Manipulieren Influencer Jugendliche?

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Dr. Anja Bonfig forscht zum Thema Influencer.

Dr. Anja Bonfig forscht zum Thema Verbraucherbildung an der Gmünder PH.

Schwäbisch Gmünd. Bibis Beauty Palace, Lisa und Lena, Pamela Reif, Paluten oder Gronkh: Wer sich durch YouTube, TikTok oder Instagram scrollt, kommt um sie nicht herum. InfluencerInnen geben in vielen Bereichen, ob Mode, Schönheit, Fitness oder Gaming den Ton an. Doch beeinflussen die Produkt-Empfehlungen ihrer Online-Idole Kinder und Jugendliche tatsächlich so stark wie angenommen? Spannende Frage? Findet auch Juniorprofessorin Dr. Anja Bonfig. Sie forscht zur Verbraucherbildung in der digitalen Welt an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd.

Verfolgen eigene Interessen

„Es scheint, dass Jugendlichen teils bewusst ist, dass InfluencerInnen Werbung für Produkte machen und eigene finanzielle Interessen verfolgen“, sagt sie. Zu einer Herausforderung für die Verbraucherbildung wird es dann, „wenn vorhandene fachdidaktische Konzeptionen nicht mehr greifen, weil sie den durch die Digitalisierung beeinflussten Veränderungen nicht gerecht werden“. Heißt beispielsweise: Klassische Produktplatzierungen unterscheiden sich vom Influencer-Marketing, weil die InfluencerInnen zu ihren FollowerInnen eine persönliche Beziehung aufgebaut haben. Gegebenenfalls müssten solche Konzeptionen dann umfassend verändert werden. Für die schulische Verbraucherbildung biete das Influencer-Marketing aber auch Chancen, meint Bonfig. „Die Jugendlichen können in der Auseinandersetzung mit diesem Phänomen Kompetenzen erlangen, die sie zum einen in ihrem Alltag anwenden können – in Form einer Handlungs- aber auch gesellschaftlichen Gestaltungskompetenz – die sie aber auch auf Phänomene übertragen können, denen eine ähnliche Thematik zugrunde liegt.“

Gute Kaufentscheidung?

Neben der Verbraucherbildung forscht die Juniorprofessorin außerdem zu den Vorstellungen von SchülerInnen zu sozioökonomischen Phänomenen. Dahinter verbirgt sich der Umstand, dass Schülerinnen und Schüler, besonders in gesellschaftlichen Fächern, bereits Erfahrungen mit unterrichtlichen Inhalten abseits des Unterrichts gesammelt haben. „Wenn ich in meiner Klasse beispielsweise das Thema Kaufentscheidungen behandle, muss ich davon ausgehen, dass sich die Jugendlichen damit nicht nur befasst haben – zum Beispiel, wenn sie bestimmen, wofür sie ihr Taschengeld ausgeben – sondern sich im Gespräch mit anderen oder mittels Beobachtung ein Bild formt, was zum Beispiel eine ‚gute‘ Kaufentscheidung ist.“ Diese Vorstellungen entstünden durch viele komplexe Einflüsse, sodass sie den Personen nicht in allen Facetten bewusst seien und nur schwer in Worte gefasst werden könnten. „Für Lehrkräfte und angehende Lehrerinnen und Lehrer ist es daher wichtig zu ermitteln, welche Vorstellungen über gesellschaftliche Phänomene bestehen und diese im Lehr-Lern-Prozess zu berücksichtigen“, so Anja Bonfig.

In ihrer eigenen Lehre lege sie besonderen Wert auf einen konstruktiven Austausch mit den Studierenden, „von denen ich auch immer etwas lernen kann“.

Für ihre Forschung und Lehre biete die PH Schwäbisch Gmünd das ideale Umfeld, so Bonfig. Denn die Möglichkeit „an der Schnittstelle einer sozioökonomischen und haushaltsbezogenen Bildung lehren und forschen zu können sowie in diesem Kontext den Forschungsbereich der Verbraucherbildung in der digitalen Welt an der PH zukunftsorientiert gestalten zu können“, empfinde sie als besonders reizvoll.

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