Mediziner raten zu Corona-Impfung

  • Weitere
    schließen
+
Gegen Corona impfen lassen oder nicht? Die Sprecher der Gmünder Ärzte geben eine Entscheidungshilfe.

Vertreter der Gmünder Ärzteschaft geben für alle Unentschlossenen eine Entscheidungshilfe und warnen vor den Folgen der Viruserkrankung.

Schwäbisch Gmünd

Soll ich mich gegen Corona impfen lassen oder nicht? Das ist derzeit vermutlich die weltweit am meisten gestellte Frage. Einerseits ist da der manchmal schwere oder sogar tödliche Verlauf der Covid-Erkrankung. Andererseits gibt es keine Langzeit-Erfahrung über mögliche Nebenwirkungen der neuen Impfstoffe. Die Vorstandsmitglieder der Gmünder Ärzteschaft geben nun eine Entscheidungshilfe: Sie raten klar zur Impfung.

Die Ärztevertreter Dr. Erhard Bode, Dr. Karl-Heinz Tiedemann und PD Dr. med. Jens Mayer zeigen sich in einer Stellungnahme "besorgt wegen der ausgeprägten Skepsis vieler Bürger gegen die Corona-Impfung". In Anbetracht der teils sehr schweren Ausprägungen der Erkrankung bis hin zu tödlichen Verläufen sehen sie in der Impfung "die einzige Möglichkeit, große Teile der Bevölkerung vor der Erkrankung zu schützen".

Nach dem sich abzeichnenden zögerlichen Anlaufen werde in absehbarer Zeit Impfstoff für alle zur Verfügung stehen. Damit müsse jede und jeder für sich die Frage beantworten, ob er oder sie sich impfen lässt oder nicht. Denn für die Gmünder Ärzte-Vertreter ist klar: "Irgendwann wird jeder mit dem Erreger in Kontakt kommen."

So begründen die Mediziner ihre Empfehlung:

Eine Impfung diene dazu, die körpereigene Abwehr gezielt gegen einen Erreger zu fördern, so dass die Krankheit nicht oder nur schwach auftritt. Dies gelinge im Falle von Viruserkrankungen, wenn Antikörper und spezifische Abwehrzellen gebildet werden, die das Virus rechtzeitig unschädlich machen, ehe es die Wirtszellen befällt.

Derzeit seien eine Handvoll Corona-Impfstoffe auf dem Markt. Davon sind aktuell zwei Impfstoffe in Deutschland zugelassen, drei bis vier weitere haben eine Chance, in absehbarer Zeit zugelassen zu werden. Die Mediziner zu den Funktionsweisen der Impfstoffe: Bei den Impfstoffen von BioNTech Pfizer, Moderna oder dem zu erwartenden Impfstoff der Tübinger Firma CureVac wurden diejenigen Abschnitte der Virus-RNA isoliert, die für die Ausbildung der Spike-Proteine auf der Virushülle und damit für die Immunantwort verantwortlich sind. Die restlichen RNA-Abschnitte, die für die Zusammensetzung der gesamten Viruspartikel erforderlich sind, seien weggelassen worden.

"Nicht aufzunehmen"

Bei der Herstellung des Impfstoffes werden die Impf-RNA Abschnitte entweder mit einer Fetthülle (BioNTech) umgeben oder in einen Zellbestandteil (Plasmid zum Beispiel bei Moderna) eingearbeitet. Die so entstehenden Partikel schleusen die RNA in die Muskelzellen am Ort der Impfung. Die Muskelzellen stellen mit Hilfe der entpackten RNA die gewünschten Spike-Proteine her, die nach ihrer Freisetzung das Immunsystem anregen, Antikörper zu bilden.

Die einzige Möglichkeit

Die Ärzte-Vertreter zur Corona-Impfung

"Es werden also keine infektionsfähigen Viren gebildet, sondern nur einige wenige für die Immunantwort erforderliche Wandbestandteile des Virus", betonen Bode, Tiedemann und Mayer. Da die eingeschleuste RNA in den Muskelzellen relativ schnell abgebaut wird, müsse die Impfung nach einer gewissen Zeit wiederholt werden, um eine ausreichende Produktion der Wandbestandteile des Virus und somit die Ausbildung von Antikörpern durch das Immunsystem nachhaltig sicher zu stellen.

