Mehr Tempo beim Waldumbau

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Um den rund 1500 Hektar großen Stadtwald der Klimaerwärmung anzupassen, will die Stadt ihre Praxis der Waldverjüngung deutlich ändern.
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Die Eiche übernimmt eine Hauptrolle: Die Fläche von vier Fußballfeldern soll pro Jahr mit jungen Waldbäumen bepflanzt werden – das kostet viel Geld.


Schwäbisch Gmünd

Mehr Tempo, mehr aktives Eingreifen, eine knappe halbe Million an Extra-Investitionen in den nächsten zehn Jahren: Um den rund 1500 Hektar großen Stadtwald der Klimaerwärmung anzupassen, will die Stadt ihre Praxis der Waldverjüngung deutlich ändern. Und hofft auf die Hilfe der Bürger, zum Beispiel in Form von Spenden für den Gmünder Waldfonds: Pro fünf Euro gibt‘s einen neuen Baum.Alle zehn Jahre ist Inventur im Stadtwald: Nachhaltigkeitsintervalle nennt das der Fachmann. „Den Schritt haben wir gerade wieder vollzogen“, sagt Jens-Olaf Weiher, Leiter der Forstaußenstelle Gmünd. Der Vergleich der letzten zehn Jahre mit dem Plan fürs kommende Jahrzehnt zeigt, was sich ändern soll bei der Verjüngung des Stadtwalds. „Bisher haben wir zu 95 Prozent auf natürliche Erneuerung gesetzt“, erzählt Weiher. Im abgelaufenen Wald-Jahrzehnt waren es nur fünf Hektar, die neu angepflanzt worden sind, so Weiher. Künftig sollen es drei Hektar werden - pro Jahr. Was nicht spektakulär klingt, aber es ist immerhin die Fläche von vier Fußballfeldern, deren Bepflanzung insgesamt gut 40000 Euro kostet. Dass die natürliche Verjüngung nun nicht mehr als ausreichend angesehen wird, liegt an der Klimaerwärmung. Der Mensch muss dem Wald bei der Anpassung Hilfe leisten, so argumentiert der Fachmann Jens-Olaf Weiher. „Wenn man einen Kahlfläche aufforstet, wo der Borkenkäfer den Fichtenwald zerstört hat, kann man nicht erwarten, dass da nun ein Eichenwald wächst“, sagt er. Wenn Weiher und seine Mitarbeiter künftig aktiv neu anpflanzen, wird die Eiche eine Hauptrolle bekommen auf den Waldflächen: „Von 30 Hektar werden 20 Hektar Eichen.“ Rein rechnerisch, nicht als Eichen-Monokultur, sondern immer gemischt mit anderen Arten. Die Eiche bekomme einen „Begleitbestand“, so Weiher. „Monotone Wälder sind sehr anfällig.“ Pro Jahr sollen etwa 10000 neue Bäume gepflanzt werden.Franka Zanek, die neue Leiterin des neu geschaffenen Amts für nachhaltige Entwicklung und Klimaschutz, sieht eines als zentral in ihrem Job: Dass Aktivitäten fürs Klima nicht von oben verordnet werden, sondern die Gmünder „mit einbezogen werden“, wie sie sich ausdrückt. Man müsse „die ganze Klaviatur spielen“, sagt sie, aber der Wald spiele eine wichtige Rolle in der städtischen Klimapolitik. Und er bietet sich als Identifikationsobjekt geradezu an. Das weiß Jens-Olaf Weiher, zu dessen Arbeit auch Bildung rund um den Wald gehört, nur zu gut: „Das Urformat von Waldpädagogik ist es, einen Baum zu pflanzen.“

Schon 20000 Euro beisammen

Auch das soll es künftig als Angebot geben: dass Schulklassen oder Vereine bei Pflanzaktionen mitmachen können. Man kann, muss aber nicht: Seit dem Frühjahr kann man für den Gmünder Waldfonds spenden. Obwohl die Stadt bisher keine intensive Werbung für die Aktion gemacht hat, sind schon rund 20000 Euro an Spenden für neuen Wald eingegangen, erzählt Stadtkämmerer René Bantel. Wichtig findet er, „dass man sich auch im Kleinen beteiligen kann“. Keiner der Spender muss die Sorge haben, dass er einfach nur die Stadt finanziell von eigenen Lasten freistellt, das betont Stadtsprecher Markus Hermann: „Wir tragen unsere Last voll; was dazu kommt, kommt dazu. Es ist wichtig, dass die Leute wissen: Das ist wirklich ein Plus.“Den Begriff der Nachhaltigkeit hat die Forstwirtschaft erfunden, vor 250 Jahren schon. So gefragt wie heute war er wahrscheinlich noch nie. Franka Zanek: „Wir müssen Nachhaltigkeit zum neuen Normal in der Stadtgesellschaft machen.“

Um den rund 1500 Hektar großen Stadtwald der Klimaerwärmung anzupassen, will die Stadt ihre Praxis der Waldverjüngung deutlich ändern.

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