Mehr Edelmetall als je zuvor in Gmünd

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Forschungsinstitut Edelmetalle und Metallchemie
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Das Forschungsinstitut Edelmetalle und Metallchemie geht ins Jubiläumsjahr - und schätzt die Zukunft für Gold und Silber glänzend ein.

Schwäbisch Gmünd

Gold und Silber - in Gmünd nur noch eine Erinnerung an glanzvolle Vergangenheit? Wohl noch nie sei in der Stadt so viel Edelmetall verarbeitet worden wie derzeit, schätzt Dr. Andreas Zielonka, der Leiter des Forschungsinstituts Edelmetalle und Metallchemie (Fem). Vor 100 Jahren war das Institut gegründet worden, um die kriselnde Edelmetallindustrie in der Stadt zu unterstützen. Und auch im nun gestarteten Jubiläumsjahr ist sich Zielonka sicher, dass die Edelmetalle im Institutsnamen bleiben werden.

Besondere Eigenschaften

Das hängt mit den besonderen chemischen Eigenschaften dieser Metalle zusammen: Sie korrodieren nicht, bleiben sehr lange stabil und sind sehr leitfähig. Deshalb werden Stoffe wie Gold und Silber immer häufiger gebraucht. In früheren Jahrzehnten wurden die Forscher des Fem zum Beispiel gefragt, wie man filigrane oder raffiniert geformte Schmuckstücke mit Edelmetall beschichten kann. Heutzutage, erläutert Andreas Zielonka, haben sich ganz neue Schwerpunkte für die Verwendung von Edelmetallen entwickelt -und damit für die Arbeit des Instituts. Ihre Stabilität spiele eine große Rolle bei der Herstellung von Kontakten - in der Medizintechnik ebenso wie zum Beispiel bei der Fotovoltaikanlage auf dem Hausdach, bei der Windkraftanlage oder beim Katalysator.

Zum Jubiläum arbeitet das Forschungsinstitut am Prototyp eines Wasserstoff-Fahrrads, bei dem der Tank für den Treibstoff in den Fahrrad-Rahmen integriert werden kann. „Wir wollen einen Impuls geben für die Wirtschaft“, sagt der Fem-Chef. Das gelte nicht nur für das Wasserstoff-Fahrrad, sondern für alle Entwicklungen des Forschungsinstituts. Und längst nicht mehr nur für die Wirtschaft in der Gold- und Silberstadt. Die Forschung an der Katharinenstraße hat inzwischen rund um den Globus einen Ruf, weltweit laufen größere Forschungsprojekte mit Beteiligung des Fem. Auch im internationalen Geschäft sei der Name des Instituts eine Art Markenzeichen - ein Grund mehr, warum Zielonka diesen Namen unbedingt halten möchte.

Eine Besonderheit des Instituts ist die Anwendungsnähe. Oft tragen Unternehmen ihre Probleme bei bestimmten Verfahren vor und fragen nach den Lösungsvorschlägen der Gmünder Wissenschaftler. „Und die Industrie ist bereit, dafür zu bezahlen“, darauf weist Zielonka hin. Dem Institut stand im vergangenen Jahr ein Budget von gut sieben Millionen Euro zur Verfügung, davon waren 4,7 Millionen Einnahmen aus solchen Aufträgen. Heutzutage, so Zielonka, entstehe kein Produkt mehr ohne Material- und Oberflächenbehandlung - von der Tischplatte bis zum Hochhaus. Auch bei der Beschichtung des Forums Gold und Silber in der Ledergasse hat sich das Fem eingebracht.

Arbeit anderer Art

Mit der Vielfalt der Wirtschaft ist auch die Vielfalt der Wissenschaftler im Gmünder Institut gewachsen. Von der Chemikerin bis zum Mineralogen reiche die Palette inzwischen. Und mehr denn je gehe es um die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Alle Mitarbeiter werden auch über die Projekte informiert, die in anderen Abteilungen laufen, und können dann Anregungen aus ihrem eigenen Fachbereich einbringen. „Das ist eine ganz andere Art von Arbeiten als vor 30 Jahren“, vergleicht Andreas Zielonka.

Zunehmend spielt auch die Energietechnik eine zentrale Rolle im Fem. Und dabei der Wasserstoff. Der Institutsleiter ist überzeugt, dass sich mit dessen Nutzung alle Energieprobleme lösen lassen. Er sieht es als vielversprechend, dass die Stadt Gmünd ein Gewerbegebiet für die Nutzung von Wasserstoff ausweisen möchte. Das Fem könne da Kompetenz einbringen, es beschäftige sich seit 15 Jahren mit der Nutzung von Wasserstoff als Energiequelle.

Derzeit ganz aktuell sind die Pläne des Forschungsinstituts, sich um ein Innovationslabor auf dem benachbarten Grundstück des früheren Forstamts zu erweitern. Nachbarn haben Einspruch gegen diese Pläne erhoben. Sie schlagen stattdessen vor, das ganze Institut in ein Gewerbegebiet zu verlagern. Doch das, sagt Andreas Zielonka, würde 70 Millionen Euro kosten. Der Neubau vor Ort sei mit 14 Millionen Euro kalkuliert. Und er ist zuversichtlich, dass die Stadtverwaltung die Fem-Pläne genehmigen wird: „Wir wollen im April mit dem Bau beginnen.“

Wir wollen einen Impuls geben für die Wirtschaft.“

Dr. Andreas Zielonka,, Fem-Leiter
  • Start als Probieranstalt
  • 1921 gründet sich  in Gmünd der „Verein für die Probier- und Forschungsanstalt für Edelmetalle in Gmünd“, um der traditionsreichen, aber kriselnden örtlichen Edelmetallindustrie zu helfen. 
  • 1922 eröffnet der Verein das Institut samt Laboratorium in der Staatlichen Höheren Fachschule für das Edelmetallgewerbe an der Rektor-Klaus-Straße. Es soll  die  Industrie in  Fragen der Untersuchung und Bearbeitung von edlen und unedlen Metallen unterstützen. Es zeichnet sich von Anfang an durch seine Unabhängigkeit und seine anwendungsorientierte Forschung für Wirtschaft und Industrie aus.
  • 1928 kommt Prof. Dr. Ernst Raub ans Institut  und übernimmt  1934 die Leitung. Er  macht das Institut zu einer bedeutenden und weltweit anerkannten Forschungseinrichtung auf dem Gebiet der Edelmetalle.
  • 1957 Aus der Probier- und Forschungsanstalt  wird   das Forschungsinstitut für Edelmetalle und Metallchemie, kurz Fem.
  • 1958 zieht das Institut    in den Neubau an der Katharinenstraße.
  • 1962 Ernst Raub wird parallel zu seiner Position in Gmünd Gründungsrektor der Staatlichen Ingenieurschule Aalen, dem Vorgänger der heutigen Hochschule Aalen.
  • 1971  übernimmt  Professor Dr. Christoph J. Raub  die Leitung des Instituts von seinem Vater .
  • 1995 übernimmt Dr. Hermann Jehn gemeinsam mit Dr.  Andreas Zielonka die Leitung des Fem.
  • 2001  wird Dr.  Zielonka alleiniger Institutsleiter.
  • 2011 wird das Applikationstechnikum als bislang letzte Erweiterung in Betrieb genommen.
Forschungsinstitut Edelmetalle und Metallchemie
Alexander Krieger im Forschungsinstitut Edelmetalle und Metallchemie in einem Labor zur Entwicklung innovativer und umweltfreundlicher Beschichtungsverfahren. ÌÌFoto: Fem
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Ein blick in die Anfänge der Probieranstalt.
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