Martina Häusler holt für die Grünen das Direktmandat

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56-Jährige zieht nach Jahrzehnten christdemokratischer Dominanz in Landtag ein. Bückner hofft noch auf Zweitmandat.

Schwäbisch Gmünd

Mit Martina Häusler hat am Sonntag bei der Landtagswahl im Wahlkreis Schwäbisch Gmünd erstmals eine Frau und erstmals eine Vertreterin von Bündnis 90 / Die Grünen das Direktmandat für den Stuttgarter Landtag geholt. Dies sei ein "historischer Tag", sagte Häusler am Sonntagabend. Sie hatte zwar auf einen Wahlsieg gehofft, aber "nicht in dieser Deutlichkeit" damit gerechnet, sagt die 56-Jährige. Häusler erreichte 30,1 Prozent der Stimmen und damit 4,5 Prozent mehr als Veronika Gromann vor fünf Jahren. Tim Bückner hingegen, der nach 25 Jahren auf Dr. Stefan Scheffold folgen wollte, erreichte 25,8 Prozent und damit 6,5 Prozent weniger. "Nicht aus heiterem Himmel" sei dieses Ergebnis gekommen, sagte Bückner dazu, dass erstmals in der Geschichte des Landes das Direktmandat im Landtagswahlkreis Schwäbisch Gmünd nicht an die CDU geht. Das landesweite Ergebnis ist für ihn ein Debakel, das er auf die Bundespolitik, aber auch auf die in der Masken-Affäre zutagegetretene "Niedertracht" zweier bisheriger CDU-Abgeordneter zurückführt. Bückner hofft noch auf ein Zweitmandat. Dies war bei Redaktionsschluss noch unklar.

Auch für Gmünds OB Richard Arnold (CDU) kam das Ergebnis "nicht überraschend". Dies sei ein klares Votum für Kretschmann. Möglich seien nun eine Fortsetzung der grün-schwarzen Koalition und eine Ampel, wobei Arnold das Wählervotum als Wunsch der Wähler nach Stabilität wertet. "Susanne Eisenmann hat das hervorragend gemacht", sagte Arnold zum Wahlkampf der CDU-Spitzenkandidatin. Doch zwei Dinge hätten der CDU zu schaffen gemacht: die Maskenaffäre und der Umgang mit der Corona-Pandemie in den zurückliegenden Wochen.

In Gmünd beträgt der Abstand zwischen Häusler und Bückner 7,4 Prozent und damit etwa drei Prozent mehr als im gesamten Wahlkreis. Für Arnold ist dies eine "Zäsur" für die CDU. Martina Häusler kenne den Gmünder Weg, sie kenne Gmünds Integrationsarbeit, sie kenne Gmünd insgesamt gut. Die Themen, die jetzt anstünden, seien Strukturwandel, Arbeitsplätze, Wirtschaft. Dazu müsse man in Stuttgart präsent sein, man müsse laut sein, wahrgenommen werden.

Damit habe ich in dieser Deutlichkeit nicht gerechnet.

Martina Häusler

Obgleich er als CDUler natürlich enttäuscht sei über das Abschneiden seiner Partei, gratulierte Erster Bürgermeister Christian Baron der gewählten Erstkandidatin Marina Häusler. Die Grünen-Abgeordnete müsse nun "was aus ihrem Ergebnis machen", müsse sich in der Fraktion eine starke Position erarbeiten, den Gmünd brauche eine starke Stimme in der Landespolitik. Dass das Direktmandat im Wahlkreis Gmünd nun von der CDU an die Grünen übergegangen sei, sei ein Zeichen funktionierender Demokratie.

Die Stadtverwaltung hatte mit zahlreichen Helfern trotz vieler Briefwahlstimmen rasch gezählt. Obwohl die Landtagswahl mit nur einer Stimmmöglichkeit einfach ist, mussten die Helfer doch ungültige Stimmen aussortieren – manche waren wohl absichtlich entstanden. Einzelne Stimmzettel waren komplett ohne Kreuz abgegeben worden, auf anderen waren alle Kandidaten angekreuzt. Schon vor halb sieben erschien auf der Wand des Leuze-Saals das Ergebnis des ersten Wahlkreises, Schießtal/Herlikofer Berg. Um 19.12 Uhr konnte Hauptamtsleiter Helmut Ott melden: "Wir sind fertig".

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