Kommen mit wärmeren Temperaturen mehr Ratten?

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Straßenratte sitzt auf einer Mülltonne, im Hintergrund die regennasse Straße
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Bei der Gmünder Stadtverwaltung mehren sich die Anrufe wegen der Tiere. Auch am helllichten Tag im Stadtgebiet zu beobachten.

Schwäbisch Gmünd

Ein dunkler Schatten huscht zwischen Gebäude und Gebüsch, das kommt in diesen Tagen häufiger vor als bisher: Ratten sind oft am helllichten Tag unterwegs, in der Schwäbisch Gmünder Innenstadt wie in Stadtteilen. Leserinnen und Leser der Gmünder Tagespost haben sie im Spitalhof ebenso gesehen wie im Buhlgässle oder im Himmelspark, wo das Kleintiergehege wegen der Rattenbekämpfung sogar evakuiert werden musste.

„Ratten sind derzeit ein großes Thema“, sagt auch Stadt-Pressesprecher Markus Herrmann und meint weiter: „Wir stehen mit diesem Problem nicht alleine da, viele Kommunen erleben das derzeit.“ Er nennt zwei Gründe, die akut zum Problem führen:

Das Klima: Die wärmeren Jahre machen sich auch hier bemerkbar. Markus Herrmann weiß von Mitarbeitern der Stadt, die sich um die Rattenbekämpfung kümmern, dass Ratten einmal mehr als bisher im Jahr werfen können. Der milde und feuchte Sommer begünstige dies.

Das Nahrungsangebot:„Wenn Lebensmittel rumliegen, ist das im wahrsten Sinn des Wortes ein ‚gefundenes Fressen‘ für die Ratten“, so der Pressesprecher. Viel zu häufig ließen Menschen Essensreste liegen, auch in den öffentlichen Abfallbehältern. Die „To-go-Kultur“ der vergangenen Jahre habe zu einer zunehmenden Vermüllung geführt. Biobeutel sollten besser in Boxen auf die Straße gestellt werden.

Die Stadt sei bemüht, die Rattenpopulation zurückzudrängen. Mitarbeiter seien, unterstützt durch das Baubetriebsamt, regelmäßig im Einsatz. Dabei ist es nicht mehr ausreichend, den Blick auf die offenen Gewässer zu richten. Zwar sichte man an der Rems – der Spitalhof ist nur durch die Straße davon getrennt – immer wieder Ratten. Aber sie seien vor allem im Kanalsystem, darauf konzentriere man auch die Bekämpfung. Dass sich vermehrt Menschen aus der Gmünder Innenstadt melden, eine Ratte gesehen zu haben, liege ganz einfach an der Zahl der Besucherfrequenz. „Draußen werden die Ratten ganz einfach weniger bemerkt“, sagt er. Die Stadt hat Anfang des Jahres eine Projektgruppe eingerichtet, der Beschäftigte aus dem Tiefbauamt und dem Baubetriebsamt angehören. Sie sucht nach neuen Wegen der Bekämpfung, unterirdisch wie oberirdisch.

Keine Essensreste im Freien

Genauso wichtig wie die Bekämpfung durch die Kommune sei der Einsatz auf privaten Grundstücken. Die Eigentümer müssten sich dort darum kümmern. Oft werden dann Kammerjäger gerufen. Und die machen ähnliche Erfahrungen wie die Stadt: „Der Einsatz gegen Ratten ist deutlich mehr geworden“, sagt Thomas Gunst, Inhaber der in Bettringen angesiedelten Firma „Schädlingsbekämpfung TG“. In vielen Fällen seien die Menschen selbst schuld an der Zunahme der Rattenplage. Oft würden Tüten mit Bioabfall und gelbe Säcke schon am Vorabend vors Haus gestellt. Das sei eine Einladung an Ratten, Waschbären und Raben. Auch im Garten-Kompost sieht er eine Gefahr: Ratten hielten sich dort gerne auf, denn „das ist für sie wie eine Fußbodenheizung“. Dann gebe es Leute mit geringerem Hygienebewusstsein, die beim Grillen schon mal Essensreste im Freien liegen lassen. Thomas Gunst sieht Schwerpunkte dort, wo viele Menschen an einer Stelle wohnen, etwa in der Oderstraße. Und er ärgert sich über die Beschränkungen durch Behörden: „Früher durften wir gegen Ratten eine so genannte Dauerbeköderung anwenden, heute dürfen wir dauerhaft nur nicht toxische Köder auslegen.“ Erst wenn die angefressen seien, könne man mit Gift reagieren. Dann sei es in vielen Fällen zu spät, weil ein einziges Rattenpaar 100 Nachkommen im Jahr schaffe, von denen selbst wieder weitere Nachkommen ausgehen.

Bio in geschlossene Behälter

Die Stadt setzt darauf, dass Biobeutel möglichst in geschlossenen Behältern rausgestellt werden, dass gezielte Maßnahmen greifen. Wie im Himmelsgarten: dort sollen Kinder und Erwachsene möglichst bald wieder einen Blick in die Kleintieranlage werfen. Zurück sind Huhn und Hase aber noch nicht. Man müsse zunächst den Erfolg der Aktion abwarten, dann das Gelände wieder auf den Betrieb vorbereiten, so Markus Herrmann.

Wenn Lebensmittel rumliegen, ist das im wahrsten Sinn des Wortes ein ‚gefundenes Fressen‘ für die Ratten.“

Markus Herrmann, Stadtsprecher

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