Kunst lenkt den Blick auf Politik und Gesellschaft

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„Blickwinkel“ heißt die Ausstellung von Waltraud Pfitzer-Stütz (rechts), hier im Gespräch mit Nani Angstenberger.
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Waltraud Pfitzer-Stütz zeigt ihre Werke in der Galerie im „Unikom“.Rückblick auf die „Gmünder Art“, die Kritik und die Ideen um Schwäbisch Gmünd.

Schwäbisch Gmünd. Ästhetik ist nicht der einzige Hintergrund in den Arbeiten der Gmünder Künstlerin Waltraud Pfitzer-Stütz. Immer spielen gesellschaftliche und politische Gedanken mit. Was sie damit meint, zeigt sie jetzt in der  Ausstellung „Blickwinkel“  in der Galerie im Unikom im Unipark.

Zur Eröffnung lässt Waltraud Pfitzer-Stütz im Dialog mit Nani Angstenberger wissen, was ihr ganz besonders wichtig ist. Immer wieder geht es um „ihre“ Stadt Schwäbisch Gmünd. Dabei nutzt sie die Präsenz auf der alle zwei Jahre stattfindenden „Gmünder Art“, nicht um der Kritik wegen, sondern um die Stadt durch Beteiligung der Bürger voranzubringen. Dafür steht ein Bild aus dem Jahr 2009 mit dem Titel „GD1“, auf dem  der Einfluss der alten Macht ‚Kirche‘ und der neuen Macht Kapital‘ deutlich werden soll. Oft nutzt sie   die Form der Collage, fügt Fotografien und Drucke zusammen, übermalt sie bis zur erwünschten Bildaussage.

Es folgen „GD2“ bis „GD6“, immer mit Gedanken an die Stadt. Skulpturale Zebras in der Ausstellung erinnern an ihre Aktion 2017, Besucher der Gmünder Art konnten damals unter dem Begriff „Das Zebra fragt“ Ideen und Wünsche  in Sachen nachhaltige Stadtentwicklung beisteuern. Durchaus mit pragmatischen Ergebnissen, wie Nani Angstenberger anmerkt. So gab es Wünsche für mehr Bäume in der Innenstadt, einen Sonnenschutz für den sommerlichen Spielplatz vor dem Rathaus oder besseres Parkplatzmanagement. 
 In der Ausstellung wird Waltraud Pfitzer-Stütz auch ganz konkret, gibt einem schlafenden Obdachlosen Platz und erst auf den zweiten Blick wird klar, dass es sich um eine Installation handelt. Sie will damit wachrütteln. „Auch in Gmünd gibt es viel zu wenig bezahlbare Wohnungen“, sagt sie. Und legt den Finger in einen weiteren wunden Punkt. „Zeiselberg“ heißt ein Bild, es zeigt den neu geschaffenen Weg zur Anhöhe über der Innenstadt. Die Kritik richtet sich an Baumfällungen in den vergangenen Jahren. Die „Aufforstung“ mit mobilen Bäumen in der Innenstadt sieht sie durchaus kritisch.
Die Künstlerin, die seit 2006    ein Atelier auf dem Gelände des Uniparks nutzt, arbeitet dort auch mit ganz anderen Werkstoffen. Sie fertigt Skulpturen aus Draht, „weil ich nicht mit einer Kettensäge umgehen kann, nicht mit Hammer und Meißel arbeiten will“.  „Geknüpft, nicht gelötet“ ist ihre Arbeitsweise. Mal überzieht sie die Konstruktion mit einer Haut aus Pappe, mal steht der Draht für sich selbst. Und zwischendurch entstehen Bilder, ganz ohne thematischen Zwang. Figurale Darstellungen, Porträts, die stark reduziert den Blick aufs Wesentliche lenken, dabei auch durch kräftige Farben auf sich aufmerksam machen. Wenn dann nicht mehr eine Person, sondern eine Menschenansammlung ins Spiel kommt, will Waltraud Pfitzer Stütz wieder eine Botschaft senden: Das Individuum löst sich in der Masse auf, andere Kräfte wirken auf das Geschehen ein.

⋌Kuno Staudenmaier

Die Ausstellung „Blickwinkel“ mit Arbeiten von Waltraud Pfitzer-Stütz ist im Universitätspark Haus 10 bis 26. März immer Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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