Kein Festiväle, sondern ein Festival in neuer Form

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Großer Klang für große Plätze: Alphorn-Musiker stimmten ein.

Auftakt des Festivals der Europäischen Kirchenmusik: Gottesdienst der EKM als Gespräch zwischen Dekanin Richter und Dekan Kloker.

Schwäbisch Gmünd

Der ökumenische Festgottesdienst zum Festival Europäische Kirchenmusik setzte das Motto des Festivals "Ich und Wir" auf der Bühne auf dem Johannisplatz sichtbar um. Dekanin Ursula Richter und Dekan Robert Kloker brachten die Liturgie als Wechselgespräch zu den 250 Kirchgängern, die teilnahmen.

Schon die Klänge des "Allgäuer Alphornruf" stimmten auf einen ungewöhnlichen Ablauf ein. Die fünf Mitglieder der Scheuelberg Alpinhörner bliesen von verschiedenen Standorten Töne, die sich immer wieder als Zusammenklang fanden.

Dekan Kloker erinnerte daran, dass im März der Gottesdienst zur Eröffnung des Festivals in weite Ferne gerückt war. Er sei schon versucht gewesen, nicht vom Festival, sondern einem Festiväle zu sprechen. Aber Corona habe vieles verändert, auch das Bewusstsein für Bewertungen. Heute schaue man mehr auf das, was wirklich zählt. Dazu passe "Ich und Wir" besonders gut, wie man es in der Gemeinschaft des Glaubens erleben könne.

Mit kraftvollem Griff in die Tasten und orgelwuchtigen Klängen begleitete Kirchenmusikdirektor Stefan Beck am E-Piano die beiden Kantoren Sebastian und Dominik Tobias. Mit anschaulichen Beispielen führten die beiden Dekane im Wechselgespräch Beispiele an, wie in der Coronakrise die Vereinsamung überwunden wurde. Künstler haben Darbietungen auf offenen Plätzen gebracht, Balkonkonzerte hätten stattgefunden, denn: "Musik und Kunst sind nährend!”, so Ursula Richter. "Wir brauchen Musiker und Sänger, die die Sorgen wegblasen.” Dekan Kloker zeigte am Beispiel des alttestamentarischen Königs Saul, wie dieser seine Schwermut vergaß, wenn der Hirte David die Harfe spielte.

Man schaut mehr auf das, was wirklich zählt.

Robert Kloker katholischer Dekan

Diese besondere Zeit habe die Menschen auch wieder zum Gebet geführt. "Ich weiß gar nicht, wie man betet, aber es tut gut!”, habe er gehört, sagte Robert Kloker. Gute Nachbarschaft habe sich entwickelt, auch zwischen den Kirchen. Ein Kreidestrich und ein rotes Band verbanden Augustinuskirche und Heilig-Kreuz-Münster miteinander. Mit viel Kreativität habe man Gottesdienst gehalten, ihn in die eigenen vier Wände gestreamt. Seelsorge wurde per Telefon möglich. "Die Zeit war menschlich, vergessen wir das nicht wieder”, sagte Dekanin Richter.

Robert Kloker erinnerte an Martin Luther King, der vor 60 Jahren sagte: "I have a dream!” Dieser Traum, noch immer aktuell, sei noch immer Zukunftsmusik, nämlich Menschen nicht nach der Rasse zu beurteilen, sondern nach ihrem Charakter.

Das Gedicht von Rose Ausländer "Vergesset nicht Freunde wir reisen gemeinsam” wurde von Intendant Klaus Stemmler vorgetragen. Der Komponist Jens Klimek, Preisträger des Kompositionswettbewerbs der EKM 2019, hat es unter dem Titel "Appell” vertont für gemischten Chor a cappella. So hätte es zum Eröffnungsgottesdienst aufgeführt werden sollen. Aber bei dieser Eröffnung war nur die Rezitation möglich.

Zwei Konzerttermine – und viele gute Hörorte

Die Uraufführung des Stadtglockenkonzerts ‘Nostalgia – Sehnsucht nach den Glocken" ist am Samstag, 18. Juli, um 19.30 Uhr und als Wiederholung um 21.30 Uhr. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Als "Hör-Orte" werden Marktplatz, Johannisplatz und die umliegenden Straßen und Gassen empfohlen.

250 Freiluft-Kirchgänger waren beim Eröffnungsgottesdienst auf dem Gmünder Johannisplatz dabei.

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