Lust und Frust beim Gehen

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Zu Fuß gehen kann in Gmünd schön sein, je nachdem, wo man unterwegs ist.

Gmünd hat viele attraktive Fußwege, auch von den Ortsteilen in die Innenstadt; doch es gibt Straßen, die eine Zumutung für die Fußgänger sind.

Schwäbisch Gmünd

Von den Ortsteilen führen Fußwege in die Innenstadt, die einzigartig sind: etwa der Weg vom Hardt herunter, der am Zeiselberg mit seiner Aussicht vorbeiführt, oder der Weg über den Salvator von Wetzgau oder Wustenriet kommend. Von Straßdorf führen sogar mehrere Fußwege hinunter in die Stadt.

Der vor Kurzem verstorbene Erich Wenzel, der den Alb-Marathon ins Leben rief, engagierte sich für den Fußverkehr und war viele Jahre im Arbeitskreis Mobilität und Verkehr aktiv. In seinem Aufsatz im einhorn Jahrbuch 2019 „Sich tragen lassen zeugt von Ohnmacht, gehen von Kraft – ein Plädoyer für mehr Wege zu Fuß“ beschrieb er das Netz an Fußwegen. Manche gehen auf die Römer zurück, viele kamen während der Industrialisierung hinzu, als die Menschen vermehrt Arbeit in den Städten fanden – Fußwege von einer Stunde und mehr zu den Firmen oder zum Bahnhof waren keine Seltenheit, etwa vom Rechberg zur Uhrenfabrik Bifora.

Dass es auch heute noch gute Gründe gibt, zu Fuß zu gehen, betonte Erich Wenzel immer wieder: Auf Staffeln, Steigen und anderen Fußwegen unterwegs zu sein, sei mit positiven Erfahrungen verbunden – „man grüßt sich bei Begegnungen freundlich und macht die Stadt zu einem Ort des Zusammenlebens.“ Doch manche Gmünder Fuß- und Steigwege seien „noch nicht benannt – eine Namenlosigkeit, die dazu führt, dass sie nicht wirklich im öffentlichen Bewusstsein sind“, monierte er. Wie Stuttgart hätte Gmünd Steigen für eine Stäffeles-Tour zu bieten, regte er an.

So schön manche Fußwege sind – vor allem in der Innenstadt könnte die Situation an vielen Stellen optimaler und vor allem sicherer für Fußgänger sein.

Bei dem Punkt städtebauliche Defizite wird man auch in Gmünd fündig. Thomas Kaiser, Sprecher des Agenda-Arbeitskreises Mobilität und Verkehr, fällt als erstes die Anbindung des Sebaldplatzes an die Innenstadt ein. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist die Klösterlestraße und das Areal südöstlich der Straße ein Thema in Gmünd, zuletzt wurde die für Fußgänger schwierige Situation als Verkehrskonzept „Ums Stöckle“ im Gemeinderat thematisiert – ohne dass das Problem wirklich in Angriff genommen wurde.

Viele Fußgänger meiden also weiterhin die Ampeln in der Klösterlestraße und an der Konrad-Baum-Kreuzung – an einer muss der Fußgänger relativ lange warten, an den beiden anderen kann er nicht beide Fahrbahnen auf einmal überqueren, sondern muss auf einer beengten Insel ausharren, bis er ein zweites Mal grün bekommt. Wer mit einem Kinderwagen dort steht, muss sich neben diesen stellen, weil der Platz nicht reicht, und wenn ein LKW vorbeibrettert, müssen die Eltern Angst haben, dass der Windzug das Kuscheltier des Kindes mitreißt, beschreibt Kaiser.

Wo es in Gmünd auch oft ungemütlich und gefährlich wird? Auf zu engen Gehwegen. Für den motorisierten Verkehr ist es in der Regel selbstverständlich, dass zwei Autos komfortabel aneinander vorbeikommen sollen. Was für Autos gilt, ist bei den Fußgängern oft nicht gewährleistet. „Gehen braucht Raum“, sagt hierzu der Verein Fuß e.V. und fordert eine Breite von 2,50 Metern freizuhalten, darin inbegriffen ein Sicherheitsabstand zur Fahrbahn, der einen halben Meter betragen sollte und der nicht zum Bewegungsraum der Fußgänger gehört.

Nach wie vor gibt es einige Gehwege, die auch den Radfahrern offenstehen, etwa in der Buchstraße. Sie sind Relikte einer Stadtplanung, die alles dem Auto unterordnet.

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