Mit Drohung intimes Foto verlangt

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Fragwürdiger Internet-Chat bringt 19-Jährigen mit dem Gesetz in Konflikt. Gemeinnützige Arbeit auferlegt.

Schwäbisch Gmünd. Eine junge Frau unter Druck setzen, damit sie intime Bilder von sich schickt? "Schäbig" nennt das Clemens Wunderlich. Und "außerdem eine Straftat", schiebt er nach. Wunderlich ist Richter am Gmünder Amtsgericht und der 19-jährige, zu dem er es am Dienstag sagte, saß als Angeklagter vor ihm.

Der junge Mann hatte ohne Abstriche eingeräumt, was ihm Staatsanwalt Dr. Klaus Schwichtenberg in der Anklage vorgeworfen hatte: Dass er auf dem Messenger-Dienst Snapchat Kontakt zu einem 15-jährigen Mädchen aus dem Ellwanger Raum aufgenommen habe. Er schickte Fotos von sich, bekam Fotos der jungen Frau – in Unterwäsche – und wollte mehr: Sie solle ihm ein Foto ihres bloßen Hinterteils schicken. Als sie dies ablehnte, drohte er, die bisher von ihr schon erhaltenen Fotos ins Internet zu stellen. Die junge Frau offenbarte sich ihrer Mutter und die erstattete Anzeige bei der Polizei. Die Beamten tauchten mit einem Durchsuchungsbeschluss bei dem jungen Mann auf und beschlagnahmten die zwei Handys, die er in Benutzung hatte. Und nun musste er sich vor dem Amtsgericht verantworten wegen "Verbreitung pornografischer Schriften und versuchter Nötigung". Den Vorwurf, pornografische Schriften verbreitet zu haben, begründet die Anklage damit, dass er dem Mächen ein Bild seines Penis geschickt hatte. Ein "Unding", mit dem der Absender versuche, Macht über die Empfängerin auszuüben, kritisierte Richter Wunderlich. Und er informierte den Angeklagten, dass es für ihn noch schlimmer hätte kommen können: Hätte er das Penis-Bild an ein Mädchen unter 14 Jahren geschickt, wäre dies strafrechtlich sexueller Missbrauch von Kindern gewesen – und wer könne heute schon sicher sagen, wie alt der Chat-Partner im Internet wirklich ist?

"Aus Angst, allein zu bleiben"

Warum der 19-Jährige das getan hat? "Aus Angst, allein zu bleiben", nannte er als Grund. Er habe zu der Zeit Kontakt zu mehreren Mädchen gehabt. Es sei ihm auch nicht vordringlich um eine Beziehung gegangen, sondern um die Chats und den Austausch der Bilder. Die Drohung, bei Ungehorsam die Wäsche-Bilder jungen Frau ins Netz zu stellen, hätte er nie wahr gemacht, versicherte er. Inzwischen sei ihm klar, dass sein Handeln strafbar war. Er habe gemerkt, "dass mir das Schwierigkeiten bringen kann".

Eigentlich wollte die Justiz den Fall ohne viel Aufhebens abwickeln: Der junge Mann war aufgefordert worden, 20 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. Doch bereits nach den ersten zweieinhalb Stunden verließ er die Arbeitsstelle und kehrte nicht wieder zurück. Deshalb war es am Dienstag zu der öffentlichen Verhandlung im Amtsgericht gekommen. Die Arbeit habe ihm Schmerzen im Arm bereitet, gab er auf Nachfrage des Richters als Begründung an. Doch der antwortete: "Zweieinhalb Stunden Putzen sollte eigentlich jeder schaffen."

Jugendgerichtshelfer Alexander Heyder berichtete von den Problemen des Angeklagten unter anderem in der Schule und schlug vor, ihn nach Jugendrecht zu behandeln. Richter Wunderlich folgte diesem Vorschlag und auch dem Plädoyer von Staatsanwalt Schwichtenberg und verurteilte den jungen Mann zu 30 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Außerdem werden die beiden Handys, über die er Kontakt zu seinem Opfer aufgenommen hat, eingezogen.

Zudem kann der Verurteilte, der nach eigenen Worten nicht gerne unter Menschen geht, auch einen Rat des Staatsanwalts aus der Verhandlung mitnehmen: Reale Treffen mit Mädchen seien doch "viel schöner und besser als übers Internet".

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