Lasst den Schwänen Ruhe

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Die schwarzen Schwäne und ihrer Küken sind ein gefragtes Ziel für viele Spaziergänger. Experten mahnen aber, den Tieren nicht zu nahe zu kommen, um sie nicht unter Stress zu setzen.

Damit der Nachwuchs an der Rems gesund aufwächst, appellieren Stadt und Schwanenexperte an die Verantwortung der Bürger.

Schwäbisch Gmünd

Die mit dem Teillockdown verbundene Ruhe im Remspark schien dem schwarzen Schwanenpaar gutgetan zu haben, anders konnte es sich der Gmünder Schwanenbeauftragte Hans Stollenmaier die geglückte Brut der Trauerschwäne im Herbst nicht erklären. Sechs flauschige Küken zählen jetzt zur Familie. Sie wachsen und gedeihen und entzücken die Besucher des Remsparks jeden Tag aufs Neue. Die kleinen Vögel sind ein lieb gewordenes Ziel für Ausflüge geworden.

Jetzt ist Hans Stollenmaieroptimistisch: "Die Kleinen werden wohl durch den Winter kommen", dazu habe auch die milde Witterung beigetragen.

Schauen ist eines, aber die Tiere bedrängen ist etwas anderes, meint Melissa Kumpmann, die sich an die Gmünder Tagespost mit ihren Beobachtungen gewandt hat. Der Auslöser für Melissa Kumpmann waren ihre Beobachtungen mehrerer Leute, die mit ihren Smartphones die Schwäne und ihre Küken bedrängt haben. Insbesondere Kinder seien nicht von den Tieren zurückgehalten worden. Ein Junge habe den Schwan, der offensichtlich seine Familie schützen wollte, provoziert, bis Kumpmann selbst auf die Familie zugegangen ist und dem kleinen Jungen die Situation erklärt habe.

Einige Eltern seien offensichtlich nicht in der Lage, ihren Kindern den Respekt vor einem Tier beizubringen vermutet Kumpmann, die im Gespräch mit anderen Bürgern erfahren hat, dass alles Mögliche, "von der Brezel bis hin zum Lolli" ins Wasser geworfen werde. Ihre häufigen Besuche bei den Schwänen ließen Kumpmann weitere unschöne Beobachtungen machen: Die an Land eher unbeholfenen Tiere hätten zur Verteidigung ihrer Brut sogar das Wasser verlassen, der sichtlich unter Stress stehende Schwan habe die Terrassenstufen überwunden, um drängelnde Zuschauer zu vertreiben.

Ein Flügelschlag von einem Schwan kann einem Menschen durchaus einen Knochen brechen.

Hans Stollenmaier, Sc hwanenexperte

Der Schwanenexperte Stollenmaier hat hierfür eine Erklärung: Die Tiere seien derzeit im "Verteidigungsmodus", die Brutpflege stehe für sie an oberster Stelle. Viele Besucher gehen definitiv zu nah an die Schwanenfamilie heran, das setzte die Tiere unter Stress. In ihrer Verteidigungsnot könne es durchaus sein, dass die "alten Schwäne" Menschen, die ihnen zu nahe kommen, angreifen. Und die großen Vögel haben Kraft: "Ein Flügelschlag von einem Schwan kann einem Menschen durchaus einen Knochen brechen".

Das übermäßige Füttern der Tiere mit unsachgemäßen Lebensmitteln führt Stollenmaier auf die Unkenntnis einiger Besucher zurück: "Wenn schon gefüttert wird, dann mit älterem Brot und lieber Vollkornprodukte". Das heißt aber nicht "tütenweise" sondern nur "ein wenig", die Tiere holen sich zudem ihr weiteres benötigtes Futter am Uferrand. Zudem bittet Stollenmaier darum, die Tiere mit Abstand zu beobachten und Hunde nicht in die Nähe der Schwäne zu lassen. Fotografieren könne man auch mit Abstand.

Stadtsprecher Markus Herrmann sagt, früher seien Schilder zum Schutz der Schwäne montiert gewesen, diese fielen aber der Zerstörungswut Unbekannter zum Opfer. Die Schilder hätten in der Vergangenheit jedoch auch keine oder kaum Wirkung erzielt. Der Stadtverwaltung bleibe zum Schutz der Tiere nichts anderes übrig als nochmals "eindringlich" an die Eigenverantwortung der Bürger zu appellieren. Dass die Schwäne derzeit ein Highlight und ein gerne gesehenes Ziel sind, ist Herrmann bewusst. Sein Appell: "Anschauen ist in Ordnung, aber bitte mit genügend Abstand".

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