Mehr Gebäude erhalten und umbauen

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Experten der Stiftung Baukultur trafen sich in Gmünd - und schauten sich auch das Gelände auf dem Hardt an.
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Die Bundesstiftung Baukultur trifft sich in Gmünd zu einer Werkstattveranstaltung und zeigt, wohin die Reise beim Bauen und Wohnen gehen sollte.

Schwäbisch Gmünd

Bauen auf der grünen Wiese versiegelt Flächen und ist rohstoff- und energieintensiv. Deshalb ist das Gebot der Stunde, Gebäude zu erhalten und umzubauen. Die Bundesstiftung Baukultur, die alle zwei Jahre einen Baukulturbericht über das Planen und Bauen in Deutschland vorlegt, hat sich deshalb das Thema „Umbaukultur“ auf die Fahnen geschrieben.

Am Donnerstag und Freitag trafen sich in Gmünd rund 80 Experten, um in einer von drei jährlich stattfindenden Baukultur-Werkstätten über zukunftsweisende Wohnformen und zukunftsweisendes Zusammenleben zu sprechen. An einem Ort, der bestes Beispiel dafür ist, wie Lebensräume umgebaut werden können: in der früheren Ritz-Pumpenfabrik, heute Manufaktur B26.

Zuvor hatten die Teilnehmer, allesamt Fachleute aus den Bereichen Planung, Wirtschaft und Verwaltung, eine Exkursion nach Stuttgart und Waiblingen unternommen, die auf dem Hardt endete, einem Quartier, das derzeit weiterentwickelt wird und Teil der Internationalen Bauausstellung 2027 werden soll. Baubürgermeister Julium Mihm stellte die Planung „Unbreak my Hardt“ vor, das aus einem jungen und stark von Migranten geprägten Quartier ein grünes, urbanes Vorzeigeprojekt machen soll.

„Alles verklammern, was getrennt war“, sei das Ziel. Ein verbindendes grünes Band soll künftig die Pädagogische Hochschule aus ihrer „splendid isolation“ holen und über den Bauhof, der verlegt werden soll, und die früheren Kasernengebäude hin zu den Wohnquartieren führen. Gut sei es gewesen, dass die Weiterentwicklung des Hardt mit einer Baugruppe begonnen habe, die gemeinschaftlich ihr Mehrkulturenhaus geplant hat, mit vielen Menschen aus dem Quartier, die dort wohnen bleiben wollen, denn sie seien die besten Agenten. Mihm erläuterte auch die Planung für den Park am Sonnenhügel, der ein Beispiel für die klimaangepasste Stadt werden soll. Die Baumbewässerung soll automatisch über eine Regenwasserzisterne erfolgen.

Dass Gmünd ein inspirierender Ort für Umbau sei, attestierte Reiner Nagel, der Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung Baukultur, der Stadt. Er forderte, den Umbau neu zu denken. „Daran müssen wir alle mitwirken, die Bauwirtschaft, die Immobilienwirtschaft und die Hersteller von Baustoffen.“ Zu schnell werde ein Abriss gefordert, doch Umbaukultur führe zu einer neuen Architektursprache, die emotional berühre. „Bezogen auf die Umweltbilanz und oft auch gestalterisch ist ein kluges Weiterbauen smarten Hightech-Neubauten häufig überlegen.“ Das Gebot der Stunde laute einfach bauen und einfach umbauen.

Nicole Razavi, baden-württembergische Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen, forderte in ihrem Grußwort einen konsequenten, ganzheitlichen Blick. Das Land befinde sich in einem Transformationsprozess, Klimawandel, Umweltschutz und eine nachhaltigere Mobilität führen zu tiefgreifenden Veränderungen. „Die Ziele, die wir uns gesetzt haben, werden das Gesicht der Städte verändern.“ Und in die Lebensgestaltung der Menschen eingreifen. Wichtig sei es, Wege zu finden, dass die Menschen in den Städten und den Dörfern wohnen bleiben.

Oberbürgermeister Richard Arnold wies in seinem Grußwort darauf hin, dass es wichtig sei, Maß und Mitte für die Innenstädte zu finden. Der Online-Handel dürfe nicht zu einer Verödung führen. Denn attraktive Innenstädte, wo sich Menschen begegnen und austauschen können, seien ein wichtiges Moment der freiheitlichen Demokratie. „Wir müssen Online-Handel und den ausgesuchten Einzelhandel ins Gleichgewicht bringen. “

Urbane Natur erlebbar

Gerhard Hauber, dessen Planungsbüro Ramboll Studio Dreiseitl beim Landschaftspark in Wetzgau involviert war, forderte am Ende des ersten Tages, bei allen Planungen die Landschaftsarchitektur zu nutzen, um urbane Natur in der Stadt erlebbar zu machen.

Gmünd ein inspirierender Ort für Umbau.“

Reiner Nagel,, Bundesstiftung Baukultur

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