Mehr Autoarchitektur als Autodesign

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Packard Kombi 1957/58
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Der Packard Station Wagon von Niko Fischer. Vielleicht das einzige Exemplar, das in Europa zugelassen ist. Ein Auto in Sammlerzustand.

Der Packard Station Wagon von Niko Fischer

Packard Kombi 1957/58
Packard Kombi 1957/58 © Tom
Packard Kombi 1957/58
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Packard Kombi 1957/58
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Schwäbisch Gmünd

Zugegeben, die Blaue Mauritius ist seltener. Aber der Packard Station Wagon von Niko Fischer aus Gmünd kommt nicht viel häufiger vor. Von den zwischen 1958 und 1960 gebauten 179 Exemplaren sollen weltweit noch zwölf  existieren. Und der cremeweiße Packard in Gmünd ist sogar der vermutlich einzige, der in Europa derzeit zugelassen ist. Dennoch ist  der Station Wagon weit entfernt davon, als elitäres High-Society-Auto wahrgenommen zu werden. Er ist eher der Typ praktischer Kumpel.

Spätestens wenn Niko Fischer und Sohn Marco die zweigeteilte Heckklappe öffnen, wenn daraus eine gemütliche Sitzfläche wird, lassen sich die Gedanken der Designer von damals nachvollziehen. Vielleicht wollten sie einfach ein Auto für die Freizeit schaffen, mit viel Platz fürs Equipment. Und vielleicht waren sie gedanklich der Zeit zu weit voraus, weil das Publikum den Reiz der Freizeitautos erst später entdeckte. Apropos Heck:die senkrecht stehenden Flossen und der respektvolle Abstand zwischen Stoßstange und Heckklappe sind mehr Architektur als Autodesign. Näher an der gotischen Kathedrale als am Bauhaus.Gesucht hat Niko Fischer den Wagen eigentlich nicht. Weil er selten ist, wäre das auch fast aussichtslos gewesen. Aufgefallen ist ihm der Packard Station Wagon bei der Bodensee Klassik, einer Rundfahrt für historische Automobile. Dort stand der Wagen zum Verkauf. Es war Liebe auf den ersten Blick. Für den Vorbesitzer aus Bregenz passte der nicht so richtig in seine Sammlung, in der sonst nur hochwertige Mercedes früher Jahre stehen. Der Packard, der die ersten 50 Jahre in den USA angemeldet war, fand um 2010 den Weg nach Österreich. Glück für den heutigen Besitzer: Der Packard wurde damals innen komplett erneuert. Mit frischem Dachhimmel, Sitzbezügen und Teppichen, die dem Original entsprechen. Zusammen mit der rostfreien und ungeschweißten Karosserie ein echtes Sammlerexemplar. Mit 22 000 Kilometern auf dem Tacho. Dem Aussehen nach wurde die 100 000-Kilometer-Marke auch höchstens einmal überschritten. „Alles vorhanden, die Bedienungsanleitung, das Serviceheft, das Reparaturhandbuch“, sagt Niko Fischer, der den  Packard Station Wagon gerne für kürzere Ausflüge nutzt. Zu Oldtimertreffen wie in Heubach, zu US-Car-Treffen in Ulm. Dann hat die ganze Familie ihren Spaß, Sohn Marc ganz besonders. 

Die Fahreigenschaften sind für heutige Verhältnisse vielleicht gewöhnungsbedürftig. Beschauliches Gleiten ist angesagt, gierig nach Kurven ist der  Packard Station Wagon eher nicht. Die weiche Federung, die Seitenneigung und eine Sitzbank ohne jeden Seitenhalt vorne raten zu behäbigem Fahren. Mitschwimmen im Verkehr ist aber völlig unproblematisch. Die 221 PS aus dem 4,7-Liter-Achtzylinder packen zu wie am ersten Tag. Und die 5,6 Meter lange Karosserie wiegt Mitfahrende in Sicherheit, auch wenn die 1959 noch nicht zu den wichtigsten Parametern zählte. Es war die Zeit vor Airbag, ABS und Sicherheitsgurt. Dafür aber schon mit Radio, das bis jetzt als einziges Fahrzeugteil seiner Aufgabe noch nicht nachkommt. Alles andere funktioniert reibungslos. „Eine Panne gab‘s noch nicht“, sagt Niko Fischer. Und die nötigen Reparaturen beschränken sich bis jetzt auf eine neue Dichtung für die Ölwanne. Der Packard Station Wagon ist ein Auto, das nicht nur Mitfahrenden Spaß macht. „Leute am Straßenrand winken uns zu, das würde bei einem neuen Auto nie passieren“, sagt der Oldtimer-Liebhaber.

Erklärungsbedürftig

 Und nicht selten muss er die Herkunft erklären. Denn Packard-Automobile sind weitgehend von der Bildfläche verschwunden. Das von den Brüdern James Ward Packard und William Doud Packard sowie George L. Weiss 1899 gegründete Unternehmen war schon 1952 am Ende. An der Seite des Autoherstellers Studebaker wurde noch bis 1962 produziert, dann verschwand der Firmenname Packard von der Bildfläche. Fachleute glauben, dass die zögerliche Haltung, V8-Motoren den Vorzug zu geben, das Interesse am Packard schwinden ließ. Das Unternehmen setzte bis in die Nachkriegsjahre auf Sechszylinder.

Das  war Packard

Packard hatte seinen Sitz in Warren (Ohio). Jahrzehnte lang galt Packard als Hersteller großer, luxuriöser, hochwertiger, aber konservativer Wagen. Die Autos parkten in Garagen wohlhabender Kunden, Staatsoberhäupter wurden damit gefahren und auch Gangsterbosse sollen Packard bevorzugt haben.  

Technische Neuerungen wurden oft vor den großen Wettbewerbern auf den Markt gebracht. 1940 war es die erste Klimaanlage in einem Serienwagen, zehn Jahre später ein Automatikgetriebe.   1954 fusionierte das Unternehmen mit Studebaker zur Studebaker-Packard Corporation. Die letzte von Packard selbst gebaute Autogeneration erschien 1955 mit modernen V8-Motoren und einer innovativen Drehstabfederung. 1956 folgte die Automatikbedienung per Knopfdruck. 1962 wurde der Namensteil „Packard“ aus dem Firmennamen entfernt.

Außer Automobilen stellte Packard  bis 1923 auch Nutzfahrzeuge,   sowie Motoren für Flugzeuge und Boote (bis 1956) her. Mehrere Versuche, die Marke wieder zu beleben, sind gescheitert. 

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