Mihm will Gmünd für Fußgänger attraktiver machen

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Mihm wünscht sich, dass mehr Bürgerinnen und Bürger die Parkhäuser in Gmünd nutzen.
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Mit dem Fußverkehr sind große Visionen verbunden, denn urbane Attraktivität ist mit viel Autoverkehr schlecht zu erlangen, erklärt Gmünds Baubürgermeister Julius Mihm.

Schwäbisch Gmünd. Lärm, krankmachende Abgase, Feinstaub und dazu noch die vor allem für Kinder große Gefahr, von einem Auto erfasst zu werden – eine lebenswerte Innenstadt, in der Menschen gerne zu Fuß unterwegs sind, sieht anders aus. Das sieht auch Gmünds Baubürgermeister Julius Mihm so. Für die Gmünder Hauptverkehrsachsen wie die Goethestraße und die Weißensteiner Straße sieht er deshalb nicht groß Möglichkeiten, sie für Fußgänger wesentlich attraktiver zu machen.

Da cruisen manche Autos so lange, bis sie einen Parkplatz gefunden haben.“

Julius Mihm,, Baubürgermeister

Fußgänger sollten sich in solchen Fällen nach Alternativen wie der Schwerzerallee umschauen, eine Straße, die sehr viel ruhiger und einladender ist. Dass jedoch nicht jede Durchgangsstraße „verloren“ ist, macht er am Beispiel Hardt deutlich, wo er derzeit einen attraktiven Stadtteil entstehen sieht, mit einer Oberbettringer Straße, bei der zukünftig nicht mehr die Durchfahrt Priorität hat, sondern das Ankommen – ein integriertes Parkplatzangebot werde dafür sorgen.

„Wir brauchen große netzartige Quartiere, die Lust aufs Zu-Fuß-Gehen machen“, erklärt Mihm. Wo aber dem Autoverkehr Vorrang eingeräumt werde, komme es zu „Antifußgängerbereichen“ – Gift für urbane Attraktivität, denn für die brauche man öffentliche Räume, die so groß sind, dass sie eine gewisse Unendlichkeit suggerieren und immer wieder neue Perspektiven eröffnen.

„Überflüssiges Rumfahren“

Die Innenstadt sieht Mihm auf einem guten Weg, da die Aufenthaltsqualität in den beiden Schmiedgassen aufgewertet wird und der Kalte Markt nur noch Richtung Süden befahren werden darf. Das „überflüssige Rumfahren“ sei in diesem Quartier äußerst störend gewesen. Das hat Mihm selber erfahren, als er sich die Situation jüngst in aller Ruhe angeschaut hat: „Da cruisen manche Autos so lange, bis sie einen Parkplatz gefunden haben“, noch schlimmer das Poser-Cruisen. Was ebenfalls nervt, „das überflüssige, schnäkige Ich-fahre-nicht-ins Parkhaus“, denn eine große Entlastung wäre es, wenn die Autos sich nicht mehr vor dem Parkdeck Rems stauten, bis sie dort einen Parkplatz bekommen, sondern außerhalb des Rings im Röther-Parkhaus blieben. Im Moment sei der Fußweg von dort in die Stadt allerdings nicht einladend. Wenn die Bebauung an der Stadtmauer realisiert wird, werde sich dies ändern, stellt Mihm in Aussicht.

Und die Vision des Baubürgermeisters? Nach und nach alle im Moment noch toten Orte wie zum Beispiel das Woha-Areal zu Quartieren mit hoher Aufenthaltsqualität zu entwickeln und von diesen Quartieren Themenfußwege zu inszenieren, die mit anderen Quartieren verbinden. „Das schafft ein Bewusstsein dafür, dass alle Teil einer größeren Stadtgemeinschaft sind.“ So könnte das Zeitalter einer autogerechten Stadt, in der die Fußgänger marginalisiert werden, langsam Geschichte werden.

Es gibt klare Richtlinien

Wie der Fußverkehr seitens des Tiefbauamts behandelt wird, erklärt Bernd Raubal. Für die Gehwegbreite gebe es offizielle Richtlinien, die eine angestrebte Sollbreite von 2,5 Metern vorsehen. Eine Mutter mit Kind an der Hand oder in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen sollen gut aneinander vorbeikommen. Doch nicht in jedem Wohngebiet könne dies umgesetzt werden, und alte Wohngebiete weisen oft nur 1,5 Meter auf. Eine Rolle spiele immer die Frage der Wirtschaftlichkeit und wie stark der Gehweg genutzt werde. Die Ledergasse nennt er als Beispiel, wo den Fußgänger sehr großzügig Platz eingeräumt wurde. 2014 sei die Stadt bereit gewesen einiges für den Fußverkehr zu investieren.

Was in letzter Zeit vermehrt realisiert werde, sei Shared Space, bei dem alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind. Die Rinderbacher Gasse mit den sehr engen Fußwegen auf beiden Seiten würde man heute vielleicht als geteilten Raum ausweisen. Für die Stadt sei die Verkehrswende eine große Herausforderung, gibt er zu bedenken. „Wie geht man mit dem Altbestand um? Wie lässt sich der Straßenraum neu verteilen, ohne viel Geld investieren zu müssen?“ Die Parkraumbewirtschaftung sieht er zukünftig als heißes Eisen: wie viel Platz räumt eine Stadt dem ruhenden Verkehr ein und wie teuer sollen Parkplätze sein? Eine Rolle spiele bei all diesen Fragen auch das Umweltbewusstsein der Verkehrsteilnehmer, so seine Einschätzung.

Nicht alles ist in Ordnung

Mit dem ruhenden Verkehr hat auch Gerd Hägele, Leiter des Rechts- und Ordnungsamtes zu tun, der dafür zuständig ist, wenn Gehwege zugeparkt werden. Je nachdem ob leichte oder massive Behinderung können 15 Euro fällig werden oder sogar die Kosten fürs Abschleppen. Oft sei es ein Abwägungsprozess, ob man das Parken für kurze Zeit dulde, wenn sich jemand zum Beispiel ein Vesper hole. Die Fußgänger nimmt er als sehr geduldig wahr, das heiße aber nicht, dass für sie alles in Ordnung ist. Der Verein Fuß e.V. fordert bei „Blech auf dem Bürgersteig“ klare Regeln, mehr Kontrollen und höhere Bußgelder.

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