Mit Abstand das bezauberndste Fest

+
Weihnachten, so Pfarrerin Maike Ulrich und Dekanin Ursula Richter beim evangelischen Weihnachtsgottesdienst in der Augustinuskirche, sei ein Fest, an dem verletzende Worte verstummen und Hartherzigkeit und Eigennutz sich wie Nebel verziehen.
  • schließen

Über das Wesentliche des Weihnachtsfestes sprechen die beiden Geistlichen am ersten Weihnachtsfeiertag in der evangelischen Augustinuskirche.

Schwäbisch Gmünd

Dem Zauber des Weihnachtsfestes spürten Dekanin Ursula Richter und Pfarrerin Maike Ulrich am ersten Weihnachtsfeiertag in der Augustinuskirche nach: Richter nannte Geschenke, Lichter und Christbaum, um dann schnell zu Wesentlicherem zu kommen: der Mitmenschlichkeit. „Wie Menschen bezaubernd mitmenschlich sein könne, füreinander da und aufeinander achtend.“

Weihnachten zeichnete sie als ein Fest, an dem verletzende Worte verstummen und Hartherzigkeit und Eigennutz sich wie Nebel verziehen. Das Herz öffne sich für Bedürftige, was sich an Aktionen wie Brot für die Welt zeige, bei der Millionen Euro zusammenkommen. Die Dekanin gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass auch dieses Jahr wieder rege gespendet wird.

Weihnachten rufe auch Erinnerungen an die Kindheit wach, ging Richter auf die Christgeburt ein: „Wir feiern den Lebendigen und damit unser Leben.“ Besonders schlimm sei es, wenn an Weihnachten in den Familien Streit herrsche oder sich die Menschen nichts mehr zu sagen haben. Dann werde der Traum von einer menschlicheren Welt zum Alptraum und die Leitungen der Telefonseelsorge laufen heiß. Hinzukämen neuerdings Zerwürfnisse wegen Corona.

Richter lenkte den Blick ins Bethlehem vor gut 2000 Jahren. Hartherzig sei einer schwangeren Frau die Herberge verweigert worden, und die Gier eines mächtigen Kaisers habe die Weltlage verdunkelt. Wie es in dieser Welt plötzlich hell geworden sei, davon erzähle die Weihnachtsgeschichte. „Im Hinterhof der Zivilisation, bei denen, die zweifeln“, sei die Stalltür aufgegangen und der Heiland geboren worden, als Erstes erkannt von Hirten, die am Rande der Gesellschaft leben.

Auf die Randständigen ging auch Pfarrerin Ulrich ein, die von ihrem Besuch in einer brasilianischen Favela berichtete. Weihnachten wurde vor der Kirche gefeiert, weil in ihr Menschen untergekommen waren, deren Hütten vor Weihnachten im Sumpf versanken. Das jüngste Kind des Viertels liegt in der Krippe, der Priester nimmt es heraus, zeigt es herum und sagt: „Gott ist zu uns gekommen.“ Dass die Menschen tatsächlich Friedenszeiten kommen sehen, machen sie noch an anderem fest: Dass einige Straßen elektrisches Licht bekommen und die Kinder besseres Schulessen.

In Brasilien habe sie etwas von dem gesehen, was Jesaja in Vers 52 beschreibt: „Seid fröhlich und jubelt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der Herr hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst.“ Für Ulrich sehen Propheten wie Jesaja weiter, zu dem, was kommen wird. Sie erinnerte an die Flut im Ahrtal. Das Leben, dem es an nichts mangelte, sei erschüttert worden, und der Mensch begreife, dass dies erst der Anfang sein könnte. Doch Gott höre nicht damit auf, in unseren besorgten und erschütterten Alltag einzutreten. „Er fängt da an, wo’s brüchig wird.“ Er komme auf die Welt, zart und verletzlich, wie in Brasilien. Im Gebet legte die Dekanin Gott die Menschen besonders ans Herz, die derzeit beladen und belastet sind: Alle, sie sich nach einer Herberge sehnen, die Corona-Infizierten und diejenigen, die sie pflegen, die Heimatlosen und Vertriebenen und alle Armen dieser Welt. „Hilf auch uns, Herberge zu sein“, sprach sie die eigenen Handlungsmöglichkeiten an. Und empfahl das Opfer für Brot für die Welt, das Menschen zugutekommen soll, die durch die Klimakrise, durch Flut und Dürre, besonders in Mitleidenschaft gezogen werden.

Musikalisch umrahmten Sängerinnen und Sänger der Augustinuskantorei und Bezirkskantor Thomas Brückmann den evangelischen Gottesdienst, der auch per Livestream von den Wohnzimmern aus verfolgt werden konnte.

Hilf auch uns, Herberge zu sein.“

Ursula Richter,, Dekanin

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare