Keine frischen Briegel mehr? Ohne Gas drohen Produktionsstopps in Gmünd

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Die Gasversorgung ist nicht nur für Gasherde wichtig - mehr noch für die Produktion von Firmen.
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Wenn Gas knapp wird, trifft es zuerst die Industrie.

Schwäbisch Gmünd. Manfred Berroth betreibt die Öfen in seiner zentralen Bäckerei auf dem Gügling mit Gas. Falls je die russischen Lieferungen ausfallen und Deutschland zu wenig Gas hat, hat er ein Problem: „Es gibt keine Möglichkeit umzustellen“, sagt der Inhaber der Gmünder Bäckerei, „ich kann nur hoffen“.

Die Frage „Was wäre wenn“ treibt im Moment viele Unternehmen auch in Gmünd um. Steffen König, der Vertriebsleiter der Stadtwerke, berichtet von vielen Anrufen von Unternehmen. „Der Informationsbedarf ist hoch, sie wollen wissen, auf welcher Liste sie stehen“, sagt König. Die Stadtwerke seien „im Dialog“ mit den Unternehmen, manche prüften etwa, inwieweit sie Gas durch Öl ersetzen könnte. Klar ist: Betrieben wird das Erdgas als erstes abgeschaltet, falls es in Deutschland nicht mehr genug davon geben sollte.

Darüber hatte Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Ernst am Mittwoch informiert, dabei hatte er klargestellt: Die 91 Industriekunden der Stadtwerke sind Kandidaten für die „Abschaltliste“, die im Fall der Fälle greift. Es ist keine Idee, die von den Stadtwerken kommt, das betont Steffen König. „Das gibt die Bundesnetzagentur so vor.“ Diese würde dann als „Bundeslastverteiler“ auch darüber entscheiden, was im Gmünder Gasnetz überhaupt noch ankommt.

Noch gilt in Deutschland nur die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas. „Erst in Stufe drei, der Notfallstufe, wären die Industriekunden betroffen“, sagt Steffen König. Das liegt an der Priorisierung durch den bundesweiten Notfallplan: Private Haushalte haben Vorrang vor Unternehmen; bevor das Blockheizkraftwerk für die Wärmeversorgung in Bettringen Nordwest abgeschaltet wird, trifft es eher die Bäckerei Berroth auf dem Gügling.

Ohne Gas können Manfred Berroth und seine Branchenkollegen im Grunde nicht mehr arbeiten. „Die Backöfen in den Backstuben werden üblicherweise mit Gas beheizt“, sagt Berroth. Elektrische Backöfen gebe es nur in den Filialen.

Die Bäckereien in und um Gmünd sind nur ein Beispiel, aber ein sehr eindrückliches für die massiven Auswirkung einer Gas-Abschaltung auf die Versorgung der Menschen – die Produktion wäre wohl in vielen Gmünder Firmen betroffen: „Ein großer Teil unserer Industriekunden bezieht Prozessgas“, sagt Steffen König – Gas also, das in der Produktion benötigt wird und nicht nur zum Heizen der Firmenräume.

Innerhalb der Liste der Industriekunden der Stadtwerke gebe es keine Priorisierung, sagt Steffen König. Werden Betriebe, die Nahrungsmittel herstellen, bevorzugt? Was ist mit der Wäscherei, die fürs Krankenhaus arbeitet? „Das sind Fragen, die sind ungelöst, da gibt es keine Regelung“, sagt Steffen König. Der Gmünder Vertriebsleiter setzt auch da auf den Bund: „Wir gehen davon aus, dass das in der nächsten Stufe konkretisiert wird.“

„Krisenteam“ trifft sich täglich

Vielleicht wird das alles nur Theorie bleiben - aber trotzdem trifft sich zur Zeit jeden morgen um 8.30 Uhr das „Krisenteam“ der Stadtwerke zur Besprechung. Steffen König gehört auch dazu: „Wir bereiten uns auf alles vor - wir müssen uns auf alles vorbereiten.“ Bernd Müller

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