Kunst am Eutighofer Tor

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Erst auf den zweiten Blick erkennt man die Kunst am Bau: zur Eröffnung der "Brücke" 1969 von Eckhart Dietz geschaffen.

Bisher verstecktes Kunstwerk von Eckhart Dietz bei den Abbrucharbeiten auf dem Brücke-Areal geborgen. 2022 wieder am Platz.

Schwäbisch Gmünd

Auf den ersten Blick ist es ein eher unscheinbares Werkstück aus Beton, bei genauerer Betrachtung eröffnet es Bezüge zur Geschichte der Stadt, zur Geschichte des Gemeindezentrums "Brücke". Dort hat der 2019 verstorbene Künstler Eckhart Dietz ein zweieinhalb Meter hohes Kunstwerk geschaffen, es sollte 1969 die Verbindung zur Gemeinde symbolisieren, auch die Verbindung zu einem dort angedachten Kirchenneubau der evangelischen Weststadtgemeinde. Viele Jahre war das Kunstwerk am Eingang zur "Brücke" von Efeu überwuchert, nur wenigen Besuchern ist die Skulptur deshalb in Erinnerung. Sie ist nun das einzige Relikt der großflächigen Bebauung, das überdauern wird.

Die Abbrucharbeiten auf dem Brücke-Areal sind weit fortgeschritten. Vorsichtig wurde jetzt die Dietz-Skulptur mit dem Bagger angehoben und zur Seite gelegt. "Wir werden sie in Absprache mit der Stadt Schwäbisch Gmünd in den nächsten Tagen vorsichtig transportieren", sagt Thomas Sonnentag, Architekt der dort entstehenden Neubauten "Eutighofer Tor".

Das Dietz-Kunstwerk wird vorübergehend auf dem Bauhof gelagert. "Nach Fertigstellung der Wohnungen werden wir es an der Ecke Eutighofer Straße / Eugen-Bolz-Straße prominent platzieren", sagt Thomas Sonnentag. Damit soll die zweite Bedeutung der Skulptur ins Blickfeld rücken: Die aufstrebenden Säulen und die eingebaute Öffnung könnten eine Anlehnung an die Geschichte sein, an das "Utighofer Tor", durch das nahe des Fünfknopfturms aus Westen kommende Besucher in die Stadt eintreten konnten. Für Thomas Sonnentag ein Grund, der neuen Anlage diesen Namen zu geben.

Künstler Eckhart Dietz hat sich intensiv mit der Situation auseinandergesetzt. Das weiß auch Valeria Waibel, langjährige Lebensgefährtin des Künstlers. Viele Seiten eines Skizzenbuchs aus dieser Zeit widmen sich dieser Kunst-am-Bau-Arbeit. Erwähnung findet das auch in einem Katalog zur 60er-Jahre-Ausstellung: "Einen Prozess des Übergangs vom Relief zur Freiplastik stellt die Arbeit an der frei stehenden durchbrochenen Mauer neben dem Eingang des evangelischen Gemeindezentrums Brücke in Schwäbisch Gmünd dar", heißt es dort. Eckhart Dietz prägte wie nur wenige außer ihm die Künstlerszene der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In der Stadt zählte er in den 1960er-Jahren zu den "Jungen Wilden", teilte sich diesen Anspruch mit Walter Giers, Hans Kloss, Arnulf Letto und Ed Sommer. Eckhart Dietz ließ sich aber nie vereinnahmen, machte sein Ding und erfand seine eigene Formensprache.

Das jetzt gesicherte Kunstwerk dokumentiert die frühen Schaffensjahre des Künstlers und könnte ab Ende 2022 wieder zu sehen sein. Dann, so meint Thomas Sonnentag, sollten die neuen Gebäude auf dem ehemaligen Brücke-Areal fertig sein. Zunächst ist die Abbruchfirma noch beschäftigt, letzte Betonteile aus der Erde zu holen. Die wurden geschreddert und sind damit recyceltes Baumaterial. Das wird in den nächsten Wochen abtransportiert, um Platz für die Neubauten zu schaffen. "Wir beginnen voraussichtlich im April oder Mai mit dem Aushub für die Tiefgarage", sagt Thomas Sonnentag. Unmittelbar, vermutlich noch im zweiten Quartal, werde mit dem Rohbau begonnen. Der Investor, die "B & B Holding und Business GmbH" in Stuttgart baut dort 8700 Quadratmeter Gebäudeflächen. Davon entfallen rund 6000 Quadratmeter auf die Wohnungen. Insgesamt gibt es in sieben Gebäuden 64 Wohnungen, mit 76 Stellplätzen in der Tiefgarage. Vorgesehen sind außerdem Bäckercafé, Apotheke, Drogerie und Arztpraxen.

Kunst von Eckhart Dietz ist auch in einer Projektausstellung zu sehen. Wegen Corona sind nur Einzelbesuche möglich, Anmeldung unter Telefon (07171) 9058467. Valeria Waibel, langjährige Lebensgefährtin des Künstlers, hat auch einen Online-Zugang geschaffen. Auf Facebook finden Interessierte unter @EckhartDietzBildhauer einen Blick in den Projektraum.

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