Kirchenkunst in Szene setzen

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Mitarbeiter der Firma Mixtown treffen die Vorbereitungen für die Beleuchtung der Johanniskirche. Ab kommendem Samstag erstrahlen das Innere, der Johannisturm und einzelne Darstellungen in anderem Licht.
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Das diesjährige Beleuchtungskonzept der Johanniskirche ist aufwendiger als sonst – und soll vor allem spannende Details hervorheben.

Schwäbisch Gmünd

Es ist jahrhundertealte Kunst, hinter der viel Geschichte steckt, inmitten der Stadt und frei zugänglich für jeden – doch im Alltag achten wohl die wenigsten Passanten auf die Reliefs an der Fassade der Johanniskirche. Das soll sich nun ändern: Die Adventszeit über werden verschiedene Darstellungen beleuchtet.

Initiiert hat das Projekt die Stadtverwaltung, hinzugezogen wurde Professor Dr. Hubert Herkommer, der sich seit Jahren intensiv mit der Geschichte der Stauferbasilika auseinandersetzt. Er erläutert, wie viel liturgische Bedeutung und Detailliertheit hinter den einzelnen Werken steckt. Beispielhaft dafür ist zum Beispiel ein in Stein gemeißeltes Werk am westlichen Hauptportal. "Man sieht darauf Maria, Johannes und Bäume, in denen sich Vögel, wahrscheinlich sind es Tauben, verstecken", erläutert Herkommer. Verstehen könne man die Bedeutung jedoch nur, wenn man die Drachen miteinbezieht, die etwas weiter weg eingemeißelt sind. "Wenn die Tauben sich in den Bäumen in Sicherheit bringen können, können ihnen die Drachen nichts anhaben", erklärt der Historiker. Die Drachen könne man dabei als Symbol für Satan sehen, die Tauben als Christen, die sich in Sicherheit vor Sünden bringen.

Das Thema Sünde spiegelt sich auch in einem weiteren Relief am südlichen Westportal der Basilika wider. Darauf zu sehen sind zwei Löwen, eine Schere und ein abgeschorener Kopf. "Das steht wohl für die Buße, die man ab Aschermittwoch tun soll", sagt Herkommer.

An jedem Adventswochenende wird ab Samstag, 28. November, ein anderes Merkmal eine Woche lang beleuchtet – außer freitags, denn da baut die Firma Mixtown, die das Projekt lichttechnisch umsetzt, um. Eine bestimmte Chronologie gibt es nicht, wie Robert Frank, Event-Manager der Stadt, sagt. "Aber als Letztes wird die Madonna beleuchtet, weil sie als einzige einen weihnachtlichen Bezug hat", erläutert er. Darüber hinaus werden auch der Johannisturm und das Innere der Basilika beleuchtet. So sollen die Ornamente in den Kirchenfenstern auch von außen gut zu sehen sein.

Alternative ohne Ansammlung

Wir haben uns überlegt, was wir machen können, wenn schon kein Weihnachtsmarkt stattfindet.

Robert Frank Event-Manager der Stadtverwaltung

Ein Grund für die aufwendige Lichtinstallation ist vor allem die aktuelle Corona-Lage. "Wir haben uns überlegt, was wir machen können, wenn schon kein Weihnachtsmarkt stattfinden kann", so Frank. "Die Idee ist traumhaft", ergänzt Markus Herrmann, Pressesprecher der Stadt. "Es ist eine Veranstaltung ohne Menschenansammlungen." Auch unabhängig von der Pandemie findet er die Idee gelungen. "Vielleicht ist das auch der Ausgangspunkt für ein höheres Interesse an der Stadtgeschichte für einige Gmünder."

Herrmann ergänzt, dass man der Firma Mixtown allein mit diesem Auftrag wohl nicht durch die schwere Zeit helfen könne – dennoch ist er froh, einen Partner aus der Region unterstützen zu können. "Wir sind da super gerne dabei, das ist eine sehr spannende Geschichte", entgegnet Dominik Arnold, Chef der Veranstaltungsfirma.

Vielleicht, so sagt Robert Frank, könne man auch in den kommenden Jahren das Projekt parallel zu dem Weihnachtsmarkt laufen lassen. Und: Die Innenbeleuchtung bleibt ohnehin bis zur Lichtmess Anfang Februar. Besonders Herkommer freut sich, dass die Johanniskirche mit ihrer bewegten Geschichte, die viele Umbauten beinhaltet, nun so große Aufmerksamkeit erfährt. Was die Stadt biete, könne sie auch zeigen. "Die Kulturstadt Gmünd hat eine wunderbare Romanik, einen wunderbaren Barock und wunderbare Gotik."Detaillierte Infos zu den beleuchteten Darstellungen gibt es jeden Samstag in der Gmünder Tagespost oder online auf der Webseite der Stadt unter www.schwaebisch-gmuend.de.

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