Mittelalter-Laufrad wieder für Besucher?

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Dr. Martin Pozsgai mit historischer Christusdarstellung.
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Nach Brandschutzarbeiten wird ein Teil der Sammlung im Museum neu aufbereitet. Wiedereröffnung der Abteilung am 10. Juli.

Schwäbisch Gmünd. Noch unterbrechen Absperrbänder den Rundgang im dritten Obergeschoss des Museums, den Wandel vorbei an einer Replik der Figur des „Löwenmenschen“ und an Funden der Römerzeit über eine staufische Madonna bis zu Grafiken von Albrecht Dürer und Hans Baldung Grien. Von Elfenbeinarbeiten Johann Michael Mauchers und Porträts des spätbarocken Malers Johann Georg Strobel bis zum Kirchenschatz des Heilig-Kreuz-Münsters. 

Verzichten müssen Besucher noch auf die Mittelalter-Abteilung. Die wird am 10. Juli zum Auftakt der Europäischen Staufertage in Schwäbisch Gmünd wieder eröffnet. 

Auslöser für die Neugestaltung waren Brandschutzarbeiten. Fürs Museum ein fast willkommener Anlass, die Räume neu zu gestalten. „Wir wollen frischen Wind reinkriegen, die Objektfülle reduzieren, andere Exponate besonders betonen “, sagt Dr. Martin Pozsgai, wissenschaftlicher Mitarbeiter. Besuchern soll der Blick aufs Wesentliche erleichtert werden. „Dort, wo bisher fünf Steindokumente des Münsters mit Tiermotiven zu sehen waren, zeigen wir eben nur zwei.“ Von der Stauferzeit bis zur Gotik legen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Hand an. Immer das Interesse der künftigen Besucher vor Augen: „Wir möchten durch Farbe eine inhaltliche Klammer schaffen“, betont  Dr. Martin Pozsgai. Sie wird jedoch weniger dominant aufgetragen als bei den Wechselausstellungen im ersten Obergeschoss. Aber sie soll die Orientierung verbessern. 

Manche Objekte ändern auch ihre Standorte. Die Turmmonstranz etwa, die bis jetzt dem Münsterschatz zugeordnet ist, soll in die Mittelalter-Abteilung wechseln. Sie wird dort neben Skulptur und Malerei zu sehen sein, in neuem Zusammenhang die zeitliche Einordnung besser erklären. Die älteste Monstranz im Kirchenschatz gehört mit ihren gotischen Architekturteilen im Miniaturformat in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts. Neben den dort ausgestellten Altarbildern wird sie in der neuen Präsentation in ihrer liturgischen Funktion wahrzunehmen sein. „Außerdem soll sich zukünftig ein visueller Dialog zwischen diesem außergewöhnlichen Werk und den Bildwerken und Architekturteilen im Bereich der Münsterbauhütte entfalten“, sagt Museumschef Dr. Max Tillmann. 

Verbessern wird das Museum die Didaktik, die Inhalte werden künftig zweisprachig in deutsch und englisch vermittelt werden. Besonders wichtige Stücke erhalten eine „Higlight-Markierung“. Dabei denkt  Dr. Martin Pozsgai schon weiter: „Grundsätzlich dient uns die Überholung der Mittelalterabteilung als Blaupause für die Weiterentwicklung in den übrigen Abteilungen der Sammlung. 

Das historische Gesamtkunstwerk greift an der Stelle die Stauferzeit auf, rückt zentrale Werke in die vorrangige Blickachse. Etwa die Madonna aus der Zeit um 1150. An die Marienkirche aus der gleichen Zeit erinnert ein Modell, das auch die Türme zeigt, die bis 1497 den Nachfolgebau, das Heilig-Kreuz-Münster, schmückten. Besucherinnen und Besucher, die das Museum schon kennen, werden beim weiteren Rundgang eine feste Größe erkennen: den Palmesel, „an dessen Standort nicht gerüttelt wird“, so  Dr. Martin Pozsgai. Dort hat auch die Madonna aus dem Jahr 1350 Platz wie das Bild der Palmesel-Prozession. Das allerdings entstand erst viel später, um 1700. Beim Blick nach rechts bleiben Besucher am  Laufrad des Münsters hängen, mit dem Lasten in große Höhen gezogen wurden. „Dieses Rad möchten wir wieder in Betrieb nehmen und Kindern – unter Aufsicht – die Benutzung ermöglichen.“ Ein ganz wichtiges Exponat hat sich bis jetzt hinter diesem Laufrad versteckt. Es ist der Schlussstein des Münsters, im Jahr 1521 eingebracht. Der soll künftig mehr ins Blickfeld rücken. Wie eine Ablasstafel von 1503 aus dem Münster. Vielleicht Abbild des Finanzierungsmodells für den Parler-Bau. 

Neu in der Abteilung wird eine Medienstation mit einer Videopräsentation sein. Parallel zur Wiedereröffnung der Abteilung entsteht eine neue Homepage, außerdem sollen Interessierte Highlights aus der Sammlung schon bald über einen QR-Code direkt sehen können.

Das Gmünder Museum

Das Museum wurde im Jahr 1876   gegründet und zählt damit zu den ältesten Museen in Baden-Württemberg. Gründer waren unter anderem  die  Fabrikanten Hermann Bauer (1833-1919) und Julius Erhard (1820-1898). 1973 fand das Museum im  Prediger Platz. Bis heute kommt Unterstützung aus der Bürgerschaft. Die Neugestaltung des Museums war auch durch die finanziellen Mittel aus dem Nachlass von Dr. Klaus Breit und Ingrid Ursula Brock möglich. Gelder, die im aktuellen Haushalt fürs Museum auftauchen.

Laufrad

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