Staufersaga: Junge Mediziner spielen edle Gelehrte

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Über die Ukraine aus Syrien zur Gmünder Staufersaga (v.l.): Die Medizinstudenten Alaghe, Ahmed, Najjar und Hisham, die als arabische Gelehrte auftreten.
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Wieso vier syrische Studenten aus der Ukraine nun in Gmünd arabische Gelehrte am Hofe Friedrichs II. in Palermo spielen.

Schwäbisch Gmünd. Vor wenigen Monaten haben sie noch in Charkiw in der Ukraine Medizin studiert - jetzt proben sie in Gmünd für ihren Auftritt bei der Staufersaga: Ahmed, Hisham, Alaghe und Najjar, vier angehende Ärzte, die aus Syrien stammen und schon zum zweiten Mal im Leben vor einem Krieg geflohen sind. Bei der Staufersaga werden die Studenten vier arabische Gelehrte am Hofe Friedrichs II. in Palermo spielen.

Ende Februar, als der Krieg begann, war ihr Leben wieder in eine andere Bahn geraten: Nachdem die vier wie viele andere vor dem russischen Beschuss der Stadt in die U-Bahn-Schächte geflohen waren, beschlossen sie nach einigen Tagen nach Polen zu flüchten. Dass sie am Ende in Gmünd gelandet sind, liegt an Hisham, weil er hier Familie hat: Sein Cousin lebt und arbeitet in Gmünd.

Der Weg, wie sie vom Bunkerleben in der Ukraine bis auf die Bühne der Staufersaga gekommen sind, „das ist fast zu kompliziert zu erzählen“, sagt Pat Mueller, einer der Regisseure der Momente der Staufersaga, die vom 6. bis 10. Juli in Gmünd viermal aufgeführt werden. Es ist eine Geschichte von Glück und Zufällen, aber auch von Kontaktfreude und dem Willen, aktiv zu werden und bei etwas mitzumachen. Und eine darüber, was die kleine Stadt Gmünd für Vorzüge hat. „Es waren viele Verbindungen im Spiel und Leute, die sich kennen - wie es das nur in einer Stadt wie Gmünd gibt“, sagt Mueller,

Der aus Brasilien stammende Deutschlehrer der vier an der VHS spielt auch mit bei der Staufersaga – er stellt einen spanischen Gesandten dar. Da ist außerdem Daniela Simm, von der die vier dankbar erzählen, wie sie ihnen hilft, sich in Gmünd zu organisieren und zurechtzufinden. „Sie ist die Mutter von einem der Kinder, das in der Zeitreise-Familie bei der Saga mitspielt“, erzählt Mueller. Und dann haben sie auch noch den OB im Rathaus getroffen, „we met the mayor in the Rathaus“, erzählt Alaghe. Klar, dass der ganz schnell beim Thema Staufersaga war.

Die Geschichte der Staufer als Gemeinschaftsprojekt und Integrationsmotor, das passt zur geschichtlichen Wirklichkeit: Der Stauferkaiser Friedrich habe arabisch gesprochen, erzählt Mueller, er sei offen gewesen für die Wissenschaften aus aller Welt, in Palermo ging es multinational zu, wie man heute sagen würde.

Multinational sind inzwischen auch Ahmed, Hisham, Alaghe und Najjar. Für Najjar etwa bedeuten die Deutschkurse bei der VHS, dass er mit 21 Jahren seine fünfte Sprache lernt – nach Arabisch, Russisch, Englisch und Spanisch.

Bei der Saga werden die vier als Gelehrte ein wissenschaftliches Streitgespräch auf arabisch führen, um die Umbaupause bis der Kaiser kommt elegant zu füllen. Und worüber wird gestritten? So genau wissen sie es noch nicht, in den beiden Proben bisher haben sie ihre Themen frei gewählt: „Beim ersten Mal haben wir über den Klimawandel diskutiert“, erzählt Alaghe. Die zweite Probe habe am meisten Spaß gemacht: „Wir haben darüber gestritten, ob die Erde flach oder rund ist.“

Im echten Leben sind sich die vier in vielem einig: Sie wollen so schnell wie möglich deutsch lernen und ihr Studium fortführen. Wollen dazugehören zu der Stadt, in die sie gekommen sind. Und sie möchten etwas zurückgeben dafür, wie ihnen viele Gmünder entgegengekommen sind. Alaghge sagt es es so: „Ich habe schon viele Länder gesehen, aber ich habe mich nie so als Teil der Gesellschaft gefühlt wie hier.“

Die vier Geflüchteten fühlen sich in Gmünd gut aufgenommen. Zweiter von links: Pat Mueller.

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