Kleider machen Theaterleute

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Die Darsteller des Kolping-Musiktheaters proben kräftig, während das Team hinter der Bühne die Ausstattung zur Perfektion bringt. Foto: Jan-Philipp Strobel
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Kolping-Musiktheater steckt mitten in den Proben zu „Wonderful Town“. Ohne das Team für Kulissen, Garderobe und Technik hinter der Bühne wäre die Aufführung nur schwer zu stemmen.

Schwäbisch Gmünd

Und wie erkennt man New York?“, diese Frage zaubert ein Lächeln in Reiner Schmids Gesicht. Er ist zuständig für das Bühnenbild und das Licht beim Musical „Wonderful Town“ des Kolping-Musiktheaters. Nicht zum ersten Mal. Schmid gehört seit vielen Jahren dazu - und in diesem Jahr bekommt er es mit dem „Big Apple“ in den Vereinigten Staaten von Amerika zu tun. Aber: „Die Skyline wird nicht zu sehen sein, denn alles spielt in New Yorks Hinterhöfen.“

Kopfkino anregen

Fester Bestandteil ist dabei eine Bühnen-Treppe und aus beweglichen Modulen entstehen Zimmerchen. „Der Moment, das Fragment, die Kleinteiligkeit sind ausschlaggebend“, erläutert der Bühnenbildner, „ein Lichtspektakel im Zusammenspiel mit Farben“. Das Kopfkino soll angeregt werden.

Vom Bühnenbild für das neue Theaterstück war beim jüngsten Fotoshooting noch nichts zu sehen. Es ist noch im Entstehen, wird befeuert von seinen Eindrücken auf den Proben, laut Schmid. Dass das fabelhaft funktioniert, wissen alle Beteiligten aus früheren Inszenierungen.

Beim Fotoshooting sieht man derweil weiße Tücher als Hintergrund. „Sie machen das Ausschneiden leicht“, so Elias Blumenzwerg, der die Gruppen für das Programmheft fotografiert. Es blitzt und klickt, wenn die Darstellerinnen und Darsteller auf der improvisierten Bühne im Franziskaner posieren. Sie tragen gestreift, gerautet, plissiert und kariert, Flatter-Rüschen-Ärmel. Alles gemeinsam ergibt ein authentisches Bild der 30er-Jahre-Mode.

Kostümbildnerin Christine Petraschke runzelt die Stirn: „Scheint da der Slip durch?“, fragt sie, als Misha Kovar in ihrem flotten Kleidchen die Bühne betritt, überlegt dann, dass die noch fehlende Theaterstrumpfhose das ausgleichen wird. „Also kein Unterrock nötig!“

Vom Touristen zum Polizisten

Spannend, wie sich die Akteure verändern, wenn sie das Kostüm wechseln. Da schlendert ein bäuchiger Tourist in Hawaiihemd vorbei und ist kaum wiederzuerkennen, als er respektheischend in Polizeiuniform auftritt. Oder ein ehemaliger Bischof aus anderer Inszenierung im lila schimmernden Anzug als halbseidener Barbesitzer.

Ein technischer Zeichner im Alltag verwandelt sich in den perfekten Dandy in Smoking, mit dicker Havanna in der einen Hand und einem Sektkelch in der anderen. Flott umrahmt von Damen in schwarz-weißen Kleidern, die bereits für die allererste Aufführung von„My Fair Lady“ geschneidert wurden.

Dann werden aus Frackträgern Touristen in halbkurzen Hosen. Ein Stück Wade genießt Frischluft, ehe das Bein in soliden Strümpfen über dem hohen Rand der Schuhe abtaucht.

Es gibt keinen Leerlauf

Andere Szene. Thomas Sachsenmaier verkündet vor seiner Staffelei auf der Bühne: „Ich bin der liebe Gott, der alles zusammenfügt!“Daneben öffnet die Prostituierte im Leopardenlook das Handtäschchen, damit der Gönner seinen Schein reinrutschen lassen kann. Man vergisst dabei, dass nicht gespielt, sondern „nur“posiert wird fürs Foto. Dies aber so lebendig, so authentisch, dass sich der Betrachter bereits im Musical wähnt. Leerlauf gibt es keinen, wenn gewartet wird, bis umgezogen, neu geschminkt ist oder noch eine Requisite fehlt. Dann schlägt Elias Blumenzwerg auf den Tasten des Flügels passende Töne an, die sofort in Szene gesetzt werden.

Es ist eine Schauspielgruppe, die voller Schwung im Saal in Gruppen übt, sich gegenseitig korrigiert, bis sie zum Shooting antritt. Wie die Matrosen in weißen Lackschuhen und Uniform: Sie richten die Koppel, scharen sich um Michaela Schobers Notizblock und schultern die Reporterin so schwungvoll, dass ihre Röcke fliegen. Es ist ganz einfach: „Wonderful Town“, eine Aufführung, die man nicht verpassen sollte.

Es gibt noch Karten für „WonderfulTown“

Noch gibt es Karten für „WonderfulTown“ und zwar im Gmünder i-Punkt, Telefon (07171) 6034250, E-Mail: tourist-info@schwaebisch-gmuend.de. Tickets online: www.ccs-gd.de

Premiere von „WonderfulTown“ ist am Freitag, 10. Februar 2023, ab 20 Uhr mit einer After-Show-Party.

Weitere Aufführungen: Samstag, 11. Februar, 15 Uhr, Sonntag, 12. Februar, 19 Uhr, Freitag, 17. Februar, 20 Uhr, Samstag, 18. Februar, 15 Uhr und 20 Uhr, Sonntag, 19. Februar, 18 Uhr.

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