Klosterhospitz: „Hier steht der Mensch im Mittelpunkt“

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Pflegefachkräfte Alexander Müller und Marion Wolf
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Krankenpfleger Alexander Müller arbeitet im Gmünder Klosterhospiz. Er schätzt es, sich hier viel Zeit für die Gäste nehmen zu können.

Schwäbisch Gmünd

Krankenpfleger Alexander Müller arbeitet seit zwei Monaten im neuen Gmünder Klosterhospiz. Was er an seiner Arbeit dort schätzt? Sich Zeit nehmen können für die Gäste des Hospizes, den ganzen Menschen sehen, zuhören können, auch Zeit für die Angehörigen der schwer kranken Menschen haben. Diese Zeit fehlte ihm bei seiner vorherigen Arbeit im Krankenhaus. Fast zehn Jahre lang war Alexander Müller im Mutlanger Stauferklinikum tätig. Aus dem Wunsch heraus, mehr Zeit für die Kranken zu haben, habe er sich für einen Wechsel ins Gmünder Hospiz entschieden. „Das Thema Sterben und der Umgang damit beschäftigen mich“, sagt der 26-Jährige aus Mutlangen.

Pflegeberufe sind viel wert, das wird nicht anerkannt.“

Alexander Müller, Krankenpfleger

Zurück zu seiner neuen Arbeitsstelle: Im Gmünder Klosterhospiz der Franziskanerinnen gibt es Platz für maximal acht Gäste, die ihre letzte Lebenszeit dort verbringen und für die es keine Heilung mehr gibt. Ein Team aus 15 Pflegern kümmert sich im Schichtbetrieb rund um die Uhr um die Gäste. Die Pflegerinnen und Pfleger sind zum einen für deren körperliche Grundpflege zuständig. Sie mobilisieren, füttern, führen aber zum anderen auch Gespräche, halten die Hand, hören zu und gehen auf die Angehörigen ein. „Oftmals vermitteln wir zwischen den Familienangehörigen und den Sterbenden, weil noch viel Ungesagtes im Raum steht“, sagt Müller. Es gebe Phasen der Ablehnung, in denen sich viele Sterbende zurückziehen und mit niemandem reden wollten. Aber es gebe auch Momente, in denen sie sich öffneten. „Da müssen wir so sensibel sein und auf die Menschen zugehen“, findet der Krankenpfleger. Ein Händedruck, ein Lächeln oder ein Dankeschön des Gastes – das seien die positiven Signale, die er aus seiner Arbeit mitnehme. Positiv findet er auch die Stimmung im Team. Erfahrene Pflegerinnen und Pfleger stünden ihm zur Seite mit Rat und Tat, denn die Ausbildung, die Alexander Müller an der Krankenpflegeschule absolviert hat, sei lange her und habe vieles in der Theorie vermittelt. Die Praxis sehe dann aber noch mal anders aus. „Ich mag die familiäre Atmosphäre hier“, sagt der 26-Jährige. Der Mensch stehe bei seiner Arbeit im Mittelpunkt. Hier könne er mitgestalten und neue Erfahrungen sammeln.

Geld ist nicht entscheidend

Was ihn ärgert? Dass viele Menschen es als selbstverständlich ansehen, dass sie im Falle einer Erkrankung versorgt werden, dass die Arbeit der Pflegekräfte nicht genügend wertgeschätzt wird, dass sich keiner mehr Gedanken darüber macht, wie viel Wert eine gute Betreuung habe. Mehr finanziellen Lohn für seine Arbeit? Das ist für Alexander Müller nicht der entscheidende Faktor. „Ein finanzieller Anreiz wäre aber vermutlich gut“, denkt der Krankenpfleger, denn es fehle schlicht und ergreifend das Personal in den Kliniken und nicht die Intensivbetten. „Pflegeberufe sind viel wert, das wird nicht anerkannt“, sagt Müller.

Was er sich wünscht? Dass die Corona-Pandemie ein Ende hat. Zusätzlich zum schweren Stand, den Menschen in Pflegeberufen manchmal hätten, komme Corona mit allen Einschränkungen hinzu. Während der Arbeitszeit bei seinen Gästen trage er eine FFP-2-Maske. Wenn er Corona-Abstriche mache, müsse er die Vollmontur anziehen. Angehörige müssen vor ihrem Besuch getestet werden und eine FFP-2-Maske tragen. „Das nimmt auch ein Stück Menschlichkeit“, sagt der Krankenpfleger, der seinen Beruf trotz allem sehr gerne ausübt.

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  • Die etwas andere Weihnachtsaktion: Die Gmünder Tagespost wird in diesem Jahr kein Geld sammeln und ihre Leser nicht um Spenden bitten. Unsere Redaktion widmet die Weihnachtsaktion 2021 den Pflegekräften im Gmünder Raum - im Stauferklinikum, in Seniorenheimen, in Pflegeeinrichtungen, in Demenzheimen, im Klosterhospiz. Deshalb laden wir Pflegekräfte in Kliniken und Heimen ein, uns ihre Wünsche zu schicken. Wünsche und Statements, Erklärungen zu ihrer Situation. Schreiben Sie uns, was Sie bedrückt. Erzählen Sie uns aus Ihrem Alltag. Sagen Sie uns, welche Erwartungen Sie an die Politik haben. Schreiben Sie uns unter redaktion@tagespost.de.
  • Die GT wird Ihre Statements in die Leserschaft hineintragen. Und die gesammelten Berichte den Landtags- und Bundestagsabgeordneten übergeben. Für die Regierenden. Da mit sich etwas zum Besseren wendet.

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