Mit dem „Butzlomba“ durch Gmünd

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Foto: Jan-Philipp Strobel
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Ernestine Schwätzle alias Angela Rosskopf fegt als Gästeführerin auf Schwäbisch durch die staufische Historie der Stadt Schwäbisch Gmünd.

Schwäbisch Gmünd. Auf dem Papier, das an ihrer blau-gemusterten Kittelschürze befestigt ist, steht die Grundeinstellung von Ernestine Schwätzle für jeden gut lesbar: „Kehrwoch isch immer.“ Und so ist es denn auch für niemanden unter den Teilnehmern der Stadtführung verwunderlich, dass er gleich zu Beginn einen „Butzlomba“ in die Hand gedrückt kriegt. So geht es gut ausstaffiert zum Rundgang durch die Gassen und Straßen der Stauferstadt, frei nach dem Motto: „Stadtführung auf Schwäbisch.“

„Wellad sie au butza helfa?“, erkundigt sich Ernestine Schwätzle alias Angela Rosskopf mit schelmischem Grinsen. Und die 25 Personen, die sich an diesem Samstag eineinhalb Stunden lang zum Gang durch die Gmünder Geschichte aufmachen, nicken. Allerdings ist das Nicken bei den Herren nicht ganz so ausgeprägt. So zumindest der Eindruck der Gästeführerin. Prompt wedelt sie drohend mit ihrem Besen vor deren Nase rum. Und macht die Offerte, wirklich jedem zu zeigen, wie man richtig putzt. Klar, dass die Gruppe sich so mit Gelächter und bestens gelaunt zum informativen Bummel aufmacht. Wer des schwäbischen Dialekts nicht so mächtig ist, muss wirklich ganz genau hinhören. Zum besseren Verständnis hat Ernestine Schwätzle aber auch stets ein passendes Bild parat, dass das Gesagte erläutert. Etwa das Abbild eines hölzernen „Tipplers“, den sich die Menschen in staufischer Zeit unter die Schuhe banden, damit sie in den sumpfigen Bereichen der Stadt, etwa in den Seitenstraßen des Unteren Marktplatzes, nicht im Morast versanken. „Daher kommt der Begriff herumtippeln“, erklärt sie. Aha, schon wieder was gelernt.

Während der Weg zum Franziskaner führt, nimmt die Gästeführerin die Gelegenheit wahr, hie und da diverses Gemäuer mit ihrem Staubwedel zu putzen. Dabei erklärt sie, dass sie bereits Gruppen mit bis zu 78 Personen durch die Geschichte der Stadt geleitet habe. „Do war dann D’Schdadt blitzsauber“, versichert sie. Wegen Corona-Auflagen dürfen aktuell die Gruppen die Zahl 25 nicht überschreiten. „Aber dann hert mr mi au besser“, beschreibt sie zufrieden.

Lieblingsthema Kehrwoche

Sie macht deutlich, dass die Stadt zu Zeiten der Staufer viel kleiner war. „Dengad sie sich D’Hälfde weg“, ermuntert sie. Und zu ihrem Lieblingsthema, der Kehrwoche, klärt sie auf, dass es diese seit 1492 in Baden Württemberg gebe. Graf Eberhard im Bart war es gewesen, der diese anordnete. Sprich, den Schwaben war dann die Kehrwoche wichtiger als die Entdeckung Amerikas. Nachdem Eberhards Vater an der Pest gestorben war, habe sich der Graf der Sauberkeit verschrieben. „Dann hot jeder sein Scheiß aus dr Stadt rausbringa miasa. Im wahrschda Sinn des Wortes.“ 1988 sei die offizielle Kehrwoche allerdings abgeschafft worden. Was einer echten Schwäbin egal sei. Immer Samstag stehe diese an. Wichtig dabei sei, morgens um sieben Uhr einen Eimer lautstark auf den Boden knallen zu lassen. Damit alle wissen, dass man mit der Kehrwoche beginnt. „Wenn se des gmacht henn, kennad se no gmieadlich en Kaffee dringa“, empfahl Schwetzle.

Neben diesen Aufklärungen gab sie scheinbar nebenher viel Information über Gmünd im Mittelalter. Erzählte am Franziskaner von den insgesamt sechs Klöstern in der Stadt. „Dui send ausm Boda gschossa und erschd zur Säkularisation aufglösd worde.“ Dabei bedauerte sie, dass keines der Klöster nachhaltig Bier braute. Daher habe man es nicht zur gleichen Berühmtheit gebracht wie etwa das Kloster Andechs. „Cella die“, also das heutige Gotteszell, war einst eine Schule für höhere Töchter. „Ond isch es im weitesten Sinn au heid no“, witzelte Ernestine Schwätzle, dass auch berühmte Frauen in der heutigen Justizvollzugsanstalt einsitzen.

Eineinhalb Stunden Geschichte

Informationen zur Schmalzgrube, heute Städtische Musikschule, gab es zwischen zwei Putzakten. Schmalz habe man zum Licht machen gebraucht. Staufische Grundmauern zeugten hier von der Historie, ebenso in der Grät. Erläuterungen folgten ebenso in der Johanniskirche mit der Ringsage, oder in der „Grät“, am Staufer-Panorama von Hans Kloss. Eineinhalb Stunden Geschichte vergingen im Flug, und mit viel „gnitzem“ Humor.

Dann hot jeder sein Scheiß aus dr Stadt rausbringa miasa.“

Ernestine Schwätzle,, Stadtführerin
  • Im Oktober gibt's die nächste Stadtführung
  • Die nächste „Stadtführung auf Schwäbisch“ mit Ernestine Schwätzle alias Angela Rosskopf bietet die Touristik und Marketing GmbH am Samstag, 30. Oktober, um 14 Uhr an. Die Führung kostet 5 Euro pro Person, Schüler und Studenten zahlen 3 Euro. Die Kosten sind kurz vor Führungsbeginn im i-Punkt zu begleichen, dort ist auch der Treffpunkt für die Führung. Während der Stadtführung gelten für alle Teilnehmer die aktuellen Corona-Bestimmungen.

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