Das Mahnmal Boot in den Blick rücken

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Dr. Helmut Zehender, Bernd Sattler und Andreas Eisenhuth (v.l.) befreien das Flüchtlingsboot am Josefsbach von Gras und Unkraut. Sie wollen damit das Mahnmal zur Rettung von Flüchtlingen wieder mehr in den Fokus rücken.
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Der Arbeitskreis Asyl befreit zum Weltflüchtlingstag das Boot am Josefsbach von Gras und Unkraut und fordert die Landesregierung auf, aus Seenot Gerettete nicht zu vergessen.

Schwäbisch Gmünd. Sie wollen das Flüchtlingsboot am Josefsbach wieder in den Blick rücken. Sie wollen darauf aufmerksam machen, dass noch immer Menschen im Mittelmeer ertrinken. Und sie wollen darauf hinweisen, dass in Lagern auf griechischen Inseln noch immer Menschen in unwürdigen Verhältnissen leben. Deshalb haben Mitglieder des Arbeitskreises Asyl - Dr. Helmut Zehender, Andreas Eisenhuth und Bernd Sattler - am Donnerstag das Boot am Josefsbach von Gras befreit. Anlass war ihnen dafür der Weltflüchtlingstag 2022. Ihn und ihre Aktion am Josefsbach haben sie mit einem Schreiben an Baden-Württembergs Justizministerin Marion Gentges verbunden. In diesem fordern sie die Landesregierung auf, einen „Politikwechsel auf den Weg zu bringen“. Das Land solle „ein humanitäres Landesaufnahmeprogramm für aus Seenot Gerettete und für Menschen aus den Lagern an den EU-Außengrenzen beschließen und umsetzen“. Sie tun dies „vor dem Hintergrund einer „beispielhaften Hilfsbereitschaft und Unterstützung von Seiten des Staates, der Kommunen und der Bevölkerung“, in großer Zahl Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine aufzunehmen. „Es wäre schön, wenn alle Geflüchteten so behandelt würden“, sagen Zehender, Eisenhuth und Sattler.

Bevor die drei Arbeitskreis-Mitglieder mit den Arbeiten begannen, holten sie sich bei der Stadt die Genehmigung dafür. Sie mussten nach Abstimmung mit dem Leiter des Garten- und Friedhofsamtes, Zeno Bouillon, vor den Arbeiten sichern, dass im Gras keine Brutstätten waren. Im GT-Gespräch erinnerten sie daran, dass Gmünds Gemeinderat im Dezember 2019 beschlossen hatte, dass die Stadt dem Bündnis „Sicherer Hafen“ beigetritt. Wie aktuell gut 300 weitere Städte in Deutschland. Mit dem Beitritt erklärt eine Stadt ihre Bereitschaft, zusätzlich zu dem ihr zugeteilten Kontingent Flüchtlinge aus der Seenotrettung und aus Lagern an den EU-Außengrenzen aufzunehmen. Die Mitglieder des Arbeitskreises Asyl fordern nun die Landesregierung auf, als Land Baden-Württemberg dem Bündnis Sicherer Hafen beizutreten. 

Es sei skanadalös, wie die Ukraine attackiert werde und wie Häuser zerstört würden, sagt Zehender. Eisenhuth ergänzt: Der Umgang mit den geflüchteten Menschen aus der Ukraine in Deutschland zeige, „dass es geht“. Eine solche Hilfe wünscht sich Eisenhuth auch „für Flüchtlinge, die mit einem solchen Boot kommen“. 

Die drei AK-Mitglieder verweisen auf eine lange Tradition Gmünds bei der Beherbergung von Flüchtlingen. Die Stadt mache das toll, sagt Zehender und meint damit auch die „Vernetzung mit dem Landkreis und Privatpersonen“. Das Miteinander in Gmünd zeige, dass man viel bewegen könne. 

So sah das Boot am Josefsbach vor der Mähaktion aus. 


Das Flüchtlingsboot am Josefsbach war mit 40 Flüchtlingen aus Somalia, Eritrea, Sudan, Nigeria und Ägypten an Bord von Libyen aus übers Mitelmeer unterwegs. Am 7. März 2019 landete es auf der Insel Lampedusa und wurde von der italienischen Küstenwache beschlagnahmt. Ein Fischerboot hatte zuvor die Not der Flüchtlinge erkannt und das Boot in den Hafen von Lampedusa geschleppt. Mit Hilfe der Deutschen Botschaft wurde das Boot zur Remstal-Gartenschau 2019 nach Gmünd gebracht. Anliegen dieser Initiative des Gmünder Oberbürgermeisters Richard Arnold war und ist es, die auf die Schicksale der Menschen auf dem Mittelmeer aufmerksam zu machen und sie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. 

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