Meinungsfreiheit ist in Gefahr - „und zwar immer“

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Hamed Abdel-Samad.Foto: Hie
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Hamed Abdel-Samad und Dr. Sandra Kostner diskutieren über Wert und Preis der freien Meinungsäußerung.

Schwäbisch Gmünd. Meinungsfreiheit, sagt Hamed Abdel-Samad, ist „kein Selbstläufer“. Sie sei immer in Gefahr. Und sie müsse immer verteidigt werden, „nicht durch das Gesetz, sondern durch die mündigen Bürger“. Über Meinungsfreiheit wird Abdel-Samad, als islamkritischer Aufklärer gewiss einer der mutigsten Autoren Deutschlands, am kommenden Dienstag, 24. Mai, um 19 Uhr an der Volkshochschule am Münsterplatz mit Dr. Sandra Kostner, Migrationsforscherin an der Gmünder PH, diskutieren.

Im Vorfeld dieser Diskussion erläutert Abdel-Samad im GT-Gespräch, wie er Meinungsfreiheit in diesen von Krisen geprägten Zeiten sieht. Ob es nun um Corona gehe, die Ukraine-Krise oder um den Islam und Migration, Debatten würden „eher emotional geführt“ und teilten „die Gesellschaft in die Guten und die Bösen auf“, sagt der Publizist, der Gmünd als mehrfacher Gast der Pädagogischen Hochschule, der Volkshochschule und der „Zeitgespräche“ der Gmünder Tagespost gut kennt. Abweichende Meinungen würden zwar nicht zensiert, doch sie würden „sofort gereizt geahndet“. Es fehlten „sichere Räume, in denen „unterschiedliche Meinungen zivilisiert aufeinander prallen können, ohne dass eine Seite moralisch disqualifiziert wird“.

Abdel-Samad sieht mehrere Gefahren für die Meinungsfreiheit: zum einen „die Empörung und das Moralisieren der Debatten“, zum anderen die „moralische Erpressbarkeit der bürgerlichen Mitte, die Angst hat, als Nazis, herzlos oder rassistisch abgestempelt zu werden“. Selbst in der akademischen Welt, sagt Abdel-Samad, falle es heute vielen Professoren schwer, ihre fundierte Meinung zu diesen Themen zu äußern. So gesehen sei nicht nur die Meinungsfreiheit, sondern die Demokratie selbst in Gefahr.

Zu den Dozenten, die ihre Meinung nicht frei äußern, zählt Dr. Sandra Kostner nicht. Die Migrationsforscherin bezieht sich auf Umfragen. Diese zeigten, „dass immer mehr Menschen das Gefühl haben, ihre politische Meinung nicht frei äußern zu können“. Dies betreffe vor allem die Themen Gender, Islam, Migration und Klima. „Unduldsamkeit gegenüber Andersdenkenden“ präge aber auch die Debatten zu Corona und zum Krieg gegen die Ukraine. Frei äußern könnten sich problemlos diejenigen, „die ideologisch oder machtpolitisch akzeptierten Argumenten folgen“. Andersdenkende würden oft als „moralisch verwerfliche Personen dargestellt“. Dies führe dazu, „dass sich viele Andersdenkende aus der Debatte zurückziehen“.

Ihre Thesen zu Meinungsfreiheit, Gefahren für diese und die Zurückhaltung, Meinungen frei zu äußern, werden Abdel-Samad und Kostner beim VHS-Podium vertiefen. Michael Länge

Für das Gespräch über „Wert und Preis der Meinungsfreiheit“ am Dienstag, 24. Mai, um 19 Uhr an der VHS am Münsterplatz ist eine Anmeldung erforderlich: (07171) 925150 oder www.gmuender-vhs.de

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