Kultusministerin in Gmünd: Gespräch über Corona-Lage im Sport und an Schulen

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Kultusministerin Susanne Eisenmann (Mitte) beim Gespräch in der Wissenwerkstatt Eule, hier mit (von links) Tim Bückner, Christian Baron, Stefan Scheffold, Daniela Maschka-Dengler, Veit Botsch und Richard Arnold.

Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann besucht Schwäbisch Gmünd. Wie sie die Lage sieht und welche Wünsche sie nach Stuttgart mitnimmt.

Schwäbisch Gmünd

Ein zweiter Lockdown ist für Dr. Susanne Eisenmann, Ministerin für Kultus, Jugend und Sport, derzeit nicht vorstellbar. "Mit Corona leben", heißt ihr Credo und das "mit so viel Normalität wie möglich".

Was Verantwortliche in Schule und Sport bewegt, erfährt die Ministerin aus erster Hand bei einem Gespräch in kleinem Kreis in den Räumen der Wissenswerkstatt "Eule". Dort ist auch die Politik vertreten, Oberbürgermeister Richard Arnold ist da, Landrat Dr. Joachim Bläse wie der CDU-Landstagabgeordnete Dr. Stefan Scheffold und Landtagskandidat Tim Bückner.

Es geht an diesem Sonntag um die Zukunft des Unterrichts, um die Sicherheit für die vielen Sportvereine, um das ehrenamtliche Engagement. "Wir alle können nicht wissen, wie sich Corona weiter entwickelt", sagt Dr. Stefan Scheffold. Wichtig sei es aber, den Menschen eine Perspektive zu geben.

Ein Wunsch: Hilfen auch 2021

Die äußert sich in vielen Wünschen. Ralf Wiedemann, Vorsitzender des Stadtverbands Sport, ist "glücklich, dass das Land ein Soforthilfe-Programm für sie aufgelegt hat". Gut zwölf Millionen Euro stehen im Land zur Verfügung. Was ihn besonders beschäftigt: Vereine, die gut gewirtschaftet haben, konnten noch keinen Antrag stellen, seien dazu aber vielleicht 2021 gezwungen. Doch das Programm laufe Ende November aus. Seinem Wunsch, dass es auch 2021 noch Gelder für Vereine gibt, will Eisenmann entsprechen. "Was in Coronazeiten verschwindet, kommt nicht mehr", sagt sie und ist sich sicher, dass das auch für Sportvereine gilt.

Deshalb habe das Land zum Beispiel die Übungsleiter-Pauschale während des Lockdown bezahlt, auch wenn gar kein Übungsbetrieb war. Von der aktuellen Soforthilfe sind noch mehr als sechs Millionen Euro da. "Die werden nicht verfallen, sondern 2021 zur Verfügung stehen", sagt die Ministerin beim Gespräch in der "Eule".

Schulen sind keine Superspreader.

Dr. Susanne Eisenmann Kultusministerin

Das schätzt auch Dr. Gerold Bläse (FC Bargau), der auf die Vereinsfinanzierung zu sprechen kommt. 20 Prozent machten die Mitgliedsbeiträge aus, jeweils 40 Prozent die Einnahmen aus Festen und von Sponsoren. Die Ministerin ist sich sicher, dass die Politik jetzt in Sachen Corona besser aufgestellt ist als im März. Und sie stellt fest, "dass Baden-Württemberg vergleichsweise gut durch die Krise gekommen ist". Die jeweiligen Maßnahmen hätten dazu beigetragen.

Schulen flächendeckend zu schließen, kommt für sie nicht in Frage, regional reagieren schon: Von den 67 500 Klassen im Land befinden sich aktuell 1000 in Quarantäne. "Schulen sind keine Superspreader, sondern die Leidtragenden der Krise." Fast 100 Prozent der Ansteckungen passierten bei privaten Feiern. Schulschließungen müsse man aus mehreren Gründen vermeiden. Dazu zähle neben dem Unterrichtsgeschehen auch das Betreuungsproblem in vielen Elternhäusern.

Freiraum statt Schließung

Als großen Kraftakt sieht sie die Verteilung von 300 000 mobilen Endgeräten im Land, bei Stadt und Landkreis bedankt sie sich dabei für die logistische Unterstützung. In einem weiteren Programm sollen nun auch alle 130 000 Lehrer im Land Notebooks erhalten. Für Daniela Maschka-Dengler, Schulleiterin der Friedensschule, stellt sich da die Frage nach technischer Unterstützung. Der zusätzliche Aufwand bei den Lehrkräften sollte durch sogenannte Anrechnungsstunden honoriert werden, fordert sie. Das lehnt die Ministerin ab, "weil wir das nur durch zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer ausgleichen könnten". Dagegen begrüßt Susanne Eisenmann die Anregung Maschka-Denglers, bei einem dennoch möglichen Lockdown die Schule nicht komplett zu schließen, sondern so viel Freiraum zu lassen, dass kleine Gruppen kommen dürfen, wegen mangelnder Leistung oder wegen schwierigen sozialen Umfelds.

Früh informieren

Es gibt viele weitere Wünsche. Jens-Peter Schuller, geschäftsführender Schulleiter der Beruflichen Schulen im Kreis, möchte mit allgemeinbildenden Schulen gleichgestellt werden. Bislang dürfen Berufliche Schulen Ausschreibungen und Einstellungen erst zu einem späteren Zeitpunkt vornehmen. Darum will sich die Ministerin ebenso kümmern wie um die Bitte von Veit Botsch, geschäftsführender Schulleiter der Gymnasien, Corona-Informationen so früh wie möglich herauszugeben. Mit einem langen Notizzettel macht sich Susanne Eisenmann auf den Weg nach Stuttgart, verspricht, Anregungen zur Chefsache zu machen.

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