In diesem Zusammenhang sei es günstig, dass das Corona-Virus ein RNA-Virus und kein DNA-Virus ist. Bekanntlich besteht die menschliche Erbinformation aus DNA. Da der menschliche Organismus nicht die Möglichkeit habe, Virus-RNA in DNA umzuwandeln, könne die Impf-RNA nicht in die menschliche Erbinformation aufgenommen werden.

Die Impfstoffe von Astra Zeneca (bekannt als Oxford-Impfstoff), der russische Impfstoff (Sputnik) und der international vertriebene chinesische Impfstoff (Hersteller Sinevac) arbeiteten nach einem etwas anderen Prinzip. Hier würden Viren verimpft, die sich im menschlichen Organismus nicht vermehren könnten. Diese nicht krankmachenden Viren würden zuvor mit den RNA-Abschnitten gegen das Corona-Spike-Protein beladen. Bei diesem Impfprinzip bildeten die verimpften Trägerviren die antigen-wirksamen Spike-Proteine aus.

Reaktionen auf die Impfung

Und wenn der Körper allergisch auf die Impfung reagiert? Als Zeichen der Wirksamkeit der Impfung seien lokale Reaktionen des Körpers zu erwarten und in gewisser Weise auch erwünscht, sagen die drei Gmünder Ärzte-Sprecher. Immerhin müsse der Organismus am Ort der Impfung einen wichtigen Stoffwechselprozess absolvieren. Auch bleibe die Stimulation des Immunsystems in der Regel nicht ohne Symptome.

Bei der Entscheidung für oder gegen eine Impfung sei zu berücksichtigen: Die bisher eher sehr seltenen Reaktionen auf andere Impfungen (Grippe, insbesondere Schweinegrippe) seien durch Hilfsstoffe verursacht worden, die bei diesen Corona- Impfverfahren nicht verwendet würden. Die bisherigen sehr seltenen allergischen Reaktionen bei der Impfung mit dem BioNTech-Pfizer-Impfstoff seien gegen den Stoff gerichtet, der die RNA umgibt. Deshalb müsse vor einer Impfung eine Allergieneigung gemeldet werden. Bei entsprechenden Schutzmaßnahmen im Vorfeld "ist eine solche Allergie beherrschbar".

Fazit der Ärzte-Vorstände trotz fehlender Langzeiterfahrung: "In Anbetracht der fehlenden therapeutischen Möglichkeiten, nicht kontrollierbarer schwerer Covid-19-Krankheitsverläufe und dem leider nicht seltenen Auftreten von Langzeitschäden auch nach leichterer Krankheit sieht der Vorstand der Kreisärzteschaft das geringere Risiko in der Impfung."

So verläuft die Corona-Infektion

Das Corona-Virus, erläutern die Mediziner, gelange über die Atemwege in den Nasen- Rachenraum. Hier befalle es mit Hilfe der Virushülle (Spike-Proteine) Schleimhautzellen, die die passenden Aufnahme-Rezeptoren für die Spike-Proteine besitzen (die ACE-2-Rezeptoren). Nach dem Eindringen des Virus in die Zelle und Offenlegung der Virus-Information (RNA) beginne die Virusproduktion. Die neu entstandenen Viren befallen weitere Zellen und die Erkrankung nimmt ihren Lauf. Es folgt der Befall der Bronchialzellen in der Lunge, der Zellen der Gefäßinnenwände und so weiter. Inzwischen ist auch bekannt, dass das Virus ins Zentralhirn wandern kann. Werde die Infektion nicht kurzfristig vom Immunsystem gebremst, schreite sie fort mit der Folge schwerer bis tödlicher Krankheitsverläufe. Schwere Verläufe seien bei älteren Menschen häufiger. Jedoch gebe es auch leichte bis symptomfreie Verläufe bei sogar sehr alten Menschen. Zunehmend würden aber auch schwere Verläufe bei jüngeren Menschen gesehen. "Leider ist es nach wie vor nicht möglich vorauszusagen, welchen Verlauf eine Corona-Infektion nimmt", sagten die Ärzte-Vertreter.

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

WEITERE ARTIKEL