünglich je eine Datenleitung fürs Scheffold-Gymnasium und die Adalbert-Stifter-Realschule gegeben haben. Durch einen Baggerbiss während Sanierungsarbeiten sei eine Leitung gekappt und wohl nicht repariert worden.

Eine zweite Leitung nachzurüsten sei nach Auskunft der EDV-Fachleute kein Garant für bessere Leistung, sagt Klaus Arnholdt, Leiter des Amts für Bildung. Das könne zu einer instabilen Versorgung beitragen. Aber man wisse, dass die Vorhandene Kapazität von 600 Mbit/s im Download und 40 Mbit/s im Upload nicht ausreichten. So könnten weder von der ASR noch vom Scheffold-Gymnasium aus sichere Videokonferenzen geführt werden. Aber, so Arnholdt weiter, Probleme mit der Datenversorgung gebe es an mehreren Schulen in der Stadt.

„Wir sind schon enttäuscht vom digitalen Angebot“, sagt Larissa Wild, Elternvertreterin am SG. Lehrer hätten es nicht einfach, weil von zuhause aus nicht immer hoher Datenfluss für Videokonferenzen möglich sei. Vor allem beim Sprachunterricht hält sie häufige Videokonferenzen für wichtig, die es in erforderlicher Zahl nicht gegeben habe.

„Das Anliegen der Eltern ist auch unseres“, sagt Gmünds Erster Bürgermeister Christian Baron, der am Dienstag vor Ort im Scheffold-Gymnasium das Gespräch suchte. Er will das Thema rasch aufgreifen und für Verbessung sorgen. „Allerdings“, gibt er zu bedenken, „geht das nicht auf einen Schlag“. Wegen Corona sei die EDV-Abteilung gewaltig unter Druck. Baron verwahrt sich deshalb gegen Vorwürfe aus der Elternschaft, die Stadt nehme das Problem auf die leichte Schulter. „Das ist nicht fair, weil an vielen Stellen gleichzeitig gearbeitet werden muss.“ Aber sachliche Kritik sei natürlich berechtigt.

In den vergangenen Monaten habe die Stadt in Sachen Digitalisierung große Sprünge gemacht. Auch bei den Endgeräten, die in den Schulen ankamen. Die Herausforderungen durch die Pandemie sei die EDV-Abteilung wegen der Personaldecke an ihre Grenzen gekommen. „Aber wir haben auch viele positive Rückmeldungen, was alles schon gelaufen ist“, so Christian Baron.

Über die Sorgen der Schüler und der Eltern möchte er nun das direkte Gespräch suchen. „Ich habe noch am Dienstag zu einer Gesprächsrunde mit Schulleitung, Eltern, Schülern, dem Amt für Bildung und Vertretern der EDV eingeladen. Es soll nächste Woche unter Christian Barons Leitung stattfinden. „Ich freue mich auf das Gespräch“, sagt er, „weil wir alle das gleiche Ziel haben, Schulen optimal digital aufzustellen“. Mehr möchte auch Schulleiter Bernd Gockel nicht. „Unser einziges Interesse ist, dass wir vernünftig arbeiten können.“ Ein Thema, das inzwischen auch von Gemeinderatsfraktionen aufmerksam verfolgt wird. Andreas Dionyssiotis, Stadtrat der Linken, spricht von komplexen Hintergründen, vielen Akteuren, unter ihnen auch die Providerfirmen.

Kuno Staudenmaier

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