Kretschmann, die Technologie und der Flächenfraß – der Ministerpräsident zu Besuch in Gmünd

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Ministerpräsident Winfried Kretschmann (links) mit Gmünds OB Richard Arnold beim Besuch in Schwäbisch Gmünd. 
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Ministerpräsident Winfried Kretschmann schaut sich das Aspenfeld an, wo der Technologiepark Aspen entstehen soll.

Schwäbisch Gmünd. Auf einem großen Monitor bekommt der Ministerpräsident gezeigt, wie es hier auf dieser Wiese bei Bargau einmal aussehen soll. Drei Meter weiter steht Landwirt Anton Maier und wartet auf eine Gelegenheit, Winfried Kretschmann anzusprechen.

Bei seinem Besuch auf dem Aspenfeld, wo der Technologiepark Aspen entstehen soll, begegnet der baden-württembergische Regierungschef Hoffnungen und Sorgen gleichermaßen. Gmünds Bürgermeister Richard Arnold schildert, welche Bedeutung das mehr als 60 Hektar große Hightech-Gewerbegebiet für seine Stadt hat: „Aspen soll ein Pilotprojekt werden. Wir hoffen, hier eine klimaneutrale Produktion zu schaffen.“ Anton Maier, der die Wiese bewirtschaftet, neben der an diesem Nachmittag Kretschmanns Dienst-Mercedes parkt, kritisiert den geplanten Flächenverbrauch. Es gebe erneuerbare Energie, aber keine erneuerbare Fläche: „Ich erwarte von einem grünen Ministerpräsidenten, dass er Industriebrachen nutzt.“

Um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen, haben einige Landwirte ihre Fahrzeuge geparkt neben dem kleinen Partyzelt, in dem Kretschmann einen schattigen Unterstand findet. „Letzte Ernte“ steht auf einem Transparent, „Kein Acker, keine Wiese - Nahrungskrise“ auf einem anderen.

Wenn Anton Maier noch dabei wäre, als Landrat Dr. Joachim Bläse später in der Bargauer Fein-Halle zugeschaltet wird per Video, er fände es wohl ernüchternd: „Wir brauchen Fläche“, sagt der Landrat, und das nicht nur einmal in dem kurzen Referat, mit dem er den Beitrag des Ostalbkreises zur Energiewende skizziert. Sieben oder achtmal sagt Bläse dieses Wort: Fläche. Ohne einen gewissen Verbrauch geht es nicht – weil es nicht ohne neue Arbeitsplätze geht für Gmünd, so argumentiert auch Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold: Rund 3000 Arbeitsplätze, bei Bosch und anderen Automobil-Zulieferern, werde Gmünd verlieren in den nächsten Jahren, so Arnold. Aspen und dort vor allem rund um den Wasserstoff tätige Unternehmen sollen dafür einen Ausgleich schaffen.

Ihm sei klar, dass der Technologiepark viel Flächen verbrauchen werde, sagt Kretschmann. „Ich habe Verständnis für die Landwirte. Aber wir müssen auch Prioritäten setzen. Es sind schwierige Entscheidungen die da zu treffen sind, aber wir müssen sie auch voranbringen.“

Es klingt am Ende nach einem „Ja, aber jetzt noch nicht“: „Es ist klares Ziel, vom Flächenverbrauch runterzukommen. Aber auf dem Weg dahin können wir nicht keine Fläche verbrauchen.“

Nach dem Ortsbesuch auf der Grünen Wiese fuhr Kretschmann zur Fein-Halle in Bargau, wo er sich mit Bürgermeistern und Wirtschaftsleuten zum Gespräch traf.

Landrat per Video zugeschaltet - Corona

Aus der Ferne: Ostalb-Landrat Dr. Joachim Bläse musste auf ein direktes Treffen mit Winfried Kretschmann verzichten. Bläse hat sich mit Corona infiziert. Beim Termin in Bargau und dem Technologiepark Aspen war er deshalb per Video zugeschaltet.

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