Mit einem Erdwall die Folgen des Starkregens bremsen

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Die Stadt Gmünd beschäftigt sich mit den Gefahren des Starkregens und des Hochwassers. Ein Gefahrenpunkt vergangener Jahre sind das Taubental und die dazugehörige Unterführung. Für diese sucht die Stadt eine Lösung.
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Gmünds Baubürgermeisteramt stellt Maßnahmen zum Schutz vor Hochwasser vor. Starkregengefahrenkarte und Kameras sind weitere Hilfen.

Schwäbisch Gmünd

Der Baubürgermeister hat gelernt: War Julius Mihms Ansatz vor wenigen Tagen noch, man müsse die Menschen schützen, den Rest kriege man in zwei Tagen wieder in Griff, so bewertet er, was er in Gmünd in den vergangenen zwei Wochen erlebt hat, inzwischen neu. Denn Ereignisse wie der jüngst häufig auftretende Starkregen hingen „wie ein Damoklesschwert über uns“: Man wisse, dass sie kommen, man wisse nicht, wann sie kommen. Dem will der Baubürgermeister im aktuell am häufigsten betroffenen Taubental mit einem zwei bis drei Meter hohen Erdwall am Beginn des Taubentals etwa auf Höhe des dortigen Parkplatzes begegnen. Gemeinsam mit Jürgen Musch, dem Chef des Tiefbauamtes, erläuterte Mihm diesen. Der Erdwall soll das Zwei- bis Dreifache der Wassermenge, die in der Taubentalunterführung stand, zurückhalten und so den Anwohnern Reaktionszeit geben, zwischen 30 und 60 Minuten, um ihre Häuser zum Beispiel mit Sandsäcken vor Wasser zu schützen. Vom Erdwall aus soll das Wasser so ins Taubental abgelassen werden, dass dieses nicht geflutet wird.

Die Intervalle, in denen der Starkregen auftaucht, würden immer kürzer, sagt Musch. Dazu komme, dass sich das Unwetter nicht, wie vor Jahren noch, bewegt, sondern sich an einer Stelle entlädt. Trifft es das Taubental, so hat dieses ein Einzugsgebiet von etwa 1,5 Quadratkilometern. Aus diesem Bereich fließt Wasser ins Tal. Damit widerspricht die Bauverwaltung der unter Bürgern geäußerten Meinung, Rückhalteeinrichtungen von Wetzgau-West oder vom Schönblick seien zu klein. Von dort, sagt Musch, kämen maximal 15 Prozent. Was erschwerend dazu kommt: Der Kanal im Taubental würde die Wassermengen bewältigen, wird aber durch Schlamm aus dem Wald verstopft. All dem soll der Erdwall entgegen wirken. Das aber wird noch eine Weile dauern. Zunächst müssten wasserrechtliche Fragen geklärt werden, sagt Mihm. Dies brauche ein Jahr. Dann müsse der Erdwall auf einer Waldlichtung stehen. Dazu müssten Bäume gefällt werden. Dies werde zu Diskussionen führen, sagt der Bürgermeister. Entschieden werde dies im Gemeinderat. Mihm rechnet mit Kosten von 300 000 bis 500 000 Euro.

Die Verwaltung hat zudem nochmal vorgestellt, was seit dem Hochwasser 2016 mit zwei Todesopfern geschehen ist. Mit dem Forschungsprojekt Resi Extrem - Resilienzbildung nach Extremereignissen - ist eine Starkregengefahrenkarte erarbeitet worden, sagt der Leiter des Projektes, Joachim von Streit. Auf dieser könnten sich Bürger über Überflutungshöhen und Fließwegen im Stadtgebiet informieren. Zudem sind an kritischen Stellen wie Unterführungen Kameras angebracht worden, die bei starkem Regen von Mitarbeitern des Baubetriebsamtes überwacht werden. Dies greift zum Beispiel an Tagen wie dem 23. Juni. Dieser sei „deutlich jenseits des 100-jährigen Hochwassers“ gewesen, sagt von Streit und verweist auf stellenweise 100 Liter pro Quadratmeter zwischen 20 und 21 Uhr. Dabei seien schon 48 Liter pro Quadratmeter ein 100-jähriges Hochwasser. Was von Streit zudem betont: Die Bürger müssten ein Bewusstsein für die Gefahren des Starkregens entwickeln. Das heißt: nicht in Unterführungen fahren. Und nicht Blumen retten wollen, wenn Bäume angeschwommen kommen.

Starkregengefahrenkarte und Resi Extrem

Die Starkregengefahrenkarte ist das zentrale Informationsinstrument auch für Bürger und Gewerbetreibende. Sie zeigt ihnen Überflutungshöhen und Fließwege im gesamten Stadtgebiet. Seit Montag ist sie über die Website www.schwaebisch-gmuend.de im Geodatenportal mit Interpretationshilfe abrufbar.

Im August startet Resi Extrem II. Mit dem zweiten Teil des Forschungsprojektes soll das Wissen über Starkregen stärker in die Stadtentwicklung integriert werden. „Nur so stehen wir zukünftige Extremwetter durch“, sagt Joachim von Streit.

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