Jedes Spiegelbild hat Risse

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Die Theater-AG des Parler.

Auch „Ein perfekter Ehemann“ ist nicht ganz perfekt. Diese Erkenntnis bot Oscar Wildes Komödie in der Theaterwerkstatt, gespielt von der Theater-AG des Parler-Gymnasiums.

Schwäbisch Gmünd

Bühne auf und Vorhang frei für die Theater-AG des Parler-Gymnasiums. Die Mitglieder der AG konnten unter der Leitung von Inge Hamm und Frank Fohmann in der Inszenierung ihres diesjährigen Theaterstücks ihr ganzes Können beweisen. Man tauchte ein in die erstaunlich vertraute Vergangenheit des dekadenten Englands um 1900, in eine Welt voller Oberflächlichkeit und Intrigen.

Die passende Atmosphäre wurde durch Licht und Requisiten (Maske und Frisuren: Elisabeth Felde, Martha Bertz und Lejla Zecic, Technik: wurde von Scott Wacker, Paul Stifani und Florian Kruspel) geschaffen, so dass die Zuschauer nicht nur Betrachter waren, sondern Teil des Ganzen wurden.

Das Stück zeigt, dass die damalige High Society nicht so perfekt war, wie sie sich selbst sah. Gut sitzende Frisuren, schöne Kleider und passende Accessoires waren das Sinnbild des damaligen Selbstbilds und der Selbstbespiegelung. Doch jeder Spiegel hat Risse und so legten die Mitglieder der Theater-AG durch authentische Spielweise und souveräne Darbietung nahe, dass jeder perfekte eheliche, politische und gesellschaftliche Erfolg ein reines Gewissen erfordert. Doch steht nicht nur die individuelle Geschichte der Figuren im Vordergrund, auch der Wandel der Gesellschaft und der damit verbundene Stand der Frau wurde deutlich gemacht.

Im Zentrum des Stückes steht Sir Robert Chiltern, der sich durch glänzende Rhetorik einen Namen in der Politik gemacht hat. Doch hat er seinen Reichtum vor Jahren mit dem Verrat eines Staatsgeheimnisses erworben. Er steht daher nicht nur in einem Konflikt mit sich selbst, sondern will vor allem seine hypermoralische Frau Lady Gertrude Chiltern nicht enttäuschen und ihr der perfekte Ehemann sein. Beide Charaktere wurden auf ausgezeichnete Art von Benedikt Winker und Valentina Hirner verkörpert. Beide überzeugten durch die Art, die intensiven Gefühle und inneren Konflikte ihrer Figuren schauspielerisch darzustellen.

Dass Sir Roberts Reichtum auf dem Verrat eines Staatsgeheimnisses beruht, kommt den beiden Cousinen Mrs. Laura Cheveley und Mrs. Evelyn Allonby zu Gute, denn sie erhoffen sich durch intrigante Art daraus zu ziehen. Diese beiden Rollen werden auf brillant böse und provokante Weise von Neele Krieger und Allegra Reichle gespielt.

Freunde sind da, wenn man sie braucht, genau diesem Prinzip genügen die aristokratischen Brüder Cedric und Arthur Goring. Sie wurden realitätsnah und voll sarkastischen Witzes von Saskia Leutner und Tim Benics dargestellt. Die beiden Dandys und Lebemänner versuchen die Intrigen der Cousinen aufzudecken und ihrem Freund Robert Chiltern aus der Klemme zu helfen. Am Ende gelingt es ihnen, die Intrigantinnen mit ihren eigenen Waffen zu schlagen.

Als Gegenleistung bekommen die beiden die Einwilligung ihre Freundinnen Mabel Chiltern und Celia Darlington zu heiraten. Diese beiden Rollen wurden auf charmante, freche und feminine Weise von Hollie Weiblen und Jule Stemmler verkörpert.

Diese Heirat beglückt nicht nur die vier Verliebten, auch werden die Eltern der Brüder Goring zufrieden gestellt, die sich schon viel früher erhofft hatten, dass ihre Söhne den Bund der Ehe eingehen. Noe Becker und Kasia Schmidt stellten den bissigen und seine Söhne immer kritisch kommentierende Lord und seine Hüte und Heirat liebende Gattin äußerst lebendig dar.

Die Person, die die Intrigen gegen Sir Robert Chiltern ungewollt erst in Gang setzt, ist Baroness Augusta Markby. Sie hat die beiden erpresserischen Cousinen mit Chiltern bekannt gemacht. Diese schon etwas ältere, altmodische und aber sehr gesprächige Dame wird auf ausdrucksvolle und sprachlich intensive Weise von Ghani Brantl gespielt. Amalia Berisha verkörperte Lady Olivia Basildon auf sehr damenhafte Weise. Diese ist mit ihrer Ehe trotz des „perfekten“ politischen Mannes unzufrieden und mischte sich gemeinsam mit Baroness Augusta Markby immer beim neuesten Klatsch, Tratsch und beim Ehen stiften ein. Das Stück wurde durch Philip Beyn, der den Baron Nikolaj Daschkow mit authentischem Akzent und auf amüsante Art spielte und Maja Minderlen, die eine Doppelrolle als eitlen Sekretär Thomas Trafford und zuverlässigen Butler Phipps sehr gut verkörpert, komplettiert.

Die Schauspieler wurden durch die Maske und Frisuren von Elisabeth Felde, Martha Bertz und Lejla Zecic perfekt in Szene gesetzt. Die Technik wurde von Scott Wacker, Paul Stifani und Florian Kruspel durch punktgenaue Inszenierung des Lichts, des Tons und des Bühnenbilds ins passende Licht gerückt. Für Texthänger stand Romy Eberle dem Cast als Souffleuse zur Seite.

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