„Jeder Schritt tut mir gut“

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Für Fußgänger eine ungute Situation: Sind Fußwege auch für Radfahrer freigegeben, kommen sich beide schnell in die Quere. , z.B. am Fehrle-Steg. Viele Senioren wünschen sich, dass sie in aller Ruhe zu Fuß unterwegs sein können.
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Wer rastet, der rostet. Das gilt auch für das Gehen. Warum die natürlichste Fortbewegungsart für einen aktiven Lebensabend besonders wichtig ist.

Schwäbisch Gmünd

Gehen hält einfach fit“, sagen Heiko und Christa von Tschammer und sind selbst die besten Beispiele. Das Ehepaar aus Bettringen geht morgens und abends bei Wind und Wetter eine längere Runde. Gewichtsprobleme kennen sie nicht, und auch sonst lässt die Gesundheit auch mit rund 80 Jahren nichts zu wünschen übrig. Für sie ist die Bewegung nicht nur eine körperliche Wohltat – auch Seele und Geist werden angeregt, betonen sie. Gerade nach der morgendlichen Runde starte man anders in den Tag: durchlüftet und ausgeglichen, und der Kreislauf ist angeregt.

„Was der Körper nicht braucht, baut er ab“, erklärt Dr. med. Stefan Waibel, der am Stauferklinikum die geriatrische Abteilung leitet, in der es um Altersmedizin geht. Deshalb sei es wichtig, in Bewegung zu bleiben, vor allem im Alter, wenn sich der Stoffwechsel verlangsame. Muskelerhalt und -aufbau sind für ihn das A und O, will man den Lebensabend aktiv gestalten. Mit zunehmendem Alter baue die Muskelmasse ab, in der Fachsprache Sarkopenie. Doch dem körperlichen Abbau und dem nachlassenden Gleichgewichtssinn könne jeder entgegenwirken, erklärt Waibel. Er empfiehlt neben einem Fitnessprogramm eine gesunde Ernährung mit eiweißreicher Kost.

Doch auch die Gesellschaft und die Stadtplanung sieht der Geriater in der Pflicht: Wie sind die Gehwege beschaffen, besteht an manchen Stellen eine Stolpergefahr? Im Alter gehe alles einen Tick langsamer, auch das müsse berücksichtigt werden, etwa bei der Ampelschaltung oder beim Einstieg in den Bus. Die Zahl der Älteren werde weiter zunehmen, weshalb der Mediziner prognostiziert, dass der Druck auf die Städte und Gemeinden zunehmen werde, viele Bereiche altersgerechter zu gestalten.

Erwin Leuthe, der viele Jahre das Stadtplanungsamt geleitet hat, weist auf eine weitere Schwierigkeit hin: Wenn Gehwege zugeparkt sind und ein gehbehinderter Mensch mit Rollator den Bordstein überwinden muss, um auf die Straße auszuweichen. Er fordert, die Bewegung zurück in die Stadt zu holen und es den Fußgängern so bequem wie möglich zu machen, zum Beispiel mit kleinen Verbindungswegen nur für Fußgänger; und für die Senioren sollten in regelmäßigen Abständen Sitzmöglichkeiten geschaffen werden.

Irene Dujim, die sich seit zehn Jahren im Stadtseniorenrat engagiert, kommt beim Thema Senioren zu Fuß schnell auf Radfahrer zu sprechen. Wenn einzelne ein rücksichtsloses Fahrverhalten an den Tag legen, sei das sehr bedrohlich, das höre sie immer wieder von älteren Menschen. Radverkehr müsste viel mehr vom Fußverkehr getrennt werden, fordert sie. Dieser Forderung kann Heidi Kiessling nur unterstreichen. Die 65-Jährige erledigt so gut wie alles zu Fuß, mit dem Rad und dem Bus. Oft begleitet sie ihre betagte Mutter zu Fuß vom Taubental in die Stadt. Dabei erleben sie viel Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft, aber auch Situationen, die erschreckend sind, beispielsweise wenn sie auf dem Fehrle-Steg von Radfahrern überholt werden. Auf Fußwegen von Radlern „weggeklingelt“ zu werden, sei unzumutbar. Hier sieht sie auch die Senioren in der Pflicht, auch sie sollten sich rücksichtsvoll und verkehrsgerecht verhalten.

Was der Körper nicht braucht, baut er ab.“

Dr. Stefan Waibel,, Abteilung Geriatrie
  • Mobilität für alle - und attraktivere Plätze
  • Der Verein Fuß e.V. nennt einen weiteren Punkt, der älteren Menschen das Zu-Fuß-Gehen erleichtert: ein langsamer Fahrverkehr. Was sich nach Einschränkung anhört, sieht die Bundesstiftung Baukultur, die 2021 zu einer Werkstatt „Lebensräume umbauen“ nach Schwäbisch Gmünd einlud, eher als Befreiungsschlag: „Verkehrsplanung und Verkehrspolitik, die die schwächsten Verkehrsteilnehmer, nämlich Kinder, alte Menschen und Menschen mit Beeinträchtigungen, zum Maßstab machen, schaffen nicht nur Mobilität für alle, sondern häufig auch attraktivere und vielfältig nutzbare öffentliche Räume“, ist im Baukultur-Bericht 2020/21 zu lesen. ⋌mar

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