Kaltblüter Igor zur Rente im Sachsenhof

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Ein Anblick, der Gmünder und Touristen freut: Nirgendwo sonst werden Blumen so traditionell gegossen. Längst ist das eines der beliebtesten Fotomotive in der Stadt.
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Viele Jahre zog der inzwischen 19 Jahre alte Kaltblüter den Gießanhänger durch die Stadt. Nachfolge gesichert.

Schwäbisch Gmünd

Was Besucherinnen und Besucher der Stadt auffällt, was sie am liebsten fotografieren, das sind nicht historische Gebäude und Plätze. Es ist das Forum Gold und Silber, es sind die Schwäne und der Pferdewagen mit dem Wassertank, der in den Sommermonaten unterwegs ist und die Blütenpracht in der Stadtmitte frisch hält. Das sagt der Geschäftsführer der Touristik- und Marketing GmbH, Markus Herrmann. Für ihn ist das Gieß-Pferd ein inzwischen „schöner Brauch, den wir weiter pflegen werden“.

Nicht nur Touristen seien angetan von der umweltfreundlichen Variante, Bäume und Kübelpflanzen zu erhalten.  Der Anblick des „Gießpferdes“ tue der Seele gut und natürlich auch dem Grün. Nun aber ein Einschnitt. Vor wenigen Wochen ist das langjährige „Gieß-Pferd“ Felix gestorben. Es war schon in der Saison 2021 kaum noch im Einsatz. Alexandra Kaiser, die den Gießauftrag per Pferd vor drei Jahren übernommen hat, ist jetzt mit „Pia“ unterwegs. Ein Einsatz, der sie selbst begeistert. Auch wegen vieler freundlicher Begegnungen.  Kinder wollen das Pferd streicheln, Leute kommen mit Karotten und freuen sich über einen keinen „Schwatz“ mit Alexandra Kaiser. „Das ist ein wenig wie das Herz der Stadt, wenn wir unterwegs sind“, sagt sie. Und es entschädige für den oft auch harten Job bei sengender Sonne.

Dabei denkt die Pferdeliebhaberin schon voraus. „Pia“ ist nicht allein, im Idealfall sollten die Pferde zwischen jedem Einsatz einen Tag frei haben. Dafür macht sich „Isabo“ bereit, ebenfalls ein Kaltblüter.  Diese Tiere seien gerne unterwegs, wollten beschäftigt sein. Von Mai bis Oktober ist der Gießwagen auf den Straßen. Im Winter müsse man nach Möglichkeit Arbeiten im Wald suchen, „weil es den Pferden sonst langweilig wird, weil sie sonst im Stall nach Bewegung suchen“.

Ruhestand im Sachsenhof

Felix‘ Vorgänger im „Amt“ ist inzwischen 19 Jahre alt, Igor verbringt seinen Ruhestand wohl behütet bei Familie Waibel auf dem Sachsenhof. Zu seinem Alterssitz kam Igor durch einen Zufall. Stephan und Sina Waibel waren auf der Suche nach einem ganz speziellen Pferd für ihre Tochter Clara. Fündig wurden sie bei Peter Müller in Enderbach, dort geht es vor allem um die Pferderasse Percheron, Kaltblüter aus Frankreich. „Aber ein Pferd darf man nicht alleine halten, es sollten auf jeden Fall zwei im Stall stehen“, sagt Sina Waibel.

Da tummelte sich in der Halle Peter Müllers Igor und „ich war so fasziniert, es hat mich nicht mehr losgelassen“, erinnert sie sich an den Kauf vor fünf Jahren. Für sie war rasch klar, dass Igor zum Beistellpferd für Oskar werden soll. Nach einer Angewöhnungsphase, noch bei Peter Müller, kamen die Kaltblüter zum Sachsenhof.  Keine Pferde für den Reitsport, aber Westernreiten ist möglich, gewöhnlich werden die Kaltblüter aber vor Kutschen und Wagen gespannt, auch beim Kolomanritt in Wetzgau haben Pferde dieser Rasse ihren Auftritt.

Percheron gelten als gemütliche Tiere und das trifft auch auf Igor zu. „Ein herzensguter, braver Kerl“, sagt Stephan Waibel. Und ein bisschen eigensinnig. Zur Bewegung sind sie auf Wegen im Haselbachtal unterwegs, es gibt eine lange und eine kurze Runde.

Igor gibt die Richtung vor

„Und wenn Igor merkt, dass man auf die lange Runde abbiegen will, er aber keine Lust dazu hat, bleibt er stehen und zeigt mit dem Kopf auf den anderen Weg“, so Sina Waibel.  Stephan Waibel weiß, dass Pferde ein fotografisches Gedächtnis haben, „sie wissen immer genau, wo sie gerade unterwegs sind“. Auch wenn man glaubt, den stattlichen Kaltblüter mit seinen vielleicht 900 Kilogramm könne nichts aus der Ruhe bringen, gibt es solche Momente. Seit einem Unfall ist er in manchen Situationen ein Angsthase. 

Die Idee, einen Gießwagen mit dem Pferd durch die Stadt zu ziehen, kommt nach Worten von Alexandra Kaiser aus Frankreich. In Schwäbisch Gmünd ist das in 27 Jahren zur Tradition geworden – und zu einem Alleinstellungsmerkmal. Ähnliche Einsätze in anderen Städten kennt sie aktuell nicht.

Ich war so fasziniert, es hat mich nicht mehr losgelassen.“

Sina Waibel
Sina Waibel schätzt Igor, der hier im Ruhestand lebt.

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