Mit Fragen an das Leben die Angst vor dem Tod nehmen

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Mit Fotos und Fragen werden Besucher der Ausstellung im Kloster-Hospiz dazu gebracht, sich mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen. ⋌⋌Foto: Tom
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Im Kloster-Hospiz Schwäbisch Gmünd rückt die Schau „Dialog mit dem Ende“ den Tod in den Mittelpunkt. Gut 70 Besucher bei Eröffnung.

Schwäbisch Gmünd

Eine Nachbarin rief ihn eines Tages aufgeregt an, erzählte Steffen Baraniak: „Mein Mann stirbt, kommen Sie bitte schnell, bat sie.“ Und tatsächlich starb der Mann kurz darauf in Baraniaks Armen. Ein Erlebnis, das ihm gezeigt habe, dass der Tod zum Leben dazugehört, sagte der Fotograf und betonte: „Ich denke, das gelingt auch dieser Ausstellung.“ Gut 70 Besucher waren am Sonntag bei der Eröffnung der Schau „Dialog mit dem Ende“ im Kloster-Hospiz dabei.

Der Tod von Baraniaks Nachbarn ist zwei Jahre her. Da steckte der Fotograf bereits mitten in den Arbeiten an der Ausstellung, die er mit Dokumentarfilmerin Sylvie Hohlbaum auf die Beine stellte. Sie sprachen mit Menschen aller Altersstufen in deren letzten Lebensphase. Heraus kamen eindringliche Porträts und ein Film voller Interviews, die faszinieren.

Unterstützung kam unter anderem von der Körber-Stiftung und der Beisheim-Stiftung. Deren Projektleiterin Louisa Riedel betonte: „Das Thema trifft einen Nerv.“ Eine Pilotschau in Hamburg sei 2019 sehr gut besucht gewesen. „Die Menschen möchten Gelegenheit haben, über Sterben, Tod und Endlichkeit zu reden.“

Deswegen wolle sie sich vor allem bei den Gmünder Ehrenamtlichen bedanken. Diese Menschen werden in der Ausstellung für die Besucher da sein. „Und fürs Gespräch bereitstehen, wenn man mag.“ Immerhin stehe das Wort Dialog im Titel. Und immer noch sei das Sprechen über Sterben und Tod ein Tabu. „Unsere Gesellschaft ist ausgerichtet auf Selbstoptimierung und Gesundheit.“ Die Ausstellung wolle den Menschen die Angst vor dem Thema nehmen, auf leichte, bunte, freundliche Art und Weise. „Denn es geht uns letztendlich um das Leben.“

Das betonte auch Fotograf Baraniak und verwies auf die Fragen, die auf großen Bannern stehen. „Haben Sie Angst vor dem Tod?“, „Wofür sind Sie dankbar?“ oder „Wofür möchten Sie erinnert werden“ ist da zu lesen. „Das sind Fragen an das Leben“, sagte Baraniak. Der Mensch neige leider zu Verschwendung seiner Lebenszeit, wenn er sich im Überfluss glaubt.

Der Besuch der Ausstellung sorge vielleicht dafür, dass man mit dem Willen zu mehr Verantwortung weitermacht, sagte Oberbürgermeister Richard Arnold. „Und gestärkt mit Mut für die Auseinandersetzung mit dem Tod.“ Er dankte den Ausstellenden, aber auch dem Kloster-Hospiz: „Wir sind sehr froh über diesen Ort des Lichts in der Mitte Gmünds.“

Hospizleiterin Magdalene Goldbach hatte zuvor auf das Jahr zurückgeschaut, das seit Eröffnung des Hauses vergangen ist. „Wir durften 89 Menschen bis zum Tod begleiten“, sagte sie und erzählte von einzigartigen Begegnungen. „Dieser Ort ist so wichtig für die Sterbenden, deren Zugehörige, Gmünd und die Raumschaft.“ Der Ausstellung gelinge es, mit Feinfühligkeit verschiedene Perspektiven aufzuzeigen und zum Nachdenken und Sprechen anzuregen.

Genau das taten die Besucher dann; sie ließen sich ins Thema hineinziehen und sprachen miteinander. Im Film hört man den 15-jährigen Matteo, der darüber nachdenkt, dass er nicht unendlich leben möchte, selbst wenn er könne. Eine 52-Jährige bedauert, sich selbst nicht mehr Pausen im Leben gegönnt zu haben. Eine Mutter wünscht sich mehr Zeit mit ihrer Tochter, ein anderer hofft auf Versöhnung, eine Frau auf mehr als einen weiteren Sommer. Aber auch viel Zufriedenheit, Lachen und Hoffnung sind zu spüren.

Nach einer Weile hängen an einer Mitmach-Wand die ersten Antworten. Glück sei das tolle Leben, das man führe. Jemand anderes ist dankbar für „meinen großartigen Bruder“. Und auf die Frage nach Angst vor dem Tod schreibt jemand: „Nein, aber Respekt vor dem Ungewissen.“

Die Ausstellung ist bis zum 28. September im Kloster-Hospiz, Am Kloster 1, in Gmünd zu sehen: montags bis freitags von 17 bis 20 Uhr, sonntags von 10 bis 13 Uhr. Mehr unter www.dialog-mit-dem-ende.de.

Ausstellung Dialog mit dem Ende
Ausstellung Dialog mit dem Ende
Ausstellung Dialog mit dem Ende
Ausstellung Dialog mit dem Ende
Ausstellung Dialog mit dem Ende
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Ausstellung Dialog mit dem Ende
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