Kriegsflüchtlinge: Schönblick nimmt Menschen mit Behinderung aus der Ukraine auf

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Auf dem Schönblick werden mehrere behindertengerechte Zimmer für die 34 besonderen Flüchtlinge aus der Ukraine vorbereitet.
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34 Flüchtlinge aus der Ukraine sind auf dem Weg nach Schwäbisch Gmünd. Wo sie untergebracht werden und wann sie erwartet werden.

Schwäbisch Gmünd

Fassungslos wird der Krieg in der Ukraine von Deutschland aus verfolgt. Bilder von bombardierten Hochhäusern und Menschen, die in U-Bahn-Stationen Schutz suchen, gehen um die Welt. Doch was, wenn man im Rollstuhl sitzt und im 14. Stock eines Hochhauses lebt, das noch nicht einmal über einen Aufzug verfügt? Wohin und vor allem wie soll man da flüchten? Die Kriegswirren in der Ukraine haben über Nacht auch das Leben von Menschen mit Behinderung zum besonderen Trauma gemacht.

Pastor Sergih Bolschik von einer Baptistengemeinde in Lutzk bei Lemberg in der westlichen Ukraine hat zu seinem Smartphone gegriffen. Seine Frau Natalia sitzt seit einem Unfall im Rollstuhl. Während einer europäischen Behindertentagung war er mit seiner Gattin 2013 zu Gast im Christlichen Gästezentrum Schönblick gewesen. Lernte dort Heinrich und Waltraud Kaufmann kennen. Ein Jahr später besuchte das deutsche Ehepaar das ukrainische, das sich stark in die diakonische Arbeit in Lutzk einbringt. Im Gepäck hatten die Kaufmanns damals zehn Veeh-Harfen als Spende für die dortige Behindertenarbeit.

Jetzt geht es ums Überleben, denn in der Ukraine herrscht Krieg. Es wurde Kontakt zur Deutschen Evangelischen Allianz geknüpft, dem „Dachverband der evangelischen Gemeinden“, erklärt Gerhard Schwemmle, Verwaltungschef am Schönblick. Freitagnacht sei die Anfrage gekommen, ob man auf dem Schönblick behinderte Flüchtlinge aus der Ukraine aufnehmen könne. Die Antwort von Schönblick-Chef Martin Scheuermann kam prompt: „Ja.“ Und so werden nun in den nächsten Stunden insgesamt 34 Flüchtlinge mit Handicap auf dem Schönblick erwartet, darunter neun Rollstuhlfahrer mit Betreuerinnen und Betreuern sowie sieben Kinder mit ihren Müttern. Behindertengerechte Zimmer stehen ohnehin zur Verfügung, da zweimal im Jahr entsprechende Freizeiten angeboten werden.

„Wir sind in engen Gesprächen mit dem Landratsamt und der Stadt Schwäbisch Gmünd“, verweist Schwemmle auf bürokratische Arbeit, die nun ansteht. So muss etwa geklärt sein, dass Dolmetscher vor Ort sind. Oder auch, dass bei Bedarf eine Corona-Impfung erfolgen kann.

"Wir halten Kontakt und sind flexibel.“

Gerhard Schwemmle,, Verwaltungschef am Schönblick

Flüchtlinge sind unterwegs

Die Vorbereitungen für die Ankunft der Kriegsflüchtlinge laufen auf Hochtouren. Derweil haben diese die Reise nach Deutschland längst aufgenommen. An der polnischen Grenze wurden sie von Fahrern des Diakonischen Netzwerks bereits in Empfang genommen. Diese Koordination übernahm ein hauptamtlicher Mitarbeiter des Altpietistischen Verbands, API, im Schwarzwald, der auch die Behindertenfreizeiten auf dem Schönblick organisiert.

Schwemmle berichtet, dass unterwegs ein Fahrzeug liegengeblieben sei und ein neues angemietet werden musste. „Der Fahrer, der es wieder zum Ursprungsort bringt, steht bereits parat.“ Ansonsten verlaufe die Fahrt der Flüchtlinge „ohne besondere Vorkommnisse“, berichtet Martina Köninger per Telefon. Sie koordiniert die Fahrt für den Arbeitskreis Deutsche Evangelische Allianz „Perspektivform Behinderung“.

Die Ankunft der Flüchtlinge am Schönblick ist auf Mittwochnacht terminiert. „Wir halten Kontakt und sind flexibel“, versichert Schwemmle. Die Zimmer seien bereits bezugsfertig. Hauswirtschafterin Annette Unterweger habe dafür extra ihren Urlaub sausen lassen.

Viele Ehrenamtliche der evangelischen Gemeinde haben bereits ihre Mithilfe signalisiert. „Wir haben ein großes Netzwerk“, freut sich Schwemmle über deren Engagement. Gemeinsam wolle man den Ukrainern einen guten Aufenthalt gewährleisten. Inklusive medizinischer Versorgung, kleineren Ausflügen oder Ähnlichem. Und für die Kinder wolle man Spielsachen zur Verfügung stellen, damit sie ihre Traumata verarbeiten könnten. Dafür hoffen die Verantwortlichen auf Spenden, „denn es wird auch an Kleidung, hygienischen Artikeln und Weiterem fehlen“.

Spendenkonto: Stichwort „Ukraine“

IBAN: DE27 6145 0050 0805 2107 58

bei der Kreissparkasse Ostalb.

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