Leise Treffer und Großkaliber

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Bissig die Bütt, mitreißend der Guggenauftritt, bezaubernd die Gardemädels – die Prunksitzung im Stadtgarten bot den zahlreichen Besuchern, was eine gute Prunksitzung bieten muss, obgleich manch ein Programmpunkt gerne etwas straffer hätte sein dürfen. Der Promi in der Bütt – Pfarrer Johannes Waldenmaier – zeigte sich, wie man ihn kennt: als fundierter Prediger.

"Woran's leit, dass es em Woha no koin Nachfolger geit", wollte Pfarrer Waldenmaier wissen, der als Bauarbeiter gekleidet in die Bütt trat. Er sprach über den lange gekochten Planungsbrei des Gemeinderats. Über Ledergass', Horten, Knie, Hauptpost und sparte aus, Pointen auf Kosten Einzelner zu setzen – wie sich das für einen Pfarrer in Gottes Namen gehört. Dass Karl Kurz "von der Rothausstiag" von einem anderen Schlag ist, zeigte sich schnell, als er die Bütt für sich einnahm. CDU-Stadtrat Celestino Piazzas Handeln erklärte er mit zu viel Vino, die Gmünder SPD als demnächst "heh", und es gab noch "ein Wort an den OB: du bisch so groß und schee, drum steh auf Bilder, guter Mo, doch künftig henda no". Karl Kurz – ein Neuling in der Bütt, der zu Recht Applaus und Bravo-Rufe erntete. Wenn Kurz schon Einzelne ins Visier nahm, dann ist über Wendelin Schmid zu sagen: Er schoss mit ganzer Leibeskraft auf sie. Auf Ortsvorsteher, die ihre "Hommelesköpf" auf OB-Wahlprospekte drucken lassen, auf Noch-Ministerpräsident Günther Oettinger und seine englische Rede – "In my homeland Baden-Württemberg we are all sitting in one boat" – und auf Veranstaltungsplaner Robert Frank von der Touristik- und Marketing GmbH. Wegen diesem war Schmid selbst tief getroffen, denn Frank will, dass die Weilermer ihren Traditionsumzug wegen des Internationalen Guggentreffens verschieben (mehr dazu und zum Rest der Prunksitzung lesen sie auf

). Bei den Treffern aus der Bütt gab es im Publikum immer wieder Seitenhiebe Richtung Dieter Elser, der seiner Karriere als Till von Gmend en der Bütt eine "Schaffenspause" verordnet hat. Er ist jederzeit wieder willkommen, sagen Sitzungspräsident Ludwig Fuchs und Ehrungssitzungspräsident Winfried Breitweg. Nächstes Jahr will er wohl noch nicht, sagt Elser, aber dann …? Die Geesbachbruddler sorgen intern schon für den eigenen Nachwuchs. Rainer Pflieger hatte seinen Sohn Florian dabei, der nicht weniger Pointen setzte als sein Vater, Martin Seibold und Jürgen Kohlhep. Während auch die Gruppe vor allem das Gmünder Geschehen um Tunnel, Salvator und "dia Wiaschtglaibige" dort mit ein bisschen Ironie und Biss ausgiebig kommentierten, zeigte Walter Haußmann die Schwachstellen von Männern und Frauen unverhüllt auf. In Meister-Propper-Gestalt plauderte er etwa aus , Männer wollten nicht riechen, "dass Frauen zu 50 Prozent aus Orangenhaut bestehen". Das wagte er sich zu sagen zwischen den Auftritten von langbeinigen Gardemädchen aus Herlikofen, Gmünd, Weiler, Waldstetten und Untergröningen. Doch auch das andere Geschlecht kann tanzen, bewies das Männerballett aus Oberkochen in Lederhose und Dirndl. Und die Luderichs – die acht tanzenden Männer der Gmünder Feuerwehr – haben sich zunächst als Maiskolben, dann als Nonnen ihre Zugabe-Rufe redlich verdient. Zugabe zu rufen, war bei manch anderen Gruppen nicht nötig. Sie überzogen auch ohne diese die ihnen vorgegebene Zeit und verschafften den Besuchern damit so manche Gelegenheit zum Plaudern mit dem Tischnachbarn. Das wunderbar abwechslungsreiche Programm – über fünf Stunden ohne Luft zu holen – machte es insgesamt wieder wett.

Mehr Bilder

von der Prunksitzung gibt's in der GT-Bildergalerie im Internet auf

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