Mit der Päpstin ins zweite Jahrhundert

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Misha Kovar in der Rolle der "Päpstin".

Professioneller Auftritt des Kolping-Musiktheaters im Jubiläumsjahr. Aufführungen seit 100 Jahren. Premiere im Congress Centrum Stadtgarten.

Schwäbisch Gmünd

Begeistert von der schauspielerischen Leistung, betroffen von den Inhalten, berührt von der Musik: so erleben Besucher das Musical "Die Päpstin". Die Premiere am Freitagabend wird wieder zum gesellschaftlichen Ereignis in Schwäbisch Gmünd. In diesem Jahr ganz besonders: Vor genau 100 Jahren beginnt die Kolping-Musiktheater-Tradition mit dem Stück "Preciosa".

Dennoch wird die Premiere im Congress Centrum Stadtgarten nicht zum Erinnerungsabend. Mitwirkende wie Publikum sind ganz auf "Die Päpstin" fixiert. Auf die Geschichte der Johanna, die schon als Kind vom Machtspiel zwischen Kaiser und Kirche leidliche Erfahrungen davonträgt. Die Anfeindungen einer außerordentlich frauenfeindlichen Gesellschaft ausgesetzt ist und die nur überleben kann, weil sie sich als Mann verkleidet und zu Johannes Anglicus wird.

Die Inszenierung. Regisseur Michael Schaumann steht erstmals in seiner 15-jährigen Kolping-Karriere nicht selbst auf der Bühne. Richtet sein ganzes Augenmerk auf das Zusammenspiel einer Schauspieltruppe aus eigenen Reihen und von Bühnen in ganz Deutschland. Was ihm in all den Jahren noch nie passiert ist: Kurz vor der Premiere erkrankt die Hauptdarstellerin. "Päpstin" Tina Haas kann nicht auf die Bühne. Glück im Unglück: mit Misha Kovar kommt keine Zweitbesetzung ins Spiel. Sie ist schauspielerisch und gesanglich aus der ersten Reihe. Ist sogar erfahrene Johanna-Darstellerin, die Hauptrolle spielt sie schon bei der Inszenierung auf der Musicalbühne in Füssen. Auf der Bühne in Schwäbisch Gmünd übernimmt sie fast fließend die Rolle der erwachsenen Johanna. Lara-Maria Gehrung spielt die junge Johanna. Ihre Musicalerfahrung trägt dazu bei, dass die Szenen im Elternhaus und in der Domschule so authentisch wirken. Besucher schätzen Dennis Henschel in der Rolle des Gerold, der einzigen (heimlichen) Liebe Johannas. Auch er bringt Erfahrung in genau dieser Funktion mit. Und wenn Misha Kovar und Dennis Henschel im Duett singen, klingt das so leidenschaftlich wie es die Szene vorgibt. Die Balladen erhalten den Spannungsbogen und lassen auch mehr als zweieinhalb Stunden kurzweilig erscheinen.

Man müsste sie alle nennen, die das Stück zu einem Guss machen. Anastasius, der Entdecker der blitzgescheiten Johanna, wird von Marc Trojan gespielt. Simon Ihlenfeld geht in seiner Rolle als Rabanus auf und Aescolapius spielt kein geringerer als Kevin Tarte, der schon vom "Tanz der Vampire" bekannt ist. Michael Schaumann gelingt eine Inszenierung, in der die Dramatik bis zum Schluss anhält, am Ende die Zuschauer voll in den Bann zieht. Johanna, die nach Rom kommt, Leibarzt des Papstes wird und den Thron bald selbst besteigt, muss das große Geheimnis wahren.

Die Musik. Markus Wamsler leistet mit seinem 20-köpfigen Ensemble im Orchestergraben Schwerstarbeit. Mal ist es Hintergrundmusik, mal unterstreichen die Klänge Stimmung und Dramatik auf der Bühne. Die Aufführungen in Schwäbisch Gmünd unterscheiden sich musikalisch von allen anderen "Päpstin"-Inszenierungen durch die Orchesterbegleitung. "Man kann viel besser auf Situationen reagieren", sagt Markus Wamsler nach der Aufführung. Mal das Tempo reduzieren, mal Lautstärke und Tempo steigern und vor allem dem Redefluss anpassen, das geht nur mit Musikern im Orchestergraben. Dort agiert auch ein Teil des Kolpingchors und unterstützt den Gesang auf der Bühne.

Die Choreografie. Wann immer die schützende Raben zur Symbolik des Stückes beitragen, ist besondere Aufmerksamkeit angesagt. Dann wird es mal wieder dramatisch.

Andreeva Ekaterina von der Karren-Foster-Academy ist für alle Tanzeinlagen verantwortlich, schafft die Harmonie zwischen eigenen Mitwirkenden und dem Ensemble des Kolpingchors.

Das Bühnenbild. Rainer Schmid beweist seit Jahren eine glückliche Hand, die wesentlichen Handlungsorte in einem einzigen "Grundgerüst" zu verankern. Unzählige Handlungsorte warten im Bühnenturm auf ihren Einsatz. Andeutungen des Lateranpalasts bilden den Kern. Für Johannas Geburtshaus genügt eine einzige davor platzierte Wand. Rainer Schmid greift wesentliche Elemente der Architektur Ende des ersten Jahrtausends auf, die karolingische Zeit spiegelt sich darin. Von vornherein plant er die Lichttechnik mit ein, die Drama, Leidenschaft und Macht optisch verstärkt.

Das Kostümbild. Gundi Mertens und die Gewandmeisterei der Staufersaga nutzen ihren Fundus und schaffen Neues für "Die Päpstin". Die Spanne reicht vom tristen Textil der kleinen Johanna bis zu den opulenten Gewändern in Rom. Und selbst die Garderobe für die "neue" erwachsene Johanna ist in Stunden angepasst.

Die Organisation. Im Jubiläumsjahr ist die Nachfrage nach Karten fürs Musical noch einmal gestiegen. Hanne Baranowski gelingt es, eine Zusatzvorstellung einzubauen. Damit ist "Die Päpstin" acht Mal auf der Bühne im Stadtgarten.

Karten gibt es nur für die weitere Vorstellung am Sonntag, 23. Februar, um 13 Uhr. Und wenige Restkarten fürs kommende Wochenende.

Lara-Maria Gehrung (li) und Michaela Schober.
Mehr als 100 Darsteller sind für "Die Päpstin" auf der Bühne. Am Premierenabend gibt es lang anhaltenden Beifall.

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