Mietminderung wegen Lärm am Normannia-Stadion?

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Untragbar findet Anwohner Volker Sperrle die Nähe von Wohnbebauung und Sportplatz im Schwerzer. Der Platz ist viel länger da, seit über 100 Jahren, argumentieren seine Kritiker.
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Ein Anwohner am Normannia-Stadion fordert eine Mietminderung wegen Lärmbelästigung vom Sportplatz – beim Bauverein hält man das für nicht durchsetzbar.

Schwäbisch Gmünd

Das Thema Lärm beschäftigt Volker Sperrle seit längerem: Der Anwohner der Schwerzerallee hat sich schon häufig über zu viel Lautstärke vom Platz des FC Normannia geärgert – und bereits einige Initiativen dagegen gestartet.

Nun will Sperrle eine Mietminderung vom Gmünder Bauverein einfordern – als einen von mehreren Anträgen bei der nächsten Mitgliederversammlung. Sperrle spricht vom "wir", wobei er konkret eine Anwohnerin erwähnt, die an seiner Seite stehe. Wie viele Unterstützer seiner Idee es insgesamt gibt, will er auf Nachfrage nicht sagen.

Raynulf Jehle, der Geschäftsführende Vorstand des Bauvereins, ist verärgert, "dass Herr Sperrle Mieter gegen uns aufwiegelt". Jehle hält eine Mietminderung für abwegig: Wegen eines angrenzenden Sportplatzes sei das "rechtlich nicht durchsetzbar", sagt er und fügt hinzu: "Ich bin seit 30 Jahren in der Gebäudewirtschaft, mir ist kein solcher Fall bekannt." Im übrigen verweist er darauf, dass Mietern, die rund um den Normannia-Platz einziehen, bewusst sein muss, dass auf dem Sportplatz auch etwas los ist. "Dieser Platz ist eine gewachsene Struktur."

Dass der Gmünder Bauverein auch noch zu den Sponsoren des FC Normannia gehört, ärgert Volker Sperrle vor diesem Hintergrund zusätzlich: Die finanzielle Unterstützung geschehe "zum Ärger seiner Mieter und auf Kosten der Genossenschaftsmitglieder". Jehle dagegen bekennt sich zu den "guten nachbarschaftlichen Beziehungen" zum FC Normannia. "Wir unterstützen die Normannia vor allem wegen der guten Jugendarbeit. Es ist doch besser, Jugendliche treiben Sport, statt mit der Bierflasche auf dem Marktplatz zu sitzen." Volker Sperrle betont, es gehe nicht gegen "Sport, Spiele und Training", sondern um "den Lärm drumherum" – und wenn Jugendliche der Normannia außerhalb des offiziellen Trainings auf dem Platz weiter kicken, Und zwar lautstark: Sein jüngster Ärger hat mit einer abendlichen "lärmenden Bolzerei" vor einigen Tagen zu tun, gegen die Sperrle einzuschreiten versuchte. Dabei bekam er von einem Jugendlichen eine obszöne Geste gezeigt (GT vom 15. Juli), eine Anwohnerin sei obszön beleidigt worden. In dieser Sache werde er Anzeige wegen Beleidigung erstatten.

Es gehe nicht gegen Sport, sondern um den Lärm drumherum.

Volker Sperrle, Anwohner

Bauvereinsgeschäftsführer Jehle hat im Kontakt mit Mietern, die in Platznähe wohnen, in den letzten Jahren andere Hauptprobleme als laute Jugendliche ausgemacht: "Es ging vor allem um Feiern im Forum der Normannia und um knappen Parkraum in Platznähe." Was gelegentlich lautstarke Feste in den Vereinsräumen angeht, sei man mit den Normannia-Verantwortlichen im Kontakt, sagt Jehle. "Und wir werden für die Anwohner einige zusätzliche Parkplätze im Jörg-Rathgeb-Weg schaffen."

Und wie geht es nun weiter? Die Hoffnung, die Gmünds Bürgermeister Dr. Joachim Bläse vor einem Jahr geäußert hat – "Wenn man das Problem in persönlichen Gesprächen lösen könnte, das wäre aus meiner Sicht das beste" –, diese Hoffnung scheint sich nicht zu erfüllen. Raynulf Jehle sagt: "Wir überlegen gerade, wie wir darauf reagieren." Er werde sich wohl mit einem Rechtsanwalt beraten. Und Volker Sperrle hält den Normannia-Platz inzwischen für untragbar: "Es reicht. Wir werden das Ding jetzt dichtmachen."

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