Kevin Kühnert diskutiert in Gmünd

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Kevin Kühnert (4. v. r.) in Gmünd.
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Sommertour führt den SPD-Generalsekretär nach Schwäbisch Gmünd. Im Dorfhaus Wustenriet hört er Sorgen der Bürger an. 

Schwäbisch Gmünd. Ein nach eigenen Worten Dialekt-erprobter SPD-Generalsekretär taucht an diesem Sonntagvormittag in eine von schwäbischer Sprache dominierte Runde ein: Kevin Kühnert, auch SPD-Bundestagsabgeordneter, ist auf Sommertour im Südwesten und trifft in Schwäbisch Gmünd zuerst im Dorfhaus Wustenriet auf Parteifreunde und weitere Politik-Interessierte. Später erkundet er zusammen mit der Initiatorin dieser Begegnung, Ulrike von Streit, die Gmünder Landschaft und spaziert vom Dorfhaus zur Salvatorschenke. 

Sorgen des ländlichen Raums nimmt er mit nach Berlin und Kevin Kühnert will genau das aufgreifen. „Schreiben Sie mir das noch im Detail“, sagt er zu Großdeinbachs Ortsvorsteher Gerd Zischka, der den Politiker über den Dorfladen des Stadtteils informiert. „Mit großem ehrenamtlichen Engagement“ werde die Einrichtung geführt, könne sich auch behaupten. Man müsse einen kleinen Gewinn erwirtschaften, um die drei Mitarbeiter, Miete und Energiekosten bezahlen zu können, um Rücklagen für Investitionen zu haben. Dennoch werde man steuerlich behandelt wie ein gewinnorientiertes Unternehmen. Kühnert will sich dafür einsetzen, dass dafür das Gesellschaftsrecht entsprechend angepasst wird.

U-Bahn auf dem Land?

Der SPD-Generalsekretär schätzt es, dass der Dorfladen nicht nur die Grundversorgung im Ort leistet, sondern darüber hinaus für die Menschen da ist. Gerd Zischka, Aufsichtsratsvorsitzender der Genossenschaft Dorfladen Großdeinbach, informierte den Politiker über die soziale Bedeutung. Im Dorfladen gebe es Tisch und Stühle, dort treffen sich Menschen aus dem Ort zum Plaudern.
Der Besuch des ländlichen Raums – Kevin Kühnert war zuvor schon in Esslingen, Heilbronn und Weinheim – sei wichtige Informationsquelle. Ob Großstadt, Mittelzentrum, Kleinstadt oder Dorf, nirgendwo dürften Menschen vom Leben abgeschnitten sein. Die Schaffung gleicher Lebensverhältnisse ist für den Bundestagsabgeordneten „ein täglicher Balanceakt“. Menschen vor Ort könnten durchaus differenzieren. Niemand erwarte eine U-Bahn auf dem Land. „Dafür haben wir in Berlin keine solche Landschaft, wenn wir aus der Haustüre treten“, sagt er. 

Nachwuchs ist da

Ein Stück Daseinsfürsorge ist auch das Dorfhaus Wustenriet, 1996 von engagierten Bürgern gebaut. Wolfgang Haseidl erinnert, dass damals drei Container der einst in Mutlangen stationierten US-Armee erstanden wurden, in Eigenarbeit entstand daraus das Gebäude. Ein Ort der Begegnung sei das seither, getragen von rund 70 Familien, die dafür einen Mitgliedsbeitrag zahlen. Belastend für den Verein sei die Grundsteuer. Da empfiehlt Kevin Kühnert, sich mit der Neufassung der Grundsteuer zu beschäftigen. So könnten sich gemeinnützige Träger unter bestimmten Voraussetzungen befreien lassen. „Und wie sieht‘s mit dem Nachwuchs aus“, will der Politiker wissen. Den gibt es nach Worten Wolfgang Haseidls wirklich. Junge Leute seien in den Verein eingetreten, hätten nach vielen Jahren erstmals wieder einen Maibaum aufgestellt und „wir haben einen zweiten Stammtisch eingerichtet, der vor allem von jungen Leuten genutzt wird“. 

Alt und Jung begegnen sich auch an diesem Sonntag: Rainer Aichele, SPD-Altstadtrat, schlägt den Bogen zum früheren Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert. Aichele war selbst von 1972 bis 1975 selbst Juso-Kollektivvorstand in Gmünd, erinnert an die Jahrzehnte lange kommunalpolitische Basisarbeit. Hans Lasermann wünscht sich einen bezahlbaren Öffentlichen Personennahverkehr. Kühnert sieht da für die Zukunft Chancen durch autonome Verkehrsmittel, die vor allem im ländlichen Raum mit kleinen Fahrzeugen für eine bessere Taktung sorgen könnten. „Erst muss das Angebot da sein, dann kommen die Leute“, sagt er. Keinen ÖPNV braucht er in Gmünd: Zur Salvatorschenke ist es ein 30-Minuten-Spaziergang. 

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