Mohren-Apotheke schließt - geht eine Tradition zu Ende?

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Die Mohren-Apotheke am Marktplatz 25 schließt zum 30. Juni. Findet der Hausbesitzer keinen Apotheker als Nachfolger, geht eine mehr als 200 Jahre währende Tradition zu Ende.
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Inhaberin nennt verschiedene Gründe für die Schließung am Marktplatz. Sie übernimmt die Paracelsus-Apotheke in der Südstadt.

Schwäbisch Gmünd

Eine mehr als 200 Jahre währende Tradition könnte zu Ende gehen: Die Mohren-Apotheke am Gmünder Marktplatz schließt zum 30. Juni. Dies bestätigt Inhaberin Susanne Baumhauer im GT-Gespräch. Die Mitarbeiter der Mohren-Apotheke werden künftig in der Paracelsus-Apotheke in der Weißensteiner Straße 1 arbeiten. Diese übernimmt Baumhauer zum 4. Juli von Irmgard Seitzer.

Baumhauer nennt für die Schließung der Mohren-Apotheke mehrere Gründe: Die Frequenz in der Innenstadt habe sich geändert, auch durch die Corona-Pandemie. Außerdem habe sich die Ärztestruktur in der Innenstadt geändert. Ebenfalls eine Rolle spielt für die Apothekerin, dass die Honorare für Arzneimittel für die Apotheken, der Anteil also, den Apotheker beim Verkauf eines Medikaments erhalten, seit Jahren nicht mehr angepasst worden seien. Ein weiterer Grund für die Schließung ist die Miete: Diese ist für eine Verkaufsfläche im Erdgeschoss eines Hauses am Marktplatz doppelt so hoch wie zum Beispiel am Ende der Bocksgasse. Dort führt Susanne Baumhauer eine zweite Apotheke, die Einhorn-Apotheke. Zudem hat diese Apotheke im Vergleich zum Marktplatz ein anderes Umfeld: Es gibt Parkplätze bei der Apotheke, und in der näheren Umgebung sind Arztpraxen und Seniorenheime. Nicht zuletzt verweist Susanne Baumhauer auf eine Konzentration von Apotheken am Marktplatz. Sie betont dabei, dass es weder in Deutschland insgesamt noch in Gmünd speziell zu viele Apotheken gebe. Allerdings: Die Verteilung stimmt nicht. In den Stadtteilen und Quartieren gibt es immer weniger Apotheken, in der Innenstadt viele.

Baumhauer ist mit ihrer Analyse der Situation der Apotheken nicht allein: Die Apotheken kämen 2022 nach der Pandemie wieder in den Normalbetrieb, sagt die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ABDA. Dabei sei der Anteil der Apotheken an den Leistungsausgaben der Krankenkassen langfristig rückläufig. Zudem machten Energiekosten, Inflation und wachsende Personalausgaben zu schaffen. Die ABDA fordert deshalb die Politik auf, Apotheken für mehr wirtschaftliche Sicherheit von Bürokratie zu entlasten.

Das Ende einer Tradition sei zwar schmerzhaft, sagt Baumhauer schließlich zur Mohren-Apotheke. Gleichzeitig dreht sie die Analyse ins Positive: Die sieben Mitarbeiter der Mohren-Apotheke werden in der Paracelsus-Apotheke arbeiten und damit Südstadt-Bewohnern weiterhin eine Apotheke bieten.

Der Besitzer des Hauses am Marktplatz, der namentlich nicht genannt werden will, will die Apotheken-Tradition fortführen. Er wisse aber, dass dies schwierig sei, sagte er der GT.

Frequenz in Innenstadt hat sich geändert.“

Susanne Baumhauer,, Apothekerin

Aus der Geschichte der Mohren-Apotheke

Es gibt wohl wenige Besucher Gmünds, denen die Fassade der Mohren-Apotheke nicht auffällt: Die Malereien zeigen Putten, die Arzneimittel herstellen. Im Giebel gibt es eine Darstellung Moses und Jesu. Die ursprünglichen Malereien stammen von Josef Wannenmacher aus dem Jahr 1765. Um 1870 soll sie der Gmünder Maler Carl Tiefenbronn erneuert haben. Die Tradition der Apotheke, so schreibt Theo Zanek in seinem Buch „Gmünder Häuser und Geschichten“, geht auf Franz Achilles von Stahl zurück. Er war im 18. Jahrhundert einer der reichsten Bürger der Stadt. Sein 1739 geborener Sohn Franz Xaver Stahl hat sich in Augsburg zum Apotheker ausbilden lassen. Da es zu der Zeit in Gmünd nur eine Apotheke gab, die Löwen-Apotheke, hat Franz Achilles von Stahl das Haus am Marktplatz 25 im Jahr 1763 von Stadtbaumeister Johann Michael Keller zu einer Apotheke umbauen lassen. Von Franz Xaver von Stahl übernahm dessen Sohn Christian die Apotheke. Er verkaufte sie 1797 an Franz Josef Doll. Susanne Baumhauer übernahm die Apotheke vor etwa zwölf Jahren.

Die Mohren-Apotheke am Marktplatz 25 schließt zum 30. Juni. Findet der Hausbesitzer keinen Apotheker als Nachfolger, geht eine mehr als 200 Jahre währende Tradition zu Ende.

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