Kein Gmünder als Modell - „das hätte ein Gschmäckle“

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Zwischen Brunnen und Johanniskirche - da soll der genaue Platz für die AGV-Statue gefunden worden.
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Wie das „immaterielle Kulturerbe“ einen sichtbaren Vertreter bekommen soll: Für die Alois-Statue haben AGVs schon einige tausend Euro beisammen.

Schwäbisch Gmünd

Wie führt man Besuchern von Gmünd das immaterielle Kulturerbe „Jahrgangsfeste“ vor – wenn nicht zufällig gerade ein Fest-Samstag ist? Dieses Dilemma scheint einem Ende entgegen zu gehen: Die Altersgenossenvereine sind beim Projekte Alois-Statue vorangekommen in den letzten Wochen. Mit dem Alois-Denkmal hätte das immaterielle Kulturgut einen materiellen Repräsentanten neben der Johanniskirche: aus Bronzeguss, 170, bis 1,75 Meter hoch, mit einem Zylinder in der Hand.

Die Kampagne des AGV-Dachverbands für Spenden ist angelaufen, erste Erfolge kann Harald Quicker, der stellvertretende Vorsitzende, schon verzeichnen. Allein in seinem AGV 1960 seien rund 2000 Euro gesammelt worden, erzählt er. Bei vielen Vereine stünden die Mitgliederversammlungen noch an. Die Dinge sind im Fluss, einen genauen Spendenstand hat Harald Quicker derzeit nicht, aber eine ermutigende In-etwa-Zahl: „Wir haben 5000 bis 6000 Euro schon beisammen.“

Es gibt aber noch Luft nach oben: Zwischen 28 000 und 35 000 Euro dürfte die Figur kosten, die als Auftragsarbeit vom Gmünder Künstler Andreas Futter angefertigt werden soll. Neben den AGVlern – rund 2500 organisierte Altersgenossen gibt es in den Mitgliedsvereinen – sollen auch Gmünder Firmen als Sponsoren gewonnen werden. Wenn die Finanzierung zum Großteil steht, soll der Auftrag erteilt werden, sagt Harald Quicker. Dabei müsse die Summe nicht auf den Euro genau beisammen sein, es sollte aber absehbar sein, dass es reicht. Andreas Futter habe signalisiert, dass er bei der Bezahlung flexibel sei, weil sie nicht sein Hauptantrieb ist. „Es ist für ihn eine Ehre als Gmünder Künstler, den Alois zu schaffen.“

Und wie sieht er aus?

Und wie sieht er aus, der Alois? 170, bis 1,75 Meter hoch, mit einem Zylinder in der Hand, wie ein freundlicher Kutscher eben, beschreibt Quicker. Auf einen Kutscher dieses Namens geht das Aloisle-Lied der Überlieferung nach zurück. Eine gute Vorstellung davon liefert eine Skulptur, die Vorstandsmitglied Petra Büttner in Bratislava entdeckt und fotografiert hat: Den Bratislava-Alois können sich viele AGVler schon mal in ihrem E-Mail-Postfach als Beispiel anschauen.

Kann sich womöglich ein Mäzen aus Gmünd mit seinen Gesichtszügen in der Figur verewigen lassen – ähnlich wie im Stauferrundbild in Lorch die Gesichter von Sponsoren zu sehen sind? „Da gab es schon einige Diskussionen“, erzählt Quicker. „Einige haben Berti Knoll vorgeschlagen, weil der immer dem Zug vorausläuft.“

Aber die Idee, dass ein lebender Gmünder mit seinem Gesicht Modell stehen soll für den Alois, hat sich nicht durchgesetzt. Quicker und seine Mitstreiter fürchten, dass so etwas das Potenzial hätte, Unfrieden zu stiften. „Es hätte ein Gschmäckle. Ich denke, wir müssen das neutral halten, er soll ja der Alois für alle Altersgenossen sein.“

Der in Reitprechts arbeitenden Künstler Andreas Futter ist zunächst für Entwürfe zuständig. „Er hat ein paar Vorschläge gemacht“, entscheiden werde das Gremium des AGV-Dachverbands, sagt Quicker. „Dafür haben wir uns das Ok der Vereine geholt.“ Ein Gesichtsausdruck wie im Futter-Stil wird es nicht werden, erzählt Quicker. „Es wird ein neutrales Gesicht sein.“ Futter mache ja oft pausbäckige, spitzbübische Gesichter. Ein Beispiel dafür ist das Kunstwerk „Zuversicht“, das auf dem Kreisverkehr in Heubach sehen ist.

Ortstermin zur Standortsuche

Dann muss der Alois noch einen Platz finden: Er soll so stehen, dass er den Altersgenossen, die vor dem Johannisturm singen, entgegen schaut und mit dem Zylinder freundlich grüßt. Und er darf nicht im Weg sein: „Man muss ihn so platzieren, dass das Denkmalamt einverstanden ist und keine Zufahrt behindert wird.“ Dazu werde es in den kommenden Wochen einen Ortstermin geben.

Ob der Alois schon den 40ern beim Altersgenossenfest im Juni 2023 zuwinken kann, ist fraglich. „Das wäre schön, aber es kann auch Herbst werden“, sagt der stellvertretende Dachverbandsvorsitzende. Ein „Festle“ zur Einweihung werde es aber auf jeden Fall geben. Harald Quicker freut sich drauf: „Ein Weltkulturerbe muss man auch zeigen.“

Ein Weltkulturerbe muss man auch zeigen.“

Harald Quicker,, 2. Vorsitzender AGV-Dachverband
Gesehen in Bratislava: So könnte der Gmünder Alois in etwa aussehen.

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