Leuchtendes Ampel-Einhorn als Werbefigur für Gmünd?

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So könnte es aussehen: Gibt es irgendwann die Einhorn-Ampel für Schwäbisch Gmünd?
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Das Land sagt Nein, aber Gmünd will sich weiter dafür einsetzen: dass die Stadt Fußgängerampeln mit grünen und roten Einhörner ausstatten darf.

Schwäbisch Gmünd

Es deutet nichts darauf hin, dass das Abendland zusammengebrochen ist: In München, Wien, Hannover gibt es Ampelmännchen paarweise. Oft als Homo-Pärchen, das grün aufleuchtet, wenn Fußgänger losdürfen, das aber auch Symbol einer weltoffenen und toleranten Stadt sein soll. Bleibt trotz grün ein Passant stehen, ist es meist ein Tourist, der zur Kamera greift. In anderen Städten gibt es inzwischen Ampelfiguren, die zur Geschichte passen - in Bremen etwa die vier tierischen Stadtmusikanten.

Die Stadt Gmünd will das auch: eine individuelle Ampelfigur, die es nur hier gibt. Was Fußgängern den Weg weisen soll, ist klar: das Wappentier muss ran, Gmünds Einhorn. Aber weil Deutschland eine wohlorganisierte Nation ist, darf die Stadt nicht einfach loslegen. Der Einhorn-auf-die-Ampel-Antrag, den Gmünd beim Land gestellt hat, ist abschlägig beschieden worden. „Das Regierungspräsidium hat abgelehnt“, sagt Markus Herrmann, der Chef der Touristik- und Marketing GmbH. Damit könnte die Geschichte zu Ende sein. Soll sie aber nicht, findet Herrmann. Weil es eine schöne Geschichte ist.

Gmünder Hartnäckigkeit hat sich schon einmal ausgezahlt: „Unser erster Antrag für ein GD-Kennzeichen ist auch zunächst abgelehnt worden“, erinnert sich Herrmann. Inzwischen stehen die Buchstaben auf tausenden von Gmünder Nummernschildern – die als heimliche Gmünd-Werbeträger durchs Land gefahren werden. Etwas in dieser Art wäre die Einhorn-Fußgängerampel auch: „Das ist in der Tat Stadtmarketing“, sagt Herrmann.

Und Schuld ist die DDR

Schuld ist im Grunde die Deutsche Demokratische Republik: Zu dem wenigen, das die DDR nach der Wiedervereinigung in die gesamtdeutsche Erbmasse einbringen durfte, gehörte das ostdeutsche Ampelmännchen, das anders aussah als die BRD-Variante. „Dafür wurde sogar die Straßenverkehrsordnung geändert“, erzählt Herrmann. Es war, in Juristensprache formuliert, der Präzedenzfall. Inzwischen gibt es Mainzelmännchen in Mainz, eine Beethoven-Ampel in Bonn, im Ruhrgebiet grün und rot leuchtende Bergmänner, mit Grubenleuchte in der Hand.

Thema beim Städtetag

Die Norm sieht das nicht vor: In der (StVO) gibt es die „Richtlinien für Lichtsignalanlagen“, nach denen neben den Standard-Ampelmännchen auch die Ost-Männchen im deutschen Straßenverkehr erlaubt sind. Für alle anderen Motive braucht es eine Sondergenehmigung. „Das wird in jedem Bundesland anders ausgelegt“, sagt Herrmann. In Baden-Württemberg, wie er jetzt wieder feststellen musste, eher streng. Aber Markus Herrmann und die Stadtverwaltung sehen das Thema Ampel-Kreativität als dickes Brett, an dem sie jetzt einfach weiterbohren. „Wir werden auch mal beim Städtetag darüber reden“, sagt Herrmann - die Erfahrung mit dem GD-Kennzeichen immer im Hinterkopf.

Falls es mal erlaubt sein wird, hält sich der Aufwand in Grenzen: „Das ist ja im Grunde nur eine Schablone“, so Herrmann. Und man müsse ja nicht flächendeckend umrüsten, sondern zunächst einige prominent platzierte Ampeln in der Innenstadt. Die Lösung, die etwa im nordrhein-westfälischen Wesel gefunden wurde, lehnt Herrmann ab: Dort hat die Stadt einfach neben die normale Ampel eine weitere montiert, mit ihrem Wappentier, dem Esel. „Ich denke, dass die Leute das dann für Blödsinn halten.“

Und dann könnte man meinen, dass Hermann den Blick leicht nach oben schwenkt, in visionäre Ferne: „Wo es Rot ist, kommt irgendwann auch mal Grün.“

Das ist in der Tat Stadt-Marketing.“

Markus Herrmann, Touristik- und Marketing GmbH
  • Ampelvielfalt mit Elvis, Marx und dem Rattenfänger
  • Elvis Presley leuchtet auf Ampeln in Friedberg – wo der Rock’n’Roll-Star Ende der 50er-Jahre als US-Soldat stationiert war.
  • Der Rattenfänger von Hameln ziert die Ampeln dortselbst.
  • Eine Weinkönigin mit Weintrauben in der Hand leuchtet in Neustadt an der Weinstraße.
  • Karl Marx ist die Ampel-Ehre in seiner Geburtsstadt Trier zuteil geworden.
  • Esel, Hund, Katze und Hahn: Die Märchenfiguren der Bremer Stadtmusikanten leuchten in der Stadt an der Weser.
  • Das Kasperl, die berühmteste Figur der Augsburger Puppenkiste, gibt es ebenda.

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