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Kacheln für China und Wien

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Horten Kacheln 2011 Irene Pauser
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Wie Abbruchteile des Horten-Kaufhauses in Gmünd zu begehrten Sammlerstücken im In- und Ausland wurden.

Schwäbisch Gmünd

Menschen aus dem In- und Ausland bemühen sich darum, Teile aus einem Hausabbruch in Gmünd erwerben zu dürfen: Was vor zehn Jahren in der Stauferstadt ablief, war spektakulär. Dabei war der Hintergrund durchaus tragisch: der Niedergang des Kaufhauses Horten in Gmünd.

Die Hiobsbotschaft war schon elf Jahre zuvor aus der Zentrale des Kaufhaus-Konzerns in Köln gekommen: In der Gmünder Niederlassung würden zum Jahresende 2000 die Lichter ausgehen. Es bedeutete auch, dass 64 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verlieren würden. Gekriselt hatte die Filiale schon Jahre zuvor. Der damalige Oberbürgermeister Gerhard Rembold bezeichnete diese Nachricht als „Schlag für Schwäbisch Gmünd“. Und es mache die Ledergasse, in der der Horten-Bau stand, „zur Problemzone“.

Zehn Jahre Leerstand

Es kam wie angekündigt - Ende 2000 war Schluss in dem Kaufhaus, das auch einen wichtigen Teil des Gmünder Einzelhandels darstellte. Doch auch wenn der Einzelhandelstempel wirtschaftlich zusammenbrach - das Gebäude stand noch jahrelang an seinem Platz, dem Ort, an dem heute die Remsgalerie steht. Immer wieder gab es kurzzeitige Nutzungen zumindest für Teile des Gebäudes, das reichte von der Modenschau bis zur Präsentation von Plänen für die Landesgartenschau. Erst gut zehn Jahre später, im Zeichen des großen Stadtumbaus, stand das endgültige Ende des Horten-Gebäudes an. Der Abriss war beschlossene Sache. Doch die damalige Stadtbildarchitektin Irene Pauser wollte nicht einfach den ganzen Bau zertrümmern lassen. In der markanten Fassade, die der Gmünder Horten mit den anderen Häusern der Kette gemeinsam hatte, sah sie einen bleibenden Wert. Denn als Fachfrau wusste sie, von wem diese Kacheln dieser Fassade stammten. Entworfen hatte sie Egon Eiermann, einer der bedeutendsten deutschen Architekten der Nachkriegszeit, der sich auch als Designer einen Ruf gemacht hatte. Um 1960 hatte er im Auftrag der Firma Horten diese Kacheln entworfen, die die oft gigantischen Hausfassaden wie riesige Bienenwaben wirken ließen. Auch in Gmünd waren die oberen Stockwerke der Filiale in weiten Teilen hinter rund 2000 solcher Kacheln versteckt.

Diese Kacheln, da war sich Pauser sicher, waren zu wertvoll, als dass sie komplett dem Abrissbagger überlassen werden könnten. So schrieb die Stadtverwaltung diese Bauelemente, jedes 50 mal 50 Zentimeter groß und 20 Zentimeter tief, aus Aluminiumguss, zum Verkauf aus. 25 Euro wurden als Verkaufpreis pro Kachel festgesetzt, ab fünf Kacheln gab's Mengenrabatt. Pauser sprach mit dem beauftragten Abrissunternehmer, der sofort bereit war, einen Mitarbeiter abzustellen, der während der Arbeiten möglichst viele der quadratischen Elemente sichern sollte. 1800 Stück wurden schließlich gerettet.

Die letzten nach Wien

Die Resonanz auf die erste Ausschreibung war enorm. Allein mehr als 20 Gmünder haben bei Irene Pauser rasch ihr Interesse für eine oder mehrere der Horten-Kacheln angemeldet. Die Stadtverwaltung konnte rasch mitteilen, dass allein ein Interessent 200 Stück reserviert habe. Das Interesse ging weit über die Stadtgrenzen hinaus: Die Verwaltung meldete Bestellungen aus Köln, aus Berlin, eine sogar auch China. 2012 wurden laut Meldung der Stadt die letzten Exemplare abgestoßen: Der Dozent einer Wiener Design-Hochschule kam eigens nach Gmünd, um die letzten 600 Horten-Kacheln vor Ort abzuholen.

Damit wird die Ledergasse zur Problemzone.“

OB Gerhard Rembold, zur Horten-Schließung
Horten Kacheln 2011
Horten Kacheln 2011

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