Mit Herz und Mund singen

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Grandiose Chormusik vom Jubiläumsensemble hörten die Besucher am Palmsonntag in der Augustinuskirche.
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Seit zehn Jahren bereichert die Seniorenkantorei Gottesdienste nicht nur in evangelischen Kirchen. Gelungener Jubiläumsauftritt am Palmsonntag in Augustinus. Was die Choristen verbindet.

Schwäbisch Gmünd

Wenn Heide Reusch eine Sache in die Hand nimmt, dann richtig. Als sie vor zehn Jahren die Seniorenkantorei gründete, scharte sie im Nu 35 sangesfreudige und musikalisch versierte Senioren um sich, evangelische und katholische, darunter einige Pfarrer und ein Dekan im Ruhestand. Zehn Jahre später ist von Ermüdungserscheinungen nichts zu spüren: Am Palmsonntag feierte der Chor mit immer noch gut 30 Sängerinnen und Sängern sein Jubiläum im Gottesdienst in der Augustinuskirche.

Nach zwei Jahren Pandemie, in denen kaum Chormusik dargeboten wurde, war es ein besonderer Genuss, zumal der Chor mit vielen exzellenten Stimmen auf hohem Niveau singt, wie gleich die Eingangskantate von Johann Sebastian Bach „Was mein Gott will, das g’scheh allzeit“ in kleinerer Besetzung verriet, begleitet von einem Septett mit Streichern und wunderbaren Oboen.

Programmatisch für die Arbeit von Heide Reusch sodann die Bach-Kantate „Herz und Mund und Tat und Leben“, denn Heide Reusch ist mit ganzer Seele Kirchenmusikerin. Mit 60 studierte sie Kirchenmusik, nachdem sie zuvor bereits viele Jahre allseits geschätzte Organistin und Chorleiterin war. Mit 70 gründete sie den Bezirksseniorenchor, dessen zehnjähriges Bestehen just wenige Tage nach ihrem 80. Geburtstag gefeiert wurde, wozu ihr Dekanin Ursula Richter mitsamt der Gesamtkirchengemeinde alles Gute wünschte.

Im Anschluss an den Gottesdienst, beim Kirchencafé im Innenhof, verriet Choristin Bärbel Gerber das Erfolgsrezept des Chores: „Uns verbindet ein sehr persönlicher Kontakt, deshalb singen wir so gut.“ Und schiebt die Frage nach: „Wann haben wir das nächste Mal Chor?“ Was die Probezeiten betrifft, haben sie Senioren natürlich mehr Freiheiten als andere, weil nicht mehr auf eine mögliche Erwerbsarbeit Rücksicht genommen werden muss: Geprobt wird vormittags in der Arche. Auch ist der Chor relativ ortsungebunden und umrahmt Gottesdienste in verschiedenen Kirchen, in guter Ökumene gerne auch mal in einer katholischen. Und zum kirchlichen Liedgut gesellt sich weltliche Literatur fürs Muttertagskonzert oder für Geburtstage.

Die Musik band Dekanin Richter fest in den Gottesdienst ein. Sie beschrieb die Welt als lärmend, Gewalt und Hetze dominierten das Geschehen. Der Palmsonntag hingegen schenke Ruhe und öffne das Herz, „auch durch Musik und Gesang“. Jesus kommt auf einem Esel, dem Lasttier des einfachen Mannes, in Jerusalem an und steht für eine Herrschaft von Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung. Dieses Bild übertrug die Theologin auf unsere heutige Zeit und fand klare Worte: Die Kirchen aller Konfessionen sollten solche Esel sein, auch Kyrill, der Moskauer Patriarch, der den Krieg Putins unterstützt.

Da wir auf Erden jedoch nicht im Paradies sind, müssen Entscheidungen getroffen werden. Wie Wirtschaftsminister Robert Habeck sprach Richter von einem Dilemma. „Soll man zusehen, wie ein Diktator ein Land überrennt, oder soll man Waffenliefern?“ Richter zitierte Gustav Heinemann, der von 1969 bis 1974 Bundespräsident war und Anfang der 1950er-Jahre den ersten offiziellen Evangelischen Kirchentag mit den Worten beschloss: „Lasst uns der Welt antworten, wenn sie uns furchtsam machen will: Eure Herren gehen, unser Herr aber kommt!“

Uns verbindet ein sehr persönlicher Kontakt.“

Bärbel Gerber,, verrät das Erfolgsrezept.

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