Mitgliederschwund und Streit um Verträge bei Fitnessstudios

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Fitnessstudios haben mit den Einschränkungen zu kämpfen.
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Verhärtete Fronten: Es bleibt schwierig für Fitnessstudios und deren Kunden. Wie weit ist es wieder mit der Normalität?

Schwäbisch Gmünd

Sie und ihre Kunden sind hart getroffen worden von der Corona-Pandemie: Fitnessstudios. Wie weit ist es wieder mit der Normalität? Was klappt, was macht Probleme? Und warum streiten manche Kunden und Studios wegen ihrer Verträge? Die GT hat sich umgehört.

„Wir sind noch weit weg von Normalität“, sagt Regine Wunder, Geschäftsführerin von relex in Gmünd. Die Arbeitsprozesse seien im Prinzip normal, aber sonst gibt es eben immer noch Einschränkungen: „Seit Montag haben wir wieder 3G, die Abstände muss man noch einhalten, auf den Laufwegen trägt man Masken.“ In einem Kurs, in dem sonst 30 bis 35 Leute sind, können nur knapp 20 dabei sein. „Die 1,50 Meter Abstand machen uns das Leben noch schwer“, sagt Wunder.

Das Schwierigste für Wunder und ihr Team ist etwas zugleich unvermeidliches: dass sich in einem Fitnessstudio die unterschiedlichen, manchmal gegensätzlichen Strömungen der Gesellschaft im Kleinen zeigen und auswirken. „Es gibt immer eine gewissen Mitgliedergruppe, die ist nicht glücklich mit der Situation.“ Als noch nicht so viele geimpft waren, sei ein Teil der Mitglieder verunsichert gewesen. Im Sommer, als 3G wegen der niedrigen Inzidenzen nicht mehr nötig war, haben sich manche gefreut, andere fanden es Anlass zur Sorge. Denn gebe es auch im Studio Menschen, die sich nicht impfen lassen. „Es gibt viele Diskussionen“, sagt Regine Wunder. Sie und ihre Mitarbeiterinnen tun ihr Bestes: “Wir sind immer lösungsorientiert, das klappt oft gut, oft auch nicht – weil die Fronten verhärtet sind.“ Bis es wieder so wird wie früher ist es noch ein Stück weg, eineinhalb Jahren Corona haben die Mitgliederzahl kleiner werden lassen. „Es sind rund 25 Prozent weniger, das tut schon weh“, sagt Wunder. Sie bleibt optimistisch auf die lange Sicht: Letztlich hat uns die Krise bewusst gemacht., was uns Menschen gut tut, und Bewegung gehört dazu.“

Auch Andreas Schamott, Sprecher von TopFit, das beim Gmünder Bahnhof eine Studio betreibt, erzählt von Problemen – vor allem mit den nun in Baden-Württemberg geltenden 3G-Erfordernissen. „Es ist nichts besser geworden! Der bürokratische Aufwand für die Kontrollen und die Tests sind aus betriebswirtschaftlicher Sicht ein Desaster.“ Es gebe Kunden, die, so lange getestet werden müsse, nicht mehr zum Trainieren kommen oder deswegen kündigen. Schamott argumentiert, dass „Gesundheitsanbieter mit der Stärkung des Immunsystems ein Teil der Lösung und nicht das Problem sind“. Er sieht es so: „Bei weiterer Schließung der Fitnessstudio sterben mehr Menschen an Folgen von so genannten Zivilisationskrankheiten, als dass sie sich im Fitnessstudio mit Corona infizieren und daraufhin sterben.“

Streit wegen der Verträge

Die Corona-Pandemie und die zeitweise Schließung der Studios hat noch andere Folge: Es gibt mehr Vertragsstreitigkeiten zwischen Kunden und Betreibern. „Das Thema war vor Corona selten bei uns, nun ist es sehr häufig“, erzählt Peter Widder von der Verbraucherzentrale in Stuttgart.

Eine Gmünderin, die seit 2014 bei TopFit trainierte, hat so etwas erlebt: Zum November 2020 hat sie ihren Vertrag bei TopFit gekündigt, fristgerecht aus ihrer Sicht, weil ihre 12 Monate Laufzeit stets im November verlängert worden war. Von ihrem Studio habe sie nichts gehört, es war Corona-Pause, die Beiträge waren ausgesetzt. Doch im Juni 2021 habe das Studio plötzlich wieder Beiträge von ihrem Konto abgebucht. Nicht in Ordnung, findet die Kundin. Absolut vertragsgerecht, argumentiert Andreas Schamott. Nach der kostenfreien Ruhezeit sei die Mitgliedschaft vertragsgemäß fortgesetzt worden – so,dass es am Ende 12 Monate gibt, in denen beide Seiten ihre Leistung erbringen: Das Studio ist nutzbar, der Kunde zahlt. Schamott: „Es wird nichts verkürzt und nichts verlängert. 12 Monate beitragspflichtige Trainingszeit bleiben auch 12 Monate beitragspflichtige Trainingszeit – eben nur mit einer durch Corona bedingten und unvorhersehbaren Unterbrechung.“ Das sei fair für beide Seiten, so gehe durch Corona keiner als Verlierer hervor. „Das Studio bekommt seine ihm zustehenden Beiträge, das Mitglied die ihm zustehende Trainingszeit.“

Die Frage, wer Recht hat, ist nicht abschließend geklärt. „Es gibt von Amtsgerichten Urteile, auf die sich die Studios beziehen, es gibt aber auch anderslautende Urteile von höheren Gerichten“, sagt Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale. Er selbst sieht klar die Kunden im Recht. Wer Probleme habe, können sich an die Verbraucherzentrale wenden.

Tipp: Die Verbraucherzentrale Stuttgart ist erreichbar unter Tel. 0711 669110. Infos gibt es auch unter www.verbraucherzentrale-bawue.de.

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