Mit Humor 102 Jahre alt geworden

+
102.Geburtstag Hedwig Wolff
  • schließen

Zu ihrem 102. Geburtstag überrascht die waschechte Gmünderin Hedwig Wolff alle Besucher mit ihrem Humor und ihrer Gedächtnisleistung.

Schwäbisch Gmünd

Hedwig Wolff aus der Eugen-Rommel-Straße in Schwäbisch Gmünd hat am Mittwoch ihren 102. Geburtstag gefeiert und dabei mit ihren Erinnerungen Gmünds Oberbürgermeister Richard Arnold das eine ums andere Mal überrascht.

Hedwig Wolff lebt in einer Einliegerwohnung im Haus ihres Sohnes Eberhard. Hier versorgt sie sich noch nahezu selbstständig, erzählt dieser. Zum Geburtstagskaffee mit Gmünds OB kam die humorvolle Jubilarin zwar auf einen Stock gestützt, denn „rennen geht nicht mehr“, lacht sie. In Anbetracht der wartenden Geburtstagsgäste galt ihre Sorge dann ihrem Äußeren. „Sitzen meine Haare?“ Und: „Bin ich ordentlich gekleidet?“ Fragen, die ein lachender OB guten Gewissens mit „Ja“ beantworten konnte.

Ein vielstimmiges Geburtstagsständchen ließ das Geburtstagskind noch mehr strahlen. Die Geschenke Arnolds nahm die Dame gerne entgegen. Wobei: In dem „Liebesbrief“ von Gmünds Stadtchef stehe doch mit Sicherheit dasselbe wie in den Jahren zuvor, meint Hedwig Wolff und grinst verschmitzt.

96 Jahre alt war Hedwig, als sie bei der Apfelernte im heimischen Garten stürzte und sich einen schlimmen Hüftbruch zuzog. „Alles ist gut verlaufen“, zeigt sich Sohn Eberhard erleichtert.

Hedwig Wolff wurde am 22. September 1919 als waschechte Gmünderin in der Gmünder Badmauer geboren. „Hausnummer 7“, ergänzt sie und erzählt von der damals schlimmen Zeit der Inflation. „Mein Vater hatte plötzlich all sein Geld verloren.“ Die Mutter, eine Schweizerin, besaß in ihrer Heimat etwas Geld und konnte für damals 250 Schweizer Franken das Haus in der Aalener-Straße kaufen. Auch hier überrascht die 102-Jährige einmal mehr: „Hausnummer 15/1“, weiß sie wie aus der Pistole geschossen. Wie tief Hedwig Wolff mit ihrer Heimatstadt verwurzelt ist, zeigen ihre Erinnerungen an alte Gmünder Herrlichkeiten, bei denen selbst Gmünds Oberbürgermeister das eine oder andere Mal passen muss. Die prächtige Backsteinvilla am Fünf-Knopf-Turm habe er selbst nicht mehr gesehen, aber die „Villa Kühn“ im Taubental kennt Arnold. Diese sei renoviert worden, erzählt er. Für Hedwig Wolff ein Grund, sich einmal dorthin fahren zu lassen, denn das Taubental war zu ihren Kindertagen bei schönem Wetter das erklärte Ausflugsziel ihrer Familie.

Gemeinsam einen Cognac

An ihre Jugend knüpft die Jubilarin viele Erinnerungen. Nach acht Jahren Schule begann die zierliche Hedwig eine Ausbildung zur Schneiderin. Während des Zweiten Weltkriegs war sie in einer Gmünder Uniformfabrik beschäftigt, bevor ihr eine Arbeitsstelle bei der Bahn angeboten wurde. Während ihrer montäglichen Bahnfahrten nach Stuttgart, wo sie zwischenzeitlich in einer Kanzlei arbeitete, traf Hedwig Wolff regelmäßig ihren alten Freund aus Kindertagen, Julius, wieder. Im Mai 1951 heirateten Hedwig und Julius und bezogen Hedwigs „Mädchenzimmer“ in Gmünd. 1963 bauten sich die beiden ihr Haus in der Erwin-Rommel-Straße. Rückblickend auf ihr langes Leben zeigt sich Hedwig Wolff dankbar. Mit Eberhard, Roland und Elisabeth habe sie „großartigen Kindern“ das Leben geschenkt. Zwischenzeitlich ist ihre Familie um sieben Enkel und acht Urenkel angewachsen, zwei weitere Urenkel stehen Anfang 2022 in Erwartung. Die von Arnold angekündigte Party zum 105. Geburtstag hat Hedwig Wolff vermerkt. „Dann trinken wir gemeinsam einen Cognac.“

„Rennen geht nicht mehr“.

Hedwig Wolff, 102 Jahre alt

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema