Kapelle zurück an Kirche?

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Restauratorin Fenja Rathgeb in der Herrgottsruhkapelle bei der Arbeit am einzigen Renaissance-Altar in Gmünd. Der Altar stammt aus der Erbauungszeit der Kapelle.
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Der Arbeitskreis Alt-Gmünd investiert fast seine gesamten Finanzen in die Restaurierung der Herrgottsruhkapelle.

Schwäbisch Gmünd

Derzeit laufen umfangreiche Restaurierungsarbeiten in der im 15. Jahrhundert erbauten Herrgottsruhkapelle. Es könnte der letzte große Auftrag sein, den der Arbeitskreis Alt-Gmünd vergeben hat.

Die Herrgottsruhkapelle ist das letzte historische Gebäude in der Obhut des Arbeitskreises. Der Königsturm, den die engagierten Mitglieder viele Jahre lang betreuten, ist inzwischen wieder im Besitz der Stadt. Und die jetzige umfassende Restaurierung der Kapelle beim Leonhardsfriedhof hat auch diesen Hintergrund, wie der Sprecher des Arbeitskreises, der frühere Münsterarchitekt Hermann Hänle, sagt: "Wir wollen, falls wir aufhören, die Kapelle in gutem Zustand an den früheren Besitzer zurückgeben." Dieser Moment, an dem die Kapelle wieder an die Kirche zurückgeht, könnte in den nächsten Jahren kommen, darum drehen sich die Diskussionen im Vorstand schon seit einiger Zeit. "Uns fehlt der Nachwuchs", sagt Hermann Hänle als Grund. Noch gibt es keinen endgültigen Beschluss für das Aus des Arbeitskreises, geschweige denn einen Zeitpunkt. 2024 steht das 50-jährige Bestehen an.

Doch zunächst gilt die Konzentration der Herrgottsruhkapelle. Dort sind drei Restauratorinnen beschäftigt. Sie reinigen und konservieren den Altar, der noch aus der Erbauungszeit der Kapelle stammt. Er ist auch ein Alleinstellungsmerkmal für das Kirchlein an der vielbefahrenen Straße: der einzige Altar aus der Renaissance in Gmünd. Diese Epoche definiert das 15. und 16. Jahrhundert und den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit.

Bereits geeinigt und gefestigt wurde die Raumschale im Chor, dabei wurden auch die Malereien wo notwendig restauriert. Hermann Hänle berichtet, dass die Luftfeuchtigkeit diesen Schablonenmalereien zusetzt, obwohl fast ständig die Entlüftung läuft. Der Stuck im Innern wird ebenfalls restauriert. Knapp 60 000 Euro investiert der Arbeitskreis Alt-Gmünd in diese Arbeiten, mit denen die Restauratoren Karin Krüger aus Aalen und Karl Fiedler aus Wißgoldingen beauftragt sind.

Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg fördert die Maßnahme mit 10 000 Euro – auch eine Anerkennung für das Engagement der ehrenamtlichen Denkmalschützer. Die Stadt und die Denkmapflege beteiligen sich ebenfalls an den Kosten. Einen großen Teil jedoch bringt der Arbeitskreis selbst ein. Hermann Hänle konkretisiert, dass Alt-Gmünd den größten Teil seiner Eigenmittel in diese Maßnahme investiert, der verbleibenden Rest reiche noch, um die Betriebskosten für die Kapelle zu tragen – auch ein Hinweis auf das nahende Ende des Vereins?

Insgesamt, sagt Hänle, habe der Arbeitskreis inklusive Zuschüssen rund 400 000 Euro in die Erhaltung der Herrgottsruhkapelle investiert, die nun auch in einem gesicherten Zustand sei. Das Gebäude ist neben seiner religiösen Bestimmung auch ein Zeugnis Gmünder Geschichte. An der Außenmauer sind Wasserstandsmarken früherer Hochwässer festgehalten.

Und Hermann Hänle verweist auf ein Bild, das die Firma Foto-Schweizer 1931 von der Kapelle aufgenommen hat. Darauf ist zu sehen, dass die Fenster noch deutlich weiter über dem Erdboden begannen als heute. Damals, schätzt Hermann Hänle, war der sichtbare Teil der Kapelle noch gut einen Meter höher als heute. . Das rühe von den immer wieder durchgeführten Bauarbeiten an der benachbarten Remsbrücke her, bei denen die Straße jeweils etwas höher angelegt wurde.

Die Herrgottsruhkapelle wurde 1622 von Baumeister Caspar Vogt (der auch die Wallfahrtsstätte Salvator anlegte) erbaut, an ihrer Stelle stand auch vorher schon eine Kapelle. Die Ballade des Geigers von wird immer wieder mit der Herrgottsruhkapelle in Verbindung gebracht. An der Westfassade ist auch eine 1923 von Karl Deibele geschaffene Skulptur des Geigers angebracht. Die Kapelle, in der der Musiker der Legende nach vor dem Bild der heiligen Cäcilia spielte, gab es aber in Gmünd nicht.

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