Mit der Lizenz zum Schrauben

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Tempo 50 auf dem Meilentacho ist erträglich.

Der Bond Bug von Harald Fiedler hat mit dem Filmhelden nur wenig zu tun. Restaurieren und Fahren sind aber eine Herausforderung.

Schwäbisch Gmünd

Es ist ein Bond. Ein Bond Bug 700 ES. Die vier Buchstaben sind neben dem Herkunftsland die einzigen Gemeinsamkeiten des dreirädrigen Autos mit dem Filmhelden. Und gleich vorweg: Ein bisschen Held muss man auch am Steuer des in den 1970er-Jahren futuristisch gestylten Autos sein. Aber zu den Fahreigenschaften kommen wir gleich. James Bond hat jedenfalls in seinen Filmen auf dieses Auto verzichtet. Als der Bund Bug 700 von Harald Fiedler 1973 in Tamworth gebaut wird, ist Roger Moor in "Leben und Sterben lassen" unter anderem im Mini Moke unterwegs.

Klar ist: An einen Bond Bug muss man sich herantasten, dafür fehlt in diesen Filmen die Zeit. Allzu forsche Fahrweise quittiert der Bond Bug je nach Kurve mit dem Verlust des Bodenkontakts an linken oder rechten Hinterrad. Dann ist Fahrkönnen gefragt und das hat Harald Fiedler im Blut. "Man hat hier Go-Kart-Gefühl", sagt er und packt fest am kleinen Lenkrad zu. Das kommt auch auf, weil der Motor trotz der für heutige Erwartungen mageren 39 PS mit dem nur 400 Kilogramm schweren Auto leichtes Spiel hat. Er sprintet im Stadtverkehr wie ein Großer, vorausgesetzt dem Fahrer oder der Fahrerin – Harald Fiedlers Partnerin Carmen Seitzer steht dem Bond Bug allein wegen des Designs noch verhalten gegenüber – gelingt es, die Gänge problemlos zu sortieren. Da haben die Ingenieure von Bond hohe Hürden gesetzt. Einmal auf Reisegeschwindigkeit – alles über 50 Meilen (ca. 80 Studenkilometer) ist vor allem für Beifahrer schwer vorstellbar – kann man durch die großen Scheiben die Landschaft bewundern, Leuten am Straßenrand zuwinken und bei manchen auch den erstaunten Gesichtsausdruck erkennen.

Nicht für Deutschland

Der Bond Bug kann trotz des modernen Designs nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um eine in Deutschland in den 1970er-Jahren schon ausgestorbene Autoklasse gehört. Kleinstwagen wie Goggomobil, Messerschmitt, Isetta oder Fuldamobil waren in den Nachkriegsjahren akzeptiert, wurden in den 1970ern belächelt. Da standen Kadett, Käfer oder mindestens Renault 4 vor dem Haus. Ein Dreirad mit seitlichen Steckscheiben, die bei Regen das meiste Wasser draußen lassen, ist hier nicht mehr verkäuflich. Bond bietet das Auto in Deutschland erst gar nicht an. Aber so ein Bond hat auch Qualitäten. Seine Kunststoff-Karosserie nimmt es nicht übel, wenn Wasser eindringt. Rosten kann da nichts. Die Technik ist überschaubar und für Kenner auch selbst zu reparieren.

Reparieren wollte Harald Fiedler eigentlich nicht. "Das Fahrzeug stand in London, ein Bekannter vor Ort bescheinigte, dass der Bond noch läuft und der Kauf war besiegelt." Was Wochen später vor der Garage Harald Fiedlers abgeladen wurde, hat mit dessen Vorstellungen aber wenig zu tun. "Wenn ich sage, welche Teile dabei waren, bin ich schneller fertig als wenn ich die fehlenden Teile aufzähle", sagt er. Vor ihm stehen mehrere hundert Arbeitsstunden und ein erheblicher finanzieller Aufwand. Und am Ende gibt es sogar den TÜV-Stempel und ein richtiges Kennzeichen. Davor heißt es: Teile suchen und was fehlt, selbst herstellen. Er findet ein neues Schloss für den Einstieg, muss aber das Gegenstück selbst fräsen. Das Gaspedal fehlt ebenso wie ein Wischermotor.

Man hat hier Go-Kart- Gefühl.

Harald Fiedler

Eine Hand voll

Der Kabelbaum ist marode und wird in Eigenarbeit hergestellt und eingebaut. Das Getriebe muss überholt werden, der Vergaser hat keinen Ansaugfilter. Dass neue Sitze nötig sind, eine Warnblinkanlage und ein ordentliches Lenkrad fällt da kaum noch auf. Dann ist es Zeit für eine Probefahrt und danach weiß Harald Fiedler, dass dieses Auto auch deutlich über 100 fahren kann. Ohrstöpsel sind dann nicht zu verachten. Denn der Motor arbeitet unter einem dünnen Blechdeckel direkt zwischen den Füßen von Fahrer und Beifahrer. Und er ersetzt fast die Heizung, die Harald Fiedler auch erneuert, die aber nur dezent arbeitet. Aber ein Winterauto soll daraus nicht werden. Schließlich wollen Carmen Seitzer und Harald Fiedler den Bond Bug erhalten. Schließlich ist die Zahl noch vorhandener Autos überschaubar.

In Deutschland dürften von den 2234 gebauten Bond Bug kaum mehr als eine Handvoll unterwegs sein. Weltweit einige Hundert. Und vielleicht steht in Schwäbisch Gmünd das schönste Exemplar. Harald Fiedler ist Perfektionist, streichelt über die glatten Flächen des immer noch glänzenden Lacks und denkt schon darüber nach, den originalen Orangeton neu auftragen zu lassen.

Die futuristische Form stammt aus den 1970er-Jahren. In Deutschland kommt das Auto aber nicht an.
Verschleißteile wurden komplett ersetzt.
Mit viel Geduld hat Harald Fiedler diesen raren Bond Bug wieder auf die Straße gebracht. Jetzt genießt er (eher kurze) Ausfahrten.
Zum Einstieg klappt man das Mittelteil nach oben. Dann kann der Spaß losgehen.

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