Müller Optik: „Wir ruhen uns nicht auf der Tradition aus“

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Optik Müller Monika Frey
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2021 hat Müller Optik den 100. Geburtstag gefeiert. Der Blick des Gmünder Traditionsoptikers geht dennoch in die Zukunft.

Schwäbisch Gmünd

Das vergangene Jahr war ein besonderes für Monika und Joachim Frey: 100 Jahre ist Müller Optik 2021 geworden. Das Unternehmen ist noch immer in Familienbesitz. In vierter Generation führt Monika Frey den Betrieb mit seinen zwölf Mitarbeitenden, Joachim Frey kümmert sich um Verwaltung, Marketing und IT. 100 Jahre – das ist auf der einen Seite ein Meilenstein für jedes Familienunternehmen, auf der anderen Seite macht Monika Frey deutlich: „Wir ruhen uns nicht auf unserer Tradition aus, sondern blicken stets in die Zukunft.“

Was indes noch immer dasselbe ist wie vor 100 Jahren: Im Mittelpunkt des Optikers in der Bocksgasse steht noch immer der Kunde. „Fast jede von uns gefertigte Brille ist ein Unikat“, unterstreicht Monika Frey. Müller Optik setzt dabei zum einen auf die Handwerkskunst der Mitarbeiter. Alle Optiker sind erfahrene Feinhandwerker und absolute Spezialisten ihres Fachs. Zum anderen investiert das Unternehmen permanent in die technische Ausstattung, diese moderne Technik unterstützt die Mitarbeitenden.

„Unser Beruf hat sich drastisch gewandelt“, sagt Monika Frey. „Digitalisierung und neue Technologien unterstützen uns sehr gut, gleichzeitig benötigt man inzwischen ein sehr gutes Verständnis von Technik.“ Die nötige Stärke des Brillenglases wird zum Beispiel mit der  sogenannten 3D-Refraktion bestimmt: Der Kunde schaut dabei mit beiden Augen etwa auf eine virtuelle Landschaft und bemerkt dabei nicht mal, welches Auge gerade vermessen wird. Auch Nachtsehtests sind möglich. CNC-Maschinen lassen dann aus den Rohlingen individuelle Brillengläser entstehen. Regelmäßig wird die technische Ausstattung auf den neusten Stand gebracht. Die Fassungen bezieht Müller von verschiedenen, namhaften Herstellern. „Hier achten wir nicht nur auf die Qualität, sondern auch auf die Produktionsstätten, in der diese hergestellt werden“, sagt die Inhaberin. Denn gerade sehr billige Gestelle werden häufig unter zweifelhaften ökologischen Rahmenbedingungen in Fernost hergestellt. Allerdings hat nicht nur die Corona-Krise zu einem Umdenken bei einigen Herstellern geführt: Immer mehr Hersteller, so Joachim Frey, entdecken Europa als Produktionsstandort wieder.

Neben Brillen ist Müller Optik ein Experte für digitale Sehhilfen, mit denen Senioren der Alltag erleichtert wird, sowie Kontaktlinsen. Die Gmünder waren Mitte der 1960er-Jahre übrigens einer der ersten Optiker in Baden-Württemberg überhaupt, die Kontaktlinsen im Angebot hatten. „Bei der Kontaktlinsenanpassung setzen wir ebenfalls auf moderne Messverfahren und computergestützte Simulation“, sagt Monika Frey und zeigt dabei auf einen Bildschirm in einem der vielen Räume in dem Optikergeschäft in der Bocksgasse. Dort ist ein rundes Gebilde in 3D zu erkennen, das auf den ersten Blick wie ein erloschener Vulkan aussieht, in Wirklichkeit jedoch eine menschliche Hornhaut in mehrfacher Vergrößerung darstellt. „Daran erkennt man, wie wichtig eine gute Anpassung der Kontaktlinsen an die Beschaffenheit der Augen ist“, merkt sie angesichts der Unebenheiten an. Ebenfalls auf dem neusten Stand ist die Kontaktlinsen-App des Unternehmens, die Träger zum Beispiel an Kontrolltermine und Nachbestellungen erinnert.

Mit der Verbindung von Technologie, Handwerk und Kundenorientierung will sich Müller Optik von der immer größer werdenden Konkurrenz wie großen Ketten und Online-Plattformen abheben. „Optiker sind keine Brillenläden“, sagt Monika Frey. „Auch wenn wir für jedes Budget eine Brille anbieten können, geht es bei uns nicht um Dumping-Preise, sondern um Qualität und Kundenzufriedenheit“, merkt Joachim Frey an. „Und die Kundenzufriedenheit gibt es nicht über Low-Budget-Preise, sondern über Leistungen, die ihren Preis wert sind.“ Die Kunden danken es, viele kommen schon in der zweiten oder dritten Generation zu den Gmündern. Einer der  treuen Kunden hat zum 100. Geburtstag sogar eine eigene Glückwunsch-Karte für den Optiker designt: Für jedes Jahr gab es ein Lob – und da war alles dabei: von „zuverlässig“ über „sorgfältig“ hin zu „sexy“. Ein schöneres Dankeschön kann es zu einem Meilenstein wie diesem kaum geben.

  • Die Geschichte von Müller Optik 
  • 1921 Josef Müller sen. Gründet das Unternehmen, anfangs arbeitet er in der eigenen Wohnung. Dank der steigenden Nachfrage zieht er mit Werkstatt und Verkauf in die Kapuzinergasse.
  • 1960 Umzug in die Bocksgasse 26.
  • 1965 Gründung des „Kontaktlinsen-Insituts“ – eines der ersten in Süddeutschland.
  • 1976 Umzug in den heutigen Stammsitz in der Bocksgasse 28.
  • 1995 Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde für die leichteste Brillenfassung der Welt, die 1993 von Otto Müller erdacht wurde.
  • 2007 Mit Monika Frey übernimmt die vierte Generation die Geschäfte.
  • 2013 Kompletter Umbau der Geschäftsräume
  • 2016 Das Jahrhunderthochwasser beschädigt die Geschäftsräume.
  • 2021 Das Unternehmen feiert 100-jähriges Bestehen.
Monika und Joachim Frey.
Monika Frey führt das Unternehmen inzwischen in vierter Generation.
Hier werden Augen vermessen.
Verkaufs- und Beratungsraum in der Bocksgasse 28.
Der Stammsitz von Müller Optik heute.

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