Mit der Volkshochschule immer am Puls der Zeit

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Die Volkshochschule begleitet Menschen dabei, eigene Fähigkeiten und Potenziale zu entfalten, von dieser Überzeugung spricht VHS-Leiterin Ingrid Hofmann beim Festakt zum 75-jährigen Bestehen der Gmünder Bildungseinrichtung.
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Dass die Bildungseinrichtung mehr als Sprach- und Kreativkurse bietet und warum sie wichtig für die Demokratie ist, zeigt ein Festakt im Prediger.

Schwäbisch Gmünd

Lebenslanges Lernen ist mehr denn je angesagt. Wichtige Orte dafür sind die Volkshochschulen. Am Freitag feierte die Gmünder VHS ihr 75-jähriges Bestehen mit einem Festakt im Prediger und mit Grußworten, die verdeutlichten, welch großen Bildungsauftrag die Einrichtung hat.

Nach einem Begrüßungsmarathon, der zeigte, welchen Rückhalt die Bildungseinrichtung in der Bürgerschaft hat und wie gut vernetzt und verankert die VHS im Gmünder Raum ist, brachte VHS-Leiterin Ingrid Hofmann ihre Aufgabe auf den Punkt: „Sie begleitet Menschen dabei, eigene Fähigkeiten und Potenziale zu entfalten.“ Bei der Gründungsfeier 1946 habe der damalige Oberbürgermeister Franz Czisch von einer Zeitenwende gesprochen, vor der stehe man heute wieder. Hofmann ist überzeugt, dass nur der Mensch sich weiterentwickelt, der sich über die geistige Situation der Welt Gedanken macht.

Daran knüpfte Oberbürgermeister Richard Arnold an, der die VHS einen „elementaren Pfeiler der Bildungsgesellschaft“ nannte. Auch er erinnerte an die Zeit der Gründung: 1946 wurde die VHS von Irma Schmücker ins Leben gerufen, um Licht ins dunkelste Kapitel der Geschichte zu bringen. Zu diesen Anfangsjahren wurde ein prominenter Zeitgenosse per Video zugeschaltet, der das Bildungsangebot Ende der 1940er-Jahre wie ein Schwamm aufgesaugt hat, Theo Sommer, viele Jahre Chefredakteur und dann Herausgeber der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Der Journalist erzählte, wie Schmücker ihm als Oberprimaner, das Nachdenken beigebracht habe und ihn beharrlich ermuntert habe, seinen Horizont zu erweitern. Konsequent habe sie begonnen, die NS-Zeit aufzuarbeiten. Sommers journalistische Karriere begann mit Berichten über VHS-Veranstaltungen.

Schmückers Geist lebe heute weiter, spannte OB Arnold den Bogen zur heutigen VHS, die immer am Puls der Zeit sei, sich stets neu erfinde und den Finger in die Wunde lege. „Die VHS ist angekommen“: Ein Befreiungsschlag sei es gewesen, als sie 2006 in ihr neues Domizil am Münsterplatz 15 ziehen konnte, wo es in zentraler Lage Räume für Begegnung, ein Foyer und ein Café gebe. Mit ihrem großen Angebot, 2000 Kurse und Vorträge etwa im Jubiläumsjahr, gehöre sie heute zu den 15 größten in Baden-Württemberg.

Der OB ging auch auf die 27 Standorte im Gmünder Raum ein, geleitet von 30 ehrenamtlichen Leiterinnen und Leitern, und auf die 300 Dozenten aus der ganzen Welt. Als Partnerin der Stadt sei sie unverzichtbar, auch weil sie Themen wie Inklusion, Gleichstellung und Integration aufgreife. „Ohne die Unterstützung durch die VHS wäre der Gmünder Weg nicht möglich gewesen.“ Die Bildung zur Demokratie sieht Arnold nach wie vor als zentrale Aufgabe. Dem pflichtete Landrat Dr. Joachim Bläse bei, der die kritische Auseinandersetzung mit Ideologien als wichtige Aufgabe der VHS sieht. Seit Jahren breite sich Nationalismus, Populismus und Extremismus aus; Corona habe dies verstärkt. Umso wichtiger sei es, mündige Bürger zu erziehen. „Probleme lösen wir nur mit Bildung und Bildungsangeboten.“

Nach den Grußworten begleitete die Band „Die Träumer“ von Uli Krug die Schülerschar eines Integrationskurses zum Lied „All die Farben“, die zur VHS passend sangen: „Die Kulturen der Welt sind mit uns verbunden.“

In einer Gesprächsrunde mit den früheren VHS-Leitern Dr. Reinhard Nowak und Dr. Stefan Opitz sowie weiteren Zeitzeugen rief Opitz, Erfinder der langen Kulturnacht, die beengten Verhältnisse – auch für Museum und Stadtbibliothek – im Prediger in Erinnerung: „Alle hatten keinen Platz.“ Nowak, der die VHS 23 Jahre lang leitete, wies darauf hin, dass Mitarbeiter wie Helmut Schwimmbeck und Martin Jaquet viel länger die VHS geprägt haben.

Probleme lösen wir nur mit Bildung und Bildungsangeboten.“

Dr. Joachim Bläse,, Landrat

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