Kleine Tiere mit großer Aussagekraft

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Auf dem Johannisplatz geht es um Kunst und Natur. 14 Künstlerinnen schaffen Werke als Mahnung und sehen im Insektensterben eine Bedrohung für die Menschheit.

Auf dem Johannisplatz eine Midissage zur Ausstellung „Insecta. Positionen zur Abwesenheit“. 14 Künstlerinnen mahnen mit ihren Arbeiten rund ums Thema Insekten.

Schwäbisch Gmünd

Sie sind bedeutend fürs Ökosystem, nicht immer geliebt, wenn man ihnen begegnet: Insekten. Im Schaufenster des „Labor im Chor“ machen sich Zecken breit, aber auch goldene Schmetterlinge. Es sind Objekte der Ausstellung „Insecta. Positionen zur Abwesenheit“. 14 Künstlerinnen, die der Gedok Stuttgart angehören, die Plattformen für die unterschiedlichsten künstlerischen Ausdrucksformen bietet. Arbeiten aus Keramik, Metall, Glas und Textil ordnen sich in der Ausstellung im Prediger dem Thema Insekten unter. Weil die Ausstellungseröffnung der Pandemie zum Opfer fiel, trafen sich Interessierte am Donnerstagabend zur „Midissage'“ auf dem Johannisplatz. Initiatorin Alkie Osterland schätzt den Auftritt, die erste Präsentation in diesem Jahr. Nur noch bis zum 20. Juni sind die Arbeiten zu sehen. Dann hat die Galerie schon die Ausstellung „Gott und Welt“ im Blick, die das Festival Europäische Kirchenmusik begleitet.

Rita Thoma von der Gedok lässt die Kunstfreunde wissen, was hinter dem Thema „Insecta“ steht. Sie spricht von schockierenden Forschungsergebnissen, etwa den Krefelder Studien. Dort habe man die Erkenntnis gewonnen, dass allein in Naturschutzgebieten innerhalb von 27 Jahren die Biomasse um 75 Prozent zurückgegangen sei. Noch schlimmer sehe es aktuell aus. „Eine alarmierende Situation, auch für unser Überleben“, sagt Rita Thoma und schlägt vor, weniger zu mähen, um so Insekten die Eiablage zu ermöglichen und die Futtersuche zu erleichtern. „Durch weniger Tun mehr Leben ermöglichen“, es komme auf jeden Quadratmeter an. Und auf die Sensibilisierung dieses Themas, meint Tiina Kirsi Kern, ihr habe es „ein Quantum an Nachdenklichkeit gebracht“. Abseits der Präsentation in den Galerieräumen unternimmt sie auf dem Johannisplatz einen gedanklichen Rundgang durch die Ausstellung und erläutert die Überlegungen der Künstlerinnen.

Den Ausstellungstitel „Abwesenheit“ interpretiert Glaskünstlerin Alkie Osterland auf ihre Weise. Wiesenkräuter inmitten eines Glasobjekts werden durch die hohen Temperaturen zu Asche. Nur die Farbe Grün des harten Materials erinnert noch an die Natur.

Tiina Kirsi Kern geht auch auf die überdimensional großen Kokons aus Porzellan und Ton von Angela Munz ein. Zu sehen im Schaufenster an der Bocksgasse. Nicole Walger macht mit ihrer irritierenden Material- und Motivwahl aufmerksam auf das Insektensterben. So erinnert ihre „Schmelzsteinkette“ an die Bernsteinketten für Babys, ist aber ein Kunstprodukt und nicht für Babys geeignet.

Das interaktive, sich im Lauf der Ausstellung verändernde Netz, stammt von Rita Thoma. Die Besucher sind aufgefordert, einzelne Fäden des groben Geflechts zu durchtrennen. Die größer werdenden Löcher machen begreifbar wie durch das Verschwinden einzelner Arten das ökologische Netz, das auch unser (Über-) Leben sichert, ausdünnt bis das System kollabiert. „Ich habe mich nicht getraut, die Schere in die Hand zu nehmen“, gibt die Rednerin zu. Zu groß der Respekt vor der Natur, auch wenn es ein symbolischer Akt wäre. Dann die Nummer mit den zerschnittenen Geldscheinen. Sabine Naumann-Cleve steht dahinter, zeigt Insekten aus bunt-schillernden Streifen geschredderter Banknoten, die wie in einem Käferkasten aufgespießt sind. Ihre „Wertgeschöpfe“ sind Vergrößerungen oft winziger Lebewesen und „unterstreichen ihre einzigartige Bedeutung für intakte und artenreiche Ökosysteme und Naturkreisläufe“.

Die Ausstellung mahnt nicht nur, sie soll ebenso die Schönheiten der Natur vor Augen führen. „Auch wenn inzwischen Bienenstöcke und Insektenhotels in vielen Gärten Einzug halten, bleibt das Verhältnis von Menschen und Insekten ambivalent“, sagt Mit-Kuratorin Alkie Osterland.

Eine alarmierende Situation für unser Überleben.

Rita Thoma,, Künstlerin

Ausstellung geht

bald zu Ende

Die Ausstellung „Insecta. Positionen zur Abwesenheit“ ist noch bis 20. Juni im Labor im Chor im Prediger zu sehen. An diesem Samstagvormittag läuft eine Aktion zum Thema Insekten auf dem Johannisplatz.

